Im verpackungsfreien Laden: Markdorf

Italienische Haselnüsse und rundkörniger Risottoreis befinden sich in großen Spendern, an denen man nur zu drehen braucht. Ich betrachte staunend die kleinen Metallschaufeln, mit denen man Kakao, Zucker und Kokosflocken aus geschlossenen Behältern entnehmen kann. Kein Zweifel, hier ist das Elysium für jeden Zero Waster– auch bekannt als Unverpackt-Laden.

Wie funktioniert so ein Laden?

Obwohl die Verpackung fehlt, musst du deinen Einkauf nicht in der Schubkarre mit nach Hause nehmen. Idealerweise hat ein Unverpackt-Laden eine Liste der momentan verfügbaren Waren im Internet aufgeschaltet. So kannst du genau überlegen, was du kaufen willst und welche Behälter du dazu brauchst. Manche Läden verkaufen die passenden Behälter gleich zu den Waren dazu. Das ist für Einsteiger besonders praktisch. Ansonsten überlegst du dir, wie viel du in etwa kaufen möchtest und nimmst dir passende Behälter mit. Für Nüsse eignen sich große Keksdosen oder alte Riesen-Einweckgläser, auch Mehl kannst du hier gut unterbringen. Getreide oder größere lose Waren passen auch in einen Stoffbeutel, idealerweise mit Kordel zum Zuziehen. Gewürze fülle ich in Marmeladegläser und für Öl & Essig eignen sich gut schließende Bügelflaschen am besten.

Bevor du die Behälter füllst, wiegst du sie im Laden ab. Die Unverpackt Läden stellen dazu in der Regel eine Waage bereit. Neben dieser liegt ein Stift, mit dem du das leere Gewicht deiner Behälter notieren kannst. Dann kannst du so viel kaufen, wie du willst. An der Kasse wiegt der Inhaber bzw. Angestellte[1] die Behälter, zieht die Tara ab und erstellt deine Rechnung.

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Eindrücke aus einem verpackungslosen Geschäft[2]

Warum solltest du im Unverpackt-Laden einkaufen?

+Ein Einkauf im Unverpackt-Laden spart Verpackung & Müll. Das ist offensichtlich. Daraus ergeben sich noch viel mehr Vorteile für dich persönlich.

+ Das Einkaufsgefühl. Ein Unverpackt Laden verkauft pure Lebensmittel, viele Läden legen zudem Wert auf biologisch angebaute Nahrungsmittel. Die Atmosphäre ist angenehm persönlich und oft bleibe ich bei etwas Tee und Kuchen gerne noch länger im Geschäft – viele Unverpackt-Läden bieten auch einen kleinen Snack bzw. Gebäck & Kaffee an. Da bleibe ich gern noch länger – um das Design der Geschäfte zu bewundern und um zu sprechen.

Hier fühle ich mich endlich wieder zu Hause, hier kann ich einkaufen, wie ich es will.

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Der Preis pro 100 g ist angegeben – wie viel ich kaufen möchte, kann ich mir aussuchen! [2]

+ Das ist schon der nächste Vorteil: Ich bestimme, wie viel ich mitnehme. Ob ich nun 50 g Haselnüsse möchte oder 5000g – mit dem passenden Behälter ist vieles möglich. Anders als im Supermarkt, wo ich oft zu viel kaufen „musste“, weil es eben so abgepackt war. Du sparst dir Geld und Lebensmittelabfälle, weil du nur noch so viel kaufst, wie du wirklich brauchst.

+Außerdem schätze ich es, mit dem Inhaber/der Inhaberin bzw. anderen Kunden ins Gespräch zu kommen – was in einem großen Shop eher selten passiert. Die Inhaber der Unverpackt-Läden, die ich schon besucht habe, geben mir gerne Auskunft über die Herkunft ihrer Waren und kennen sich gut mit diesen aus.

Als ich einmal im Sommer im Supermarkt gearbeitet habe, war ich nur in der Hinsicht kompetent, dass ich wusste, wo sich Produkte von Apfelchips (39g) über Knoblauchpaste in Tuben bis hin zu fertigen Pfannkuchen befanden. Wenn du dich für die Inhaltsstoffe und die Herkunft der Ware interessierst, musst du als Kunde das Kleingedruckte studieren und dich kritisch mit den verschiedenen Gütesiegeln und Anpreisungen auf der Ware auseinander setzen.

+ Im Unverpackt-Laden entfällt das. Die meisten Produkte bestehen nur aus einer Zutat. Da es keine Verpackung gibt, kannst du die Waren direkt durch die durchsichtigen Spender sehen und ihre Qualität so transparent feststellen. Auf Anfrage darfst du gewisse Produkte z.B. Öle oder Essig aus Spendern manchmal auch probieren.

+Ein weiterer Vorteil am Einkauf im Unverpackt Laden ist die Struktur. Supermärkte sind taktisch so geplant, dass du möglichst viel Geld ausgibst. In einem Unverpackt-Laden entfällt das. Die Geschäfte, die ich bisher besuchte, bemühen sich nicht, die ausgeklügelte Strategie einer Supermarktkette zu imitieren. Denn größtmöglicher Umsatz ist auch nicht das Ziel der Inhaber, die ihr Geschäft mit aus ideellen Motiven betreiben. Dein Vorteil: Du kaufst in der Regel das, was du vorher bereits geplant hast. Zu viele Produkte kannst du – je nachdem mit welchem Verkehrsmittel du zum Laden gekommen bist – hier gar nicht kaufen. Die Behälter wiegen bei einem Großeinkauf u.U. etwas schwerer als die vielen Einwegverpackungen in einem Supermarkt. So wirst du feststellen, dass du in einem Unverpackt-Laden einfach das kaufst, was du wirklich brauchst und dazu nicht mal Disziplin brauchst. Denn Unnötiges gibt es hier gar nicht!

