Trends in der Biobranche: Biofach 2018

Unglaublich, dass mein erster Besuch auf der Biofach schon einen Monat her ist! In 3 Tagen habe ich auf Europas größter Biomesse sehr viel gesehen, gehört und probiert. An jeder Ecke gibt es etwas Neues und Interessantes zu entdecken.

Bio selber ist längst mehr als ein Trend und ein fester Bestandteil des Sortiments aller möglicher Einzelhändler geworden. Heute findet man in jedem Supermarkt Bioprodukte – vor 20 Jahren sah das noch ganz anders aus. Bio hat einen weiten Weg zurückgelegt und in den vergangenen Jahren viel erreicht: Gerade im Lebensmittelbereich bewegt sich Bio längst im Massenmarkt.

Doch dadurch wird eine Neuorientierung im Biobereich notwendig: Was ist die Mission von Bio? Welches Image, welchen Lebensstil möchte Bio transportieren? Und wie zeigt sich das in den fertigen Produkten? Um das herauszufinden, bin ich auch durch die Ausstellung mit den Neuheiten gelaufen, habe mir hunderte Produkte angesehen und die spannendsten Trends nun für euch herausgepickt.

Meine Top 5 Biotrends

#Biotrend 1 Pflanzlich

Vegane Produkte werden trendiger und trendiger. Neben dem Biolabel findet sich immer häufiger auch die vegane Blume. Das ist grundsätzlich eine sinnvolle Entwicklung, denn unser unnatürlich Konsum von tierischen Produkten ist laut FAO für 18 % des weltweiten CO² Ausstoßes verantwortlich[1].

Doch viele dieser pflanzlichen Produkte sind hoch verarbeitet. Viel Salz, Zucker oder andere Würzmittel sind notwendig, um eine pflanzliche Wurst herzustellen. Muss das denn sein? Gebratene Pilze sind m.E. auch eine sehr leckere und gesunde Alternative zu Fleisch. Und unverpackt sind sie auch noch!

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Tofu und Seitan schmecken lecker, keine Frage! Doch unverpackt konnte ich diese Produkte in meiner Umgebung noch nie kaufen

Apropos unverpackt: Dafür hatten nicht alle „Vegan“-Hersteller großes Verständnis. Der Stand der Firma Taifun fiel mir hier sehr positiv auf. So erfuhr ich von einem Mitarbeiter, dass sich Taifun bereits Gedanken gemacht hätte, wie es seine Soja- und Seitanprodukte abfallfrei an die Abnehmer liefern könnte. Dafür benötige man jedoch dezentralere Strukturen. Denn ein Stück Tofu hält sich ohne Verpackung nur wenige Tage – also gerade mal so lange wie „echtes“ Fleisch.

Viele andere Hersteller waren nicht so überlegt und schienen „vegan“ gleichzusetzen mit „ist automatisch umweltfreundlich, da ist die Verpackung doch egal“.

„Das ist eine exotische Frucht, die kann man nur in der Dose kaufen!“ bekam ich beispielsweise an einem Stand zu hören, der die Jackfruit als Fleischersatz an die hungrigen Messebesucher bringen wollte. Ich hielt dagegen, dass Bananen, Mangos und Kiwis doch auch exotische Früchte sind, die ich unverpackt erhalte. Wegen Schwierigkeiten, die Frucht zu öffnen und wegen austretenden Harzen gibt es die Frucht in Europa nur in 250g Dosen. Für mich ein Grund, auf diesen Genuss zu verzichten.

Vegane Ernährung kann sicherlich einen großen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Jedoch glaube ich, dass es nur ein Aspekt unter vielen Aspekten für einen konsumbewussten, umweltschonenden und schönen Lebensstil ist.  Zudem denke ich, dass diese Ernährungsweise nicht für jeden in gleichem Maße geeignet ist.

Doch jeder kann durch eine Reduktion seines Konsums an tierischen Produkten seinen Beitrag leisten!

  • Der Trend zum Veganismus war omnipräsent auf der Biofach. Ich hatte jedoch das Gefühl, als begnügten sich die vegan produzierenden Firmen bzw. veganen Individuen oftmals damit, einfach vegan zu sein. Ob die 50g Granatapfelkerne nun in einer Einweg-Plastikbox verpackt sind oder der Sojamilchkaffee im To-Go Becher getrunken wird, juckt viele einfach nicht. Mir fehlt dabei der ganzheitliche Fokus: Denn wie viele Tiere sterben bei der Produktion von Erdöl, welches wir für das viele Einwegplastik so dringend brauchen?

