Gefunden 09/2017 – Schwerpunkt Bananen Teil 1

Wie in jedem Monat finde ich auch im September wieder viel Obst und Gemüse. Spannender ist jedoch, was ich in einem Bild links unten nicht gefunden habe: Bananen! Und das ist wirklich eine Ausnahme. Denn Bananen finde ich bei so gut wie jeder Containertour. Sie sind meiner Erfahrung nach das Obst, welches am häufigsten weggeworfen wird. Wenige Klicks bestätigen mein Gefühl: Deutsche Supermärkte werfen pro Minute ! 288 kg Bananen weg[1].

Ein Grund mehr, der Banane endlich einen eigenen Artikel zu widmen.

Die Banane (Musa)

Banana

Die Banane ?

Wir kennen nur „die Banane“, obwohl es mehr als 70 verzehrbare Bananenarten gibt [2]. Andere Quellen sprechen von etwa 400 essbaren Bananesorten [3]. Ursprünglich stammen nahezu alle aus dem südostasiatischen Raum. Heute wird der überwiegende Anteil der Bananen in der EU aus Ecuador (21%), Kolumbien (18%) und Costa Rica (19%) importiert [4]. In ihren Herkunftsländern werden Bananen sehr vielseitg verwendet: Nicht nur als Obst, sondern auch in exotischen Hauptgerichten findet man Bananen. Und die Blätter mancher Sorten können für Textilien verwertet werden.

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Bananenanbau

Bananenpflanzen werden etwa 4 bis 6 Meter hoch und sehen wie richtige Bäume aus. Genau genommen sind sie jedoch Stauden , wie man an obigem Bild unschwer erkennen kann. Wenn die Staude ausreichend groß ist, beginnt sie zu blühen und danach reifen die Bananen in Büscheln, die aus bis zu 200 einzelnen Bananen entstehen, heran [5]. Diese biegen sich der Sonne entgegen nach oben. Die Bananen werden sowohl für den Eigenverbrauch als auch für den Export noch in grünem Zustand geerntet. Nur so entwickelt sich aus der in der Banane enthaltenen Stärke ausreichend Zucker [6] [7].

Für den Export werden die Bananen nun auf Größe, Durchmesser, Krümmung und Farbe sortiert, „nur Früchte, die makellos sind und den strengen Vorgaben der Abnehmer entsprechen, werden für den Transport vorbereitet. “ [7]. Aus den großen Büscheln werden die kleinen Bananenstauden gemacht, die wir aus unseren Geschäften kennen. In Kühlschiffen werden die Bananen nun bis in europäische Häfen verschifft. Wie es dann weitergeht, kann man sich denken: Weitere Transporte mit dem LKW bis in die Zentrale einer Supermarktkette. Endlich landet die Banane von der Zentrale in einer einzelnen Filiale, wo sie dir zum Kauf angeboten wird.

An dieser Stelle noch einmal eine Zeile vom Anfang dieses Textes: „Deutsche Supermärkte werfen pro Minute ! 288 kg Bananen weg[1].“

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Zahlen und Fakten zur „Bananenverwendung“

Der Bananenimport in den EU-27 stieg von 2000 bis 2011 von 3 890 000 Tonnen auf 4 603 000 Tonnen an [8]. Nach Deutschland wurden 2016 1,4 Mio. Tonnen Bananen importiert [8a].

Wenn pro Minute wirklich 288 kg (=0,288t) Bananen von Supermärkten in Deutschland weggeworfen werden, macht das 0,288*60*24*360=149 299,2 Tonnen Bananen, die in Deutschland jährlich allein von Supermärkten (!) entsorgt werden. Das sind 10,67% der deutschen Gesamtimportmenge an Bananen[8b].

Zu bedenken ist allerdings noch, dass nicht nur der Einzelhandel Bananen wegwirft. Mit den weggeworfenen Bananen aus den Privathaushalten und mit denen, die bereits vorher aussortiert wurden, kommen wir somit auf eine noch höhere Quote an weggeworfenen Bananen: So landen sage und schreibe 30% der importierten Bananen im Müll – davon werden der Quelle nach 10% vom Einzelhandel weggeworfen[1]. Somit sind die bisherigen Berechnungen zufriedenstellend genau.

Warum landen so viele Bananen im Müll?

Warum wird der ganze Importaufwand überhaupt betrieben, wenn so viele Bananen im Müll landen? Die Gründe dafür werde ich erst nach und nach in diesem Blog hervorheben können. Zuerst mächte ich erklären, warum Bananen gerade so oft weggeworfen werden.

1.Wenn du eine Banane für ein paar Tage im Obstkorb liegen lässt, merkst du, dass sie zuerst braune Punkte bekommt, die dann immer größer werden. Für den Handel ist das scheinbar bereits ein Kriterium, die Bananen auszusortieren. Denn sehr oft finde ich solche Früchte in den Containern.Dabei sind sie keineswegs schlecht, ungenießbar oder faul! Im Gegenteil, sie schmecken in verschiedensten Gerichten hervorragend. Auch wenn fast die komplette Schale braun ist, ist das innere in aller Regel noch essbar! Das Problem ist, dass die Konsumenten es zum Teil gar nicht mehr gewohnt sind, mit dem Anblick einer braunen Banane konfrontiert zu werden. Kein Wunder: Durch jahrelange eigene Erfahrung im Alltag meinen Konsumenten zu wissen, wie eine Banane auszusehen hat. Auch die in Absatz 3 erwähnten Normen tragen zu diesem Bild bei.