Wo finde ich ein Geschäft in meiner Gegend?

Du kannst es gar nicht mehr erwarten, auch zum Unverpackt-Laden zu fahren? Schau hier. Vielleicht liegt das Geschäft, was ich letztes Wochenende wieder besucht habe, sogar in deiner Nähe.

Mein Einkauf im Unverpackt-Laden

In meiner Umgebung befinden sich mehrere Unverpackt-Läden. Ich gehe rund alle 2 Monate in einen Unverpackt-Laden, dann kaufe ich aber wirklich viel ein. Das mache ich so aufgrund der Entfernung der Läden von meinem Wohnort und weil ich mir zum Einkaufen gerne mehr Zeit nehme.

Im Folgenden stelle ich euch exemplarisch meinen Einkauf von letzter Woche vor: Hier besuchte ich Heimatliebe Unverpackt in Markdorf am Bodensee.

(noch mehr Unverpackt-Läden in meiner Gegend – Inhalte folgen)

Theke

Inhaberin Simone Keller hinter dem Tresen im Eingangsbereich ihrer „Heimatliebe Unverpackt“

In diesem Geschäft, das zentral in Markdorf liegt, finde ich auf kleiner Fläche ein großes Sortiment. Ich schätze ganz besonders das zuckerfreie Kakaopulver und die Bruchschokolade! Meinen Einkauf verbinde ich mit einem Tagesausflug in diese Gegend, sodass sich die Anfahrt mehr als lohnte.

Das edle Design des Geschäfts kommt nicht von ungefähr: Die Inhaberin Simone Keller hat sich persönlich um die Ausstattung der „Heimatliebe Unverpackt“ gekümmert, die übrigens letztes Wochenende ihr einjähriges Jubiläum feiern durfte. So sind alle Spender aus Holz und Glas gefertigt. Gewürze kann man auch in bereitstehende metallene Gewürzdosen abfüllen. Auch die Tafeln, die angeben, was in den Spendern drin ist, gefallen mir. Und natürlich der Inhalt: Der Löwenanteil der Produkte stammt aus ökologischem Anbau, bei den wenigen Ausnahmen ist das ausdrücklich angeschrieben.

So fülle ich meine Behälter mit Haselnüssen, Rosinen, Spaghetti, Zimt und vielem mehr (siehe unten).

Mein Einkauf bearbeitet

Mein Einkauf von diesem Wochenende [3]: Haselnüsse, Spaghetti, Sonnenblumenöl, Studentenfutter und Schokomüsli (für Freunde & Familie), Rosinen, Kokosraspeln, Risottoreis, Basmatireis, verschiedene Schokoladensorten, ein Shampoo-Bar und extra viel Popcornmais!

Als Erklärung zum obigen Foto: Bei meinem Einkauf nutze ich neben Schraubgläsern, Marmeladegläsern und Keksdosen mitunter Behälter, die aus meinem früheren „Einkaufsleben“ stammen. Auf dem Foto erkennt man Joghurteimer und spezielle Cerealienverpackungen. Ich verwende sie, um trockene Lebensmittel zu lagern und zu transportieren. Die Cerealienverpackung ist eine Art Verbundverpackung, der Joghurteimer aus Plastik. Übergangsweise leben die alten Verpackungen bei mir als Behälter für meine trockenen Lebensmittel weiter. Klar: Da Joghurteimer aus Kunststoff bestehen, daher habe ich auf Joghurt in Pfandglas umgestellt, um keine neuen Kunststoffverpackungen mehr zu kaufen. Und Müsli mische ich selber oder kaufe es im Unverpackt-Laden.

Apropos Joghurt: Auch dieses und weitere Milchprodukte sind hier in Demeter-Qualität verfügbar.

Zudem werden in einer kleinen Abteilung im Laden auch Körperpflege- und Haushaltsprodukte angeboten: U.a. ist hier Zitronensäure, Duschgel und Shampoo Bars erhältlich.

Nach etwa einer halben Stunde gemütlichen Einkaufens und Abfüllens verlasse ich das Geschäft mit vielen frischen, guten Produkten – im Bewusstsein, eine gute Wahl getroffen zu haben.

„Eine gute Wahl“ getroffen. Haben wir das diesen Sonntag getan? Und was hat Wählen mit unserem (Konsumenten)leben zu tun? Aber das ist wieder ein neuer Artikel. Bis nächste Woche!

Wo kaufst du unverpackt ein? Und was schätzt du an dieser Form des Einkaufens? Ich würde mich freuen, wenn du deine Erfahrungen mit uns teilst!

 

[1] Auch in diesem Artikel gelten alle männlichen Formen gleichfalls in weiblicher Ausführung!

[2] Fotos stammen aus: Heimatliebe Unverpackt, Markdorf am Bodensee. Mit freundlicher Genehmigung von Simone Keller

[2] Ich habe in diesem Foto etwaige Markennamen von Keksdosen und anderen Verpackungen wegretuschiert. Daher kommen die farbigen Punkte auf den Seiten der Packungen.Grund: Ich wollte keine unkontrollierte Werbung machen – das ist der Nachteil der Verwendung solcher „Übergangsverpackungen“.

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