#Bio-Trend 2 Ohne …

Ohne Gluten, ohne Laktose, ohne tierische Produkte, ohne… Oft frage ich mich, was denn dann eigentlich in den Produkten drin ist, wenn so viel draußen bleiben muss?! Keine Frage, der Trend zu Allergien hin hat insbesondere in stark industrialisierten Ländern stark zugenommen. Doch ich glaube nicht, dass wir dieses Problem durch die Entwicklung möglichst vieler technisch ausgeklügelter Alternativprodukte lösen können.

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Mayonnaise ohne Gluten: Ich wusste gar nicht, dass es Mayonnaise mit Gluten gibt!

Denn wenn jemand sagt, er verträgt keine Milch mehr, dann liegt das nicht in jedem Fall am industrialisierten Stoff Laktose. Auch konventionelle Fütterung kann die Ursache sein, da Kühe dort für sie ungeeignete Nahrungsmittel wie Weizen, Soja oder Mais bekommen und dies sich in der Zusammensetzung der Milch niederschlägt. Dann reicht es nicht, einfach auf laktosefreie Milch umzustellen.

Ich habe selber bemerkt, dass mir Käse in manchen Fällen nicht bekommt: Das liegt aber nicht an einem bestimmten Inhaltsstoff, sondern daran, dass ich industriell verarbeiteten Käse aus konventioneller Tierhaltung gegessen habe.

Das ist jedoch nicht zu vergleichen mit Menschen, die z.B. eine Allergie gegen Nüsse haben und wirklich sterben könnten, wenn Spuren von Nüssen in einem Gericht enthalten sind!

Viele Menschen ernähren sich auch einfach gluten- oder laktosefrei, weil sie es hip finden. M.E. sollte kein gesunder Mensch einfach „aus Spaß“ auf natürliche, große Lebensmittelgruppen (z.B. Getreide) komplett verzichten, wenn er keinen triftigen Grund dafür hat. Denn „echte“ Allergiker sind wirklich eingeschränkt in ihrer Nahrungsmittelwahl und würden sich ohne ihre Allergie sicher anders ernähren!

Der Bedarf nach Ohne… Produkten wurde durch den #Biotrend 4, den Trend zu fertiger Nahrung stark beschleunigt. Denn gäbe es keine fertigen Produkte, sondern nur unverarbeitete Produkte aus einer oder wenigen Zutaten, dann bräuchten wir keine spezielle ohne… Auslobung auf dem Label.

  • Viele ohne…-Produkte sind bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet. Deswegen brauchen sie überhaupt erst ein solches Etikett. Generell kann ich auch hier nur Werbung machen für den Genuss von möglichst viel unverarbeiteten, puren Nahrungsmitteln. Persönlich habe ich Erfolg damit und leide unter keiner einzigen Intoleranz, Unverträglichkeit oder Allergie.

#Biotrend 3 Klein, kleiner, am kleinsten

Für einen Zero Waster und gerne-große-Portionen-Esser wie mich ist es ein Alptraum: Klein, kleiner, am kleinsten scheint das Motto vieler Hersteller zu sein. Bulgurrisotto im 37g-Packerl, Backpulver in einer 5g Packung (3 Papierverpackungen jeweils im Plastik verschweißt) und Schokolade in der 40 g Packung sind nur einige der Beispiele, die ich auf der Biofach gesehen habe.

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Mediterrane Reispfanne klingt fein. Aber muss es eine 69g Packung sein? Teuer, klein und ganz schön viel Abfall im Verhältnis zur Portionsgröße.

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In der Mitte: Mini-Trockenfrüchtepackungen

Die Biobranche will damit auf den Trend zu immer kleiner werdenden Haushalten und immer kleiner und häufiger werdenden Mahlzeiten reagieren: Das immer mehr Menschen in Mitteleuropa alleine leben, ist Fakt. Zudem scheinen viele Menschen scheinen mehr 2 oder 3-Mal am Tag, sondern rund um die Uhr zu essen! Wir haben eine Snack- und To-Go Kultur entwickelt und nippen eine halbe Stunde lang alle 5 Minuten an unserem laktosefreien, hippen Sojamilch-Erdbeer-Macchiato.