2.Im Supermarkt nehmen die Verbraucher oft Bananenstauden auseinander. Die meisten brauchen nicht die gesamte Staude, dann bleiben einzelne Früchte liegen, die wiederum niemand kaufe [1]. Bei anderen Früchten, beispielsweise bei Tomaten, habe ich das noch nie beobachtet.

Oben: 14 – 2,7 – grün? Wer hat die perfekten Maße? Bei Menschen ist das glücklicherweise individuelle Geschmackssache. Bei Bananen nicht.

3. Damit eine Banane in die EU überhaupt eingeführt werden darf, muss sie „mindestens 14 Zentimeter lang und 2,7 Zentimeter dick sein, darf keine Beschädigungen aufweisen und noch nicht gereift sein, sodass sie noch transportiert und nachgereift werden kann.“[10] Das kann erklären, warum Bananen bereits vor dem Export in die EU aussortiert werden. Diese Regelung kommt aus der Bananenmarktregulierung von 1993, deren Ziel eigentlich war, Bananen aus der EU mit den ausländischen Bananen konkurrenzfähig zu machen. Das Ziel wurde allerdings verfehlt, wie sich auch an den heutigen Herkunftsländern der Bananen ablesen lässt. Die Größennorm sollte dazu beitragen, die Kunden vor minderwertiger Ware zu schützen[10]. Möglicherweise hatte der Gesetzgeber damals wirklich einen objektiven Grund dazu. Aber warum sollte eine Banane minderwertig sein, wenn sie nun 13,5 cm statt 14 cm lang ist? Warum sind kleinere Bananen schlechter? Bezahlt wird ohnehin nach Kilogramm.

Solche sinnlosen Vorschriften untergraben nicht nur die Sortenvielfalt, sondern machen auch den Einkauf zu einer eintönigen Angelegenheit. Das führt dazu, dass wir nur noch Bananen, Äpfel und Birnen sehen und die eigentliche Sortenvielfalt, die uns die Natur geschenkt hat, nicht mehr wahrnehmen.

Wie viele Apfelsorten kennst du?

Normen gibt es verschiedenste Lebensmittel. Somit ist Argument Nr. 3 für alle Obst- und Gemüsesorten verwendbar und zeigt die Vereinheitlichung und damit einhergehende Verarmung, die durch zu viele Normen (gerade im Bereich pure, unverarbeitete Lebensmittel) entstehen kann.

Bananen sind nicht perfekt, genauso wenig wie Menschen perfekt sind. Lasst die Bananen Bananen sein. Wer eine perfekte gelbe 14 cm lange gelbe Kurve möchte, kann sich ja eine aus Modelliermasse basteln.

Fazit: Die Banane ist eine ganz besondere Frucht und sie hat einen sehr langen Weg hinter sich, bis sie in Europa ist. Es gibt viele verschiedene Gründe, warum mit der Banane sehr verschwenderisch umgegangen wird. Und doch bleiben für mich noch viele Fragen offen:

Was kannst du gegen die Verschwendung von Bananen tun? Wie gehst du mit Bananen richtig um & wie sind die Anbaubedingungen wirklich? Was unterscheidet konventionell und Bio & Fairtrade? Sollte man überhaupt noch Bananen essen? Mehr dazu in meinem nächsten Artikel: Bananen Teil 2 – Release: Nächste Woche!

[1] http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.lebensmittel-die-kann-man-noch-essen.952c5b83-f516-429f-ab63-d90465e7adac.html

[2]https://de.wikipedia.org/wiki/Bananen

[3] http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/essen-trinken/bananen/bananen-als-nahrungsmittel

[4]http://www.tis-gdv.de/tis/tagungen/svt/svt10/frans/inhalt.htm#1 Bild Quelle FAO

[5]http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/essen-trinken/bananen/anbau-und-verarbeitung/anbau-und-verarbeitung3

[6]http://schrotundkorn.de/lebenumwelt/lesen/200410b6.html

[7]http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/essen-trinken/bananen/anbau-und-verarbeitung/anbau-und-verarbeitung3

[8]http://www.fao.org/docrep/019/i3627e/i3627e.pdf

[8a] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/328345/umfrage/importmenge-von-bananen-in-deutschland/

[8b] Anmerkung: Diese Zahlen habe ich nach der Veröffentlichung des Artikels aktualisiert, da ich im Zuge von Recherchen für die weiteren Artikelfolgen auf aktuellere Zahlen gestoßen bin. Zu der Menge an Bananen, die von privaten Haushalten weggeworfen werden, komme ich noch im Teil 3 dieser Artikelserie.

[9] http://www.sueddeutsche.de/leben/der-deutschen-liebstes-obst-die-bananenrepublik-1.1026184

[10]http://www.focus.de/finanzen/news/tid-31838/regelungswut-der-behoeren-so-irre-ist-die-buerokratie-in-deutschland-2-wie-eine-banane-auszusehen-hat_aid_1014793.html

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für den interessanten Artikel.
    Mir ist aufgefallen, dass man braune Bananen gut in den Kühlschrank legen kann. Sie werden dann zwar noch schneller noch brauner, aber das Fruchtfleisch bleibt länger frisch.
    Wir haben mittlerweile, aufgrund der langen Transportwege, unseren Bananenkonsum reduziert und sie durch regionale Obstsorten ersetzt.

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