Wie transformiert Containern dich? Teil 2

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Caponata: eine sizilianische Gemüsepfanne. Rezept folgt!

Sizilianische Gemüsepfanne, zubereitet mit Auberginen, Tomaten, Sellerie und Zwiebeln: Das gab es gestern bei mir zum Abendessen! Vor 2 Jahren hätte ich ein solches Gericht noch nicht gegessen, wenn mir jemand gesagt hätte, dass das komplette Gemüse „aus dem Abfall“ stammt. Containern transformiert. Wie? Das erfährst du in diesem und im vorigen Artikel. Ich mache gleich weiter mit den Top 10 von letzter Woche. Hier findest du den ersten Beitrag!

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Die meisten heimischen Gemüsesorten sind im Keller gut aufgehoben. Achte auf eine dunkle, kühle Umgebung. Tomaten hingegen fühlen sich im Zimmer in einer flachen Schale wohler

5. Gemüse, Obst und Brot richtig lagern

Auch meine Tomaten waren früher oft im Kühlschrank und das Brot befand sich in den Plastik- oder Papiersäcken vom Bäcker. Doch ich habe festgestellt, dass durch geeignete Lagerung alles länger hält. Gerade wenn ich mal wieder eine Riesenladung Tomaten aus dem Container retten konnte, hätten sie gar nicht in den Kühlschrank gepasst. So war ich froh im Internet zu lesen, dass es am besten ist, Gemüse und Obst bei der Temperatur zu lagern, bei der es auch gewachsen ist! Auch die Tiefkühltruhe bietet eine gute Option zur Lagerung von verschiedenstem Obst und Gemüse.

Früher kaufte ich Tiefkühlgemüse, heute kreiere ich meine eigenen Sorten. Und hätte ich doch schon vor zwei Jahren gewusst, was man mit gefrorenen Bananen so alles zaubern kann…

Auch Brot sieht im Brotkasten gleich viel besser aus und schimmelt nicht.

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Bild: Gemüse in Plastik verpackt. Wer um alles in der Welt ist auf die Idee gekommen, je Auberginen einzuschweissen? (siehe unterer Bildrand)

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links: Plastikabfall, rechts: ausgepackte, gerettete Gurken aus dem Container. Das ist schon ziemlich viel Abfall für so wenig Gurken!

  1. Plastikverpackungen verursachen Lebensmittelverschwendung!

Mein Obst&Gemüse habe ich schon früher immer ohne Plastiksackerl gekauft. Ich hatte schon immer einen gewissen Ekel gerade vor diesen dünnwandigen Sackerln, die es immer bei der Obst- und Gemüsetheke im Supermarkt gibt.

Beim Containern zeige ich auf den Fotos immer nur gut gesäuberte, unverpackte Fundstücke. Doch gerade das Biogemüse in der Tonne finde ich sehr oft auf einer Pappschale, umhüllt von Plastik. Auch die Gurken in der Plastikhülle oder die halb folierten Melonen liegen oft in der Tonne. Und die Brötchen und Backwaren sind im Supermarkt sowieso immer in dieser ach-wie-praktischen Papier-Plastikverbundverpackung.

Weil ich diesen ganzen Müll nicht mit nachhause nehmen möchte, trenne ich den Müll vor Ort. Die ausgepackten Obst- und Gemüsesorten kommen in den Fahrradkorb und wenn ich Brot & Backwaren brauche, packe ich diese auch aus und gebe sie in eine Keksdose oder in eine separate Stofftasche.

Dabei fällt mir immer wieder auf: Wenn ich z.B. eine Plastikschale mit Erdbeeren finde und von der Folie befreie, ist meist lediglich eine Erdbeere verschimmelt oder faul. Die anderen sind in einwandfreiem Zustand. Aber dadurch, dass der Supermarkt die Erdbeeren nur in Plastikdosen verkauft, kann/will/darf der Angestellte nicht die einzelne faule Erdbeere aussortieren und die ganze 500 g Schale landet in der Biotonne. Dasselbe habe ich auch schon mit verpackten Himbeeren, Brombeeren, Paprika, Tomaten, Fenchel, Avocado, … erlebt.

Auch verderben Obst und Gemüse schneller, wenn sie in Plastik verpackt werden. Wassertröpfchen lagern sich an der Innenseite ab, dann kommt Luft hinzu und so entsteht viel leichter Schimmel oder Fäulnis.

Zudem will ich nicht immer das kaufen, was mir der Hersteller vorschreibt. Zumeist brauche ich nur eine gewisse Menge Gemüse, aber nicht genau so viel, wie in einer abgepackten Eineheit ist. Gerade allein lebende Menschen haben ihre Probleme mit den abgepackten, oft zu grossen Mengen und so landet durch Verpackungen auch bei Privathaushalten mehr im Müll, einfach nur, weil die Leute keine