Eat-Stop-Eat, 2x am Tag, 3x am Tag, 5 am Tag, 10 am Tag…es gibt unwahrscheinlich viele Ernährungstheorien, die dir erklären wollen, wie oft du zu essen hast. Die richtige Antwort für alle gibt es nicht. Höre einfach auf deinen Körper! Für mich persönlich funktioniert es am besten, 2-3x am Tag eine nennenswert große Portion zu essen. So bin ich für einige Stunden satt, zufrieden und nicht permanent auf der Suche nach dem nächsten Snack.

Macht dieses Downsizing der Portionsgrößen also Sinn? Nicht für alle! Ich danke, jeder weiß aus Erfahrung, wie unterschiedlich das Hungergefühl von verschiedensten Menschen ist. Kleinere Verpackungsgrößen können zwar Lebensmittelverschwendung reduzieren.

Doch je kleiner die Verpackung, desto größer ist im Verhältnis die Abfallmenge und desto Mehr bezahlst du für Weniger!

Für mich sind Unverpackt-Läden die ideale Alternative! Wer unverpackt kauft, kann so viel oder so wenig mitnehmen, wie gerade zu Hause benötigt wird. So kann man die benötigten Mengen individuell auf seinen Haushalt abstimmen und hat nie zu viel oder zu wenig zu Hause. Und keiner zahlt dabei drauf, egal wie viel oder wenig er kaufen möchte.

  • Das Downsizing der Portionsgrößen ist ein Zeichen dafür, dass Bio mit einem allgemeinen Trend der übrigen Nahrungsmittelindustrie einfach mitgeht. Dieser Trend wird m.E. zu wenig kritisch bzgl. seiner Umweltauswirkungen hinterfragt. Ein stärkerer Fokus auf unverpacktes Kaufen – so viel oder so wenig man will – trägt viel mehr zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Abfall bei als winzige Packungsgrößen. Auch das Teilen von Nahrungsmitteln mit Nachbarn und Freunden (Foodsharing) sehe ich hier als sinnvolle Alternative.

Biotrend #4 Fertigprodukte

Riegel, Riegel und nochmals Riegel. Fertigpizza, fertiges Risotto, fertige Süßkartoffel-Bratlinge, fertige, verschweißte Cracker…an Fertigprodukte denkt man normalerweise eher bei der Betrachtung konventioneller Regale. Doch auch die Biobranche bewegt sich mit dem Convenience Trend mit.

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Riegel, Riegel, Riegel

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Gemüsebratlinge kann man – genau wie Fleischlaibchen – in kürzester Zeit einfach selber machen!

Solche Produkte bringen mehr Geschwindigkeit in unser Leben. Jeder kann so in kürzerer Zeit ein Essen auf den Tisch zaubern, dass fertig und sogar bio ist. Doch was bringt uns das?

Auch wenn sich dadurch mehr Menschen zum Biokonsum bewegen lassen: Fertigprodukte sind immer noch weniger gesund als frische Produkte, bedeuten viel Abfall und sind stärker verarbeitet als naturbelassene Nahrungsmittel. Bio ist da nicht automatisch gesünder, nur weil es bio ist!

Ich bin der Meinung, dass Slow Food viel besser zur Biobranche passt als Fast Food. Denn erst durch gute Zubereitung können die Biozutaten wirklich zur Geltung kommen und ihren Geschmack entfalten. Und gute Zubereitung braucht mitunter Zeit, wie ich schon oft beim Backen von Pizza oder Brot gemerkt habe. Muss Bio deswegen  immer unpraktisch und zeitraubend sein? Nein, denn es gibt mehr als genug Gerichte, die schnell fertig sind, wie z.B. Ratatouille mit Polenta oder Ofenkartoffeln mit verschiedenen Dips.

Für mich ist auch das langsame Essen wichtig. Schon früher habe ich in der Mittagspause immer am längsten gebraucht, bis ich mein Essen fertig gegessen habe. Für mich bedeutet langsames Essen mehr Genuss und Wertschätzung dessen, was ich esse.

  • Genuss, Wertschätzung, Zeit, Qualität … das sind alles Werte, die untrennbar mit Bio verbunden sind. Daher wünsche ich mir von der Biobranche, dass sie diese Werte deutlicher unterstreicht und in ihre Philosophi e einbindet. Denn ich glaube, diese Unterscheidung zur konventionellen Branche brauchen wir. Bio sollte sich bewusst hochwertiger, edler und leckerer positionieren!

