Geht wählen!

Von der linken Straßenseite grinst mir ein Gesicht entgegen, dass sich bemüht, vertrauensvoll auszusehen. Dennoch weiß man nie, ob aus dem freundlichen Gesicht gleich ein Horrorclown wird. Und schon kommt das nächste Gesicht!
Nein, ich bin hier nicht in der Geisterbahn, sondern nur auf einer Straße in Österreich. Die hängt voller Wahlplakate, da am 15.10.2017 die Nationalratswahlen stattfinden.
Geh zur Wahl und gib deine Stimme ab (auch wenn es dafür einen Zettel braucht und das nicht ganz zero waste ist 😉 )! Aber lies vorher auf jeden Fall diesen Artikel!

Im Moment ist Wahlzeit: In Deutschland wurde erst vor wenigen Wochen der Bundestag gewählt. Nun sind es immerhin wieder 4 Jahre bis zur nächsten Wahl (Bundestag), nicht wahr?  Knapp vorbei.
Es vergehen nicht einmal 4 Tage, ohne dass du wählst!

In diesem Artikel kommt meine Definition von „Wählen“ und wie Wahlen im Alltag aussehen können.

1.Was ist Wählen?
Wählen bedeutet, sich zu entscheiden und sich für/gegen etwas auszusprechen. Selbst wenn du niemals zu politischen Wahlen gehst, entscheidest du dich tagtäglich. Zwischen Job oder Schule; Deep House oder Techno, Discounter oder Bauernmarkt.
Ich habe hier versucht, die Wahlen, denen du in deinem Alltag gegenüberstehst, kurz zu kategorisieren:

Embed from Getty Images

Durch politische Wahl wählst du Parteien oder Persönlichkeiten, die ein geplantes Programm verwirklichen sollten. Oft ist das Programm jedoch nicht ganz das, was du selber gerne verwirklichen würdest bzw. was du als sinnvoll erachtest. Oder keine Partei entspricht wirklich deinen Wünschen. Politische Wahlmöglichkeiten gibt es zwar in regelmäßigen Abständen, wenn du in einer indirekten Demokratie wie in Österreich lebst. Deine Möglichkeiten, politisch mitzuentscheiden, sind jedoch begrenzt. In stärker direktdemokratisch ausgerichteten Ländern wie der Schweiz wirst du häufiger mit politischen Wahlmöglichkeiten in unterschiedlichen Formen konfrontiert sein.

Durch persönliche Wahl entscheidest du, was du mit dir in deinem Leben vorhast. Arbeiten oder studieren? Eine Familie gründen oder dich auf die Karriere konzentrieren? Diese Fragen geben deinem Leben eine eigene Richtung.

2017-08-25 14.09.40

Geld regiert die Welt. Aber es ist unser Geld und unsere Welt. Wir können uns aussuchen, wie wir unser Geld verwenden und wie wir uns die Welt in Zukunft vorstellen.

Durch Konsumwahl wählst du, wofür du dein zur Verfügung stehendes Geld ausgibst. Da jeder täglich Geld ausgibt und sich das summiert, ist es eine im Alltag höchst wichtige Wahlmöglichkeit. Idealerweise wählst du deine konsumierten Produkte und Dienstleistungen bewusst auch im Hinblick auf deine Umwelt aus – durch nachhaltige Konsumwahl.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Ich habe sie für diesen Artikel selbst erstellt, um das Konzept der letzteren Wahl im folgenden Absatz genauer zu erklären.
2.Worum geht es im Konzept der „Nachhaltigen Konsumwahl“ ?

20170825_1633011.jpgWasser pic.jpg

oben: Deine Wahl – Wasser aus der Leitung oder aus der Plastikflasche. Der Alltag hält unendlich viele Wahlmöglichkeiten bereit. Es liegt an uns, sie klug zu nutzen.

