Küche & Esszimmer

Wir essen jeden Tag. Daher liegt in der Küche großes Potenzial, Müll zu vermeiden.

Ich gliedere diesen Text in 2 Teile: Zuerst geht es darum, wie du Lebensmittel ohne Verpackung einkaufen kannst. Im zweiten Teil spreche ich darüber, wie du deine Küchenausstattung vereinfacht und hochwertiger gestalten kannst.

Ich empfehle vor dem Start mit Zero Waste in diesem Bereich, zuerst die Küche gründlich aufzuräumen. Leere alle Regalfächer und überlege dir, welche Dinge du wirklich brauchst.

Lebensmittel und Kochen

Lebensmitteleinkauf

Vegetarisch, vegan, paleo, clean-eating, frutarisch, freegan…: Das Internet überschlägt sich mit Webseiten, Blogartikeln, E-Books und weiteren Infoquellen zu den verschiedensten Essstilen. Die meisten basieren darauf, dass sie irgendeine Zutat weglassen: kein Fleisch, keine Milchprodukte, kein Zucker, etc.

Für Zero Waste musst du keine Lebensmittel komplett von deinem Speiseplan streichen. Du kannst alles essen und trinken, was du verpackungsfrei bzw. nach den 5 Prinzipien bekommst. Es ist großteils kein Problem, wenn du dich nach deinen eigenen Überzeugungen ernährst. Trotzdem hat Zero Waste mit Sicherheit positive Auswirkungen auf deine Ernährung.

  1. Grundsätzlich: Verzichte auf verarbeitete Lebensmittel und Fertigprodukte!

Diesen Hinweis kennst du sicher schon als Bestandteil diverser Fitnesszeitschriften und Ernährungsratgeber. Ich rolle ihn hier nochmals auf, weil er mir bereits vor meiner bewussten Auseinandersetzung mit Zero Waste einfach geholfen hat, unbewusst viel Müll zu sparen und mich gesünder zu ernähren. Ersetze Fertigpizzen, Chips, Saucenpulver, abgepackte Brötchen etc. durch unverarbeitetes Gemüse und Obst.

Meine Erfahrungen: Schon vor Zero Waste ließ ich aufgrund meines Palmölverzichts viele dieser Lebensmittel weg.Jedoch werde ich von Obst und Gemüse, den einzigen Lebensmitteln, die ich im Supermarkt unverpackt bekomme, allein nicht satt. daher überlege ich mir in Punkt 3 alternative Orte zum Einkaufen. Für die braucht man jedoch etwas Zubehör.

2. Was brauchst du zum Einkaufen & Aufbewahren der Lebensmittel

Einige unverzichtbare Hilfsmittel habe ich bereits hier („Was brauche ich, um meine Ziele zu erreichen“) erwähnt. Zusätzlich empfehle ich dir speziell für Lebensmittel 5 Dinge:

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  • Marmeladegläser: Mein Regal ist immer voll davon. Sie sind wahre Alleskönner, eignen sich zum Einkaufen von allen möglichen Waren in kleinen Mengen. Auf dem Wochenmarkt kaufe ich darin Oliven, Schafs- oder Ziegenkäse und im Unverpackt-Laden Kräuter und Gewürze.
  • Weckgläser: Sie sind zumeist größer als Marmeladegläser und haben einen Deckel aus Glas. Ich kaufe damit dieselben Lebensmittel wie mit Marmeladegläsern. Eignen sich zum Einkochen, wie es deine Oma vielleicht noch gemacht hat. Aber ich liebe diese Gläser auch zum Einfrieren von etwas größer ausgefallenen Lebensmittelresten und Früchten.
  • Standardisierte Behälter in einer Größe aus geeignetem Material: Du kannst damit lose Lebensmitteln einkaufen. Außerdem helfen sie dir, größere Mengen von Lebensmitteln tiefzukühlen und anderweitig aufzubewahren. Am besten eignet sich reines Edelstahl. Für den Einstieg ist es allerdings nicht nötig, sich all diese Behälter sofort anzuschaffen. Gehe in deinem Abstellraum oder Keller auf die Suche nach leeren Behältern. Ich habe beispielsweise noch viele 1kg Joghurteimer und zylinderförmige Müslipackungen übrig aus der Zeit vor Zero Waste. Die verwende ich ebenfalls zum Einkauf, zur Lagerung von trockenen Lebensmitteln und zum Tiefkühlen. Ein weiterer Geheimtipp sind Keksdosen: Ich lagere meist keine Kekse darin, sondern kaufe alles mögliche auf dem Markt damit.
  • Wachstuch: Verabschiede dich von der Frischhaltefolie. Diese Tücher kannst du selber herstellen oder online bestellen. Ich habe sie mit Bienenwachs selber gemacht. Achte darauf, sauberes Wachs zu verwenden und stelle am besten gleich mehrere her. Sie sind wiederverwendbar und angenehmer anzufassen als Frischhaltefolie.
  • Zum Essen unterwegs: siehe eigenes Kapitel

3.Supermärkte und die Alternativen

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Regale in einem Supermarkt

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Ein Ausschnitt des verpackungsfreien Geschäfts „Heimatliebe Unverpackt“ in Markdorf (bei Friedrichshafen, Deutschland). Definitiv eines meiner liebsten Geschäfte in der Umgebung!

Ganze 10 500 Produkte (Stand:2012) stehen in einem durchschnittlichen Supermarkt in Deutschland [1]. Der Löwenanteil davon ist in Einwegverpackungen verpackt.

Selbst der verpackungsfreie Einkauf von Obst und Gemüse wird hier zum Spießrutenlauf. Verschweißte Maiskolben liegen neben einzeln folierten Gurken.  Zwar bekommst du im Supermarkt mit etwas Glück auch unverpacktes Obst und Gemüse, das meist aber nicht biologisch angebaut ist.

Da ich beim Einkauf Bioprodukte klar bevorzuge, stellt der Supermarkt für mich eine knifflige Einkaufsmöglichkeit dar. (du musst dennoch im Supermarkt einkaufen? Lies hier meine Tipps und Erfahrungen Inhalte folgen)

Entspannend ist für mich hingegen der Einkauf auf dem Wochenmarkt. Hier erhältst du nicht nur Obst und Gemüse, sondern oft auch Fisch, Fleisch, Milchprodukte und Trockenobst (achte auch hier nach Möglichkeit darauf, bei Bio-Landwirten zu kaufen).

Nimm Brot beim Bäcker deines Vertrauens mit. Bei meinem Bäcker sind die Brote nicht in Plastik verschweißt und ich kann sie in eine mitgebrachte Baumwolltasche einpacken. Falls ich einmal süße Teilchen oder fettigeres Gebäck kaufe, lasse ich es mir in eine Keksdose geben.

In Bioläden findest du normalerweise unverpacktes Obst und Gemüse sowie Milchprodukte in Pfandflaschen, Tomatensaucen und Nussmuse im Glas. Leider gibt es ansonsten hier auch viele Produkte in Plastikverpackungen.

Am liebsten gehe ich daher zu verpackungsfreien Geschäften. Hier kannst du nach Herzenslust einkaufen: Die Produkte sind unverpackt und zumeist kontrolliert biologisch angebaut – es ist die perfekte Kombination für mich. Und in einem Laden mit großer Auswahl erhältst du alles: Nudeln, Mehl, Linsen, Haferflocken, Obst, Gemüse und manchmal sogar biologische Reinigungsmittel zum Selber- Abfüllen. Der einzige Nachteil: Es gibt noch relativ wenige Unverpackt-Läden. Wenn du in bzw. nahe einer Großstadt wohnst, findest du am ehesten einen in deiner Umgebung. Schau am besten mal auf diese Karte.