Biotrend#5 Imitation

5-Minuten-Terrine, Dosenravioli in Tomatensauce, Fertigbackmischungen sind Lebensmittel, die ich normalerweise mit konventionellen Großkonzernen und Nahrungsmittelherstellern assoziiere. Umso mehr fällt es mir auf, dass nun immer mehr Biohersteller die Produkte der Großkonzerne regelrecht imitieren!

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Das erinnert doch ganz stark an einen gewissen Dr. Oe****

Dieser Punkt ähnelt Punkt 4, dennoch finde ich es wichtig, ihn noch einmal explizit herauszustreichen. Denn ich bin der Meinung: Bio ist eine eigenständige Philosophie, die es nicht nötig hat, Erfindungen von konventionellen Unternehmen zu kopieren! Dadurch kann man vielleicht einige konventionell kaufende Menschen dazu bewegen, mehr Bio zu kaufen. Doch diese Imitationen zeigen den Menschen nicht das wahre Gesicht von Bio!

  • Bio muss sich nicht hinter anderen Erfindungen verstecken oder andere kopieren, sondern sollte zu seinen Ursprüngen stehen: Naturbelassene, bodenständige Nahrungsmittel, die auch ohne ausgeklügelte Verarbeitung ausgezeichnet schmecken!

Fazit

Spätestens beim Besuch der Biofach realisiert jeder, dass Bio mehr als ein bloßer Trend ist: In dieser Branche haben sich längst viele eigene Trends entwickelt.

Ich denke, die Menschen haben ein ziemlich kohärentes Bild der konventionellen Nahrungsmittelindustrie: Sie will billig, schnell, viel produzieren. Die Nahrungsmittel sind ausgeklügelt verarbeitet, ungesund und enthalten viele überflüssige Zusatzstoffe.

Von der Biobranche gibt es leider kein genauso klares Bild. Nicht alle Unternehmen verkaufen aus denselben Gründen Bioprodukte und nicht alle haben die gleiche Vision dahinter. Sehr viele Biohersteller wollen nicht einmal, dass die Welt sich zu 100% mit biologisch angebauten Nahrungsmitteln ernährt!

Meines Erachtens braucht die  gesamte Biobranche ein stärkeres gemeinsames Ziel, Werte und Visionen. Ein gemeinsamer Nenner ist wichtig, um gemeinsam Ziele zu erreichen und ein stärkeres Gewicht in der internationalen Debatte um die Zukunft von Bio, Landwirtschaft und Konsum zu bilden!

Und das ist vermutlich eine der herausforderndsten Aufgaben für Bio in den kommenden Jahren.

100% Bio auf unserer Welt. In meinem Verständnis ist genau das die Vision von Bio: Eines Tages für die gesamte Weltbevölkerung hochwertige, unverarbeitete, für jeden leistbare Nahrungsmittel zu bieten. Nicht nur die Nahrungsmittel selber sollen pestizidfrei angebaut werden: In der ganzen Wertschöpfungskette sollen Unternehmen darauf achten, nach Bio-Richtlinien zu arbeiten[2]. Für mich ist Bio eine Bewegung, die viel mehr leisten kann als nur pestizidfreien Anbau und ein bisschen Tierschutz zu bieten. Dazu sehe ich die Kombination mit Zero Waste, Regionalität, Fairtrade, Feed No Food und vielen weiteren Konzepten unabdingbar!

Was ist deine Meinung zu den aktuellen Biotrends und wie siehst du die Rolle von Bio in der Welt? Ich freue mich über Kommentare!

Nächster Artikel: Bio und Zero Waste – mit Einsichten aus der Biofach Messe! Wo sind Unterschiede und Gemeinsamkeiten? Woran reiben sich die beiden Konzepte und warum gehören Sie für mich zwingend zusammen?

Fußnoten:

Titelbild: Wunderschönes Blumenwerk des thailändischen Biostands (bearbeitet)

[1] http://shrinkthatfootprint.com/food-carbon-footprint-diet

[2] Eine Plastikverpackung ist nach diesen Richtlinien mit Bio nicht vereinbar!

2 Kommentare

  1. sehr gutes seite bruder vallah mach weiter so ganz gute diese nur diese deutsch ich nix verstehen tun mir leid machen du bitte nächste mal mit übersetzung fur mich viele dank fur die blumen und ich hoffen du haben schone abend ohne mich und ich probieren deine tipp aus weil mir hat sehr gut gefallen dein idee

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