Wenn du dein Geld „ausgibst“, gibst du es immer irgendjemandem und unterstützt damit Produkte oder Dienstleistungen. Dafür bekommst du ja auch einen Nutzen. Wenn man nun (wie in der VWL üblich) einen „homo oeconomicus“ annimmt, der stets rational entscheidet und das für ihn nutzenmaximierende Gut wählt, werden wir mathematisch berechenbare Konsumentscheidungen erhalten. Der Konsument denkt dabei jedoch nur an seinen eigenen Vorteil[1].
In meiner Vision der Konsumwahl gelten andere Annahmen. Nachhaltige Konsumwahl funktioniert, wenn du als Mensch handelst, der ethische Werte und Prinzipien im Leben hat und bereits ist, kritisch über Vor- und Nachteile verschiedener Angebote nachzudenken – ohne dabei nur auf den eigenen Nutzen und Preis zu schauen. Du achtest nicht nur auf preiswerte, sondern auch auf soziale und ökologisch nachhaltig hergestellte Produkte.
Mit der Konsumwahl können wir als Konsumenten eine starke Macht gewinnen: Wenn alle das billigste kaufen, passt sich das Angebot daran an. Wenn jedoch keiner mehr bspw. Zitronen „gewachst, mit Imazalil und Thiabendzol“ kauft, und seien sie auch noch so billig, wird dieses Angebot vom Markt verschwinden. Und je mehr Menschen das tun, desto mehr Potential haben wir, das Angebot gemeinsam zu verändern!
So hast du durch deine Wahl viel direkter die Macht, dein Geld nur Unternehmen/Menschen zukommen zu lassen, die du gerne fördern möchtest!

Entwickele ein Bewusstsein dafür, dass du das Angebot wählst und folglich mitbestimmst. Wenn du Produkte/Dienstleistungen nicht sinnvoll findest, musst du sie auch nicht kaufen! Durch den Kauf von Dingen, die du sinnvoll findest, leistest du mit deinem Kauf eine Förderung und einen Anreiz für den Produzenten, das Gut weiterhin herzustellen.

Kann ich durch meine Wahl einen Unterschied machen?

Embed from Getty Images
Viele Menschen sagen, durch bewussten Konsum könne man selber nichts verändern. Es gebe ja so viele Leute im Land, und so viele würden ja nur das billigste kaufen und man selber habe da ja keinen Einfluss…
Auch ich habe es mir einige Zeit früher so einfach gemacht. Mittlerweile bin ich dennoch der festen Überzeugung, dass wir alle mitwirken können, um das Angebot zu verändern.
Politische Wahlen sehen wir als sehr wichtig an. Es gehen zwar längst nicht alle Menschen wählen. Doch viele tun es, in der festen Überzeugung, dass uns diese Wahlen zu mehr Demokratie verhelfen können. Wenn wir die Gelegenheit nicht nutzen, politisch wählen, werden wir sie verlieren. Das gleiche gilt für nachhaltige Konsumwahlen.
Konsumwahlen fällt insofern eine große Bedeutung zu, da sie jeder tätigen muss. Niemand kann ohne Konsum leben. Selbst wenn du aussteigst und autark lebst, konsumierst du.

Der politischen Wahl kannst du hingegen fernbleiben. Keiner wird dich z.B. in Österreich zwingen, jemals ins Wahllokal zu gehen. Aber konsumieren musst du.
Zufällig irgendetwas kaufen ist quasi dasselbe, wie irgendeinen Namen, der einem gar nichts sagt, am Stimmzettel anzukreuzen. Irgendein Produkt aussuchen „weil du es schon immer so gemacht hast“? Dasselbe, wie eine Partei zu wählen, nur weil dein Urgroßvater die schon gewählt hat.

Ich will niemandem unterstellen, dass er auf diese Art und Weise politisch wählt. Das soll hier nur veranschaulichen, wie Menschen wie du und ich mitunter Konsumwahlen tätigen und ihnen im Vergleich zu politischen Wahlen eine viel geringere Bedeutung zumessen.

Durch politische Wahl wählst du deine Politik.

Durch Konsumentscheidungen wählst du deine Wirtschaft!

Wie informierst du dich vor der politischen Wahl richtig? Du wirst Wahlprogramme durchlesen, Zeitungsartikel aus vielfältigen Medien heranziehen und die Homepage der Parteien heranziehen.

Genau so tätigst du idealerweise eine Konsumwahl: Informiere dich umfassend und wähle dann!

Denn: „Jeder Kassabon ist ein Stimmzettel. Jedes verdammte Mal. Alles Liebe, dein Kapitalismus.“

Embed from Getty Images

Wie auch immer du und ich am Sonntag abstimmen werden: Tun wir es auch Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag!

Mehr Infos darüber, wie „Nachhaltige Konsumwahl“ einfacher funktionieren kann + der Artikel Bananen Teil II folgen!

Wie denkst du über nachhaltige Konsumwahl? Schreib deine Meinung in die Kommentare.
[1] http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/homo-oeconomicus.html

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s