4. Wie überwindest du Hürden beim richtigen Einkaufen?

Die besten Behältnisse bringen allerdings nichts, wenn du sie nicht nutzt. Genau hier traten auch bei mir Anfangsschwierigkeiten auf. Man ist mit dem Rad unterwegs, hat aber keine Stofftaschen dabei. Oder es liegen nicht genug Keksdosen im Auto.

=>Halte genug Behälter, Stofftaschen und Wachstücher bereit! Du brauchst mehr Stofftaschen, als du denkst. Ich konnte besonders auf Flohmärkten oder beim Stöbern auf Omas Dachboden viele ungenutzte und gut erhaltene Behälter entdecken.

=>Verstreue sie. Überall. Lege dir stets einige handliche Stofftaschen in den Fahrradkorb. Halte einige Marmeladegläser in deinem Auto bereit und vergiss niemals die Einkaufsliste(siehe unten).

=>Lege VOR dem Einkauf eine Einkaufsliste an. Um auch hier Zero Waste zu arbeiten, empfehle ich dafür dein Smartphone, Fehldrucke oder alte geöffnete Briefumschläge [2]. Du kannst dir deinen Wocheneinkauf auch auf eine Tafel schreiben und diese zentral im Haus/ in der Wohnung aufhängen. Das mache ich selber und finde es besonders für Haushalte mit mehreren personen eine geeignete Möglichkeit.

Wenn du weißt, was du kaufen möchtest, lege dir ausreichend Behälter und Taschen zurecht. Bemesse die Anzahl der Behälter großzügig, um einen eventuellen Impulskauf auch müllfrei mitnehmen zu können. Ich kaufe zudem Trockenwaren wie Mehl, Linsen, Nüsse, Salz etc. in großen Mengen auf Vorrat. So hast du genug davon zuhause und erliegst nicht der Versuchung, schnell noch mal eine Plastikpackung davon irgendwo mitzunehmen.

=> Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich ohne 10 verschiedene Linsen/Mehl/Joghurt/xysorten auskomme. Durch eine kleinere die Anzahl an unterschiedlichen Lebensmitteln bei mir zu Hause konnte ich Platz schaffen. Vorratshaltung kann zwar nützlich sein, wenn es um selbstgemachte Marmelade, eingelagertes heimisches Gemüse oder tiefgekühltes Obst für den Winter geht. Allerdings hat der Unverpackt-Laden das ganze Jahr verschiedene Sorten von Trockenwaren oder Milchprodukten im Angebot. Es ist spannend, immer wieder mal eine neue zu probieren. Und wenn du zuhause nicht zu viele Sorten davon hortest, tust du dir leichter mit der Vermeidung von Chaos.

Küche

  1. Entrümple deine Kästen! Nach dem Aufräumen (siehe Anfang) sichtest du deine Küchenutensilien. Brauchst du sie wirklich alle oder kannst du etwas davon entbehren?

Die meisten Küchen sind voll mit allen möglichen mehr oder weniger nützlichen Utensilien zum Kochen und Backen, Schneiden und pürieren etc: Elektrische Messer, Zitronenpressen aus Kunststoff, diverse Silikonbackformen und Brotschneidemaschinen. Viele dieser Sachen sind sperrig und nehmen viel Platz ein. Du darfst dich getrost von den Dingen trennen, die du nicht oft und gerne gebrauchst.

In deiner Küche finden sich vermutlich noch einige Einweggegenstände wie Servietten, Muffinförmchen, Frischhaltefolie, Plastiksäcke, etc. Brauche sie ebenfalls auf oder verschenke sie.

Auch ich hatte einige Küchengegenstände aus Kunststoff, darunter diverse Schüsseln, Boxen, Puddingformen und Becher. Alles auf einmal wegzuschmeißen und sich einen komplett neuen Satz Küchengeräte zuzulegen, würde jedoch viel Müll auf einmal erzeugen und wäre dem Prinzip von Zero Waste nicht zuträglich. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass Gegenstände, die du in Zukunft kaufst, hochwertiger, langlebiger und nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer problemlos recyclebar sind.

Betrachte vor allem deine vorhandenen Kunststoffgegenstände genauer: Sind Kratzer darin? Kommen diese Produkte direkt mit Lebensmitteln in Berührung bzw. wäschst du sie ab? Ich möchte hier besonders Kunststoffschneidebretter erwähnen. Wenn sie stark verkratzt sind, können kleine Kunststoffstücke mit dem Schneidegut in dein Essen bzw. beim Abwaschen in den Ausguss kommen und in die Umwelt oder in dein Verdauungssystem gelangen. Klingt  unappetitlich. Sogar aus hygienischer Sicht sind Plastikbretter nicht empfehlenswert [3]. Ersetze daher Kunststoffschneidebretter gleich durch Holzschneidebretter (achte auf heimisches, zertifiziertes Holz) oder Glasplatten.

Auch andere, stark verkratzte oder angeschmolzene Kunststoffgegenstände solltest du besser sogleich gegen kunststofffreie Gegenstände austauschen.

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Meine Must-Have-Küchenutensilien (pro Person) auf einen Blick. (Artikel dazu folgt)

Mein Stand: Ich habe einige Töpfe und Pfannen mit Kunststoffgriff behalten, da sie noch gut in Stand sind. Jedoch entschied ich mich, andere Gegenstände wie Kunststoffschüsseln, Kunststoffdosen und Kunststoffbecher zu verschenken. Ich habe genug von diesen Gegenständen aus Porzellan oder Glas. Keksdosen ersetzen die Kunststoffbehälter. Auch ein Pürierstab, der am Mixteil aus Plastik bestand, das mit der Nahrung in Berührung kommt, flog aus meiner Küche. Ich verwende stattdessen meinen Smoothiemixer. Ich habe zudem die Erfahrung gemacht, dass ein Gerät oft durch einfachere Werkzeuge ersetzbar ist oder das ein Gerät mehrere andere ersetzen kann.

 

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Abendessen im Sommer, mediterran

Am Tisch

Was das Servieren angeht, entspanne dich. Du musst für 3 Gänge nicht 3 extragroße Teller bereithalten. Salate und Hauptspeisen lege ich im Alltag immer auf denselben Teller. Verwende Stoffservietten statt Papierservietten. Und auch das muss nicht immer sein: Unter der Woche bzw. wenn keine Gäste da sind, ist es in unserer Familie noch immer üblich, sich nach dem Essen einfach die Hände zu waschen, anstatt eine Serviette zu nutzen. Es ist auch möglich, ein Geschirrtuch zum Abputzen der Hände verwenden, falls nicht genug Stoffservietten da sind.

Auch Tischsets spare ich mir meist. Tischdecken – auch solche aus Stoff –lege ich nur zu besonderen Gelegenheiten auf. Es ist einfacher und energiesparender, einen Tisch abzuputzen als eine Tischdecke zu waschen, zu trocknen und zu bügeln.

Vorteile in der Küche

Zero Waste hat mir geholfen, einen ruhigeren und entspannteren Umgang mit der Zubereitung von Lebensmitteln und mit Essen zu finden. Es entschleunigte mein Essverhalten,da mich zum Essen lieber in Ruhe hinsetze als ein To-Go-Gericht herunterzuschlingen.

Offene Fragen?

Nutze die Kommentarfunktion. Zusammen können wir Lücken im Konzept viel besser entdecken und einen Weg finden, wie wir noch mehr Müll vermeiden!

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/294107/umfrage/artikel-in-einem-supermarkt-in-deutschland-nach-sortiment/

[2] https://www.bzfe.de/forum/index.php/forum/showExpMessage/id/46653/page1/10/searchstring/+/forumId/3

[3] http://www.wilms.com/Hygiene/Presse/HolzHygienischer.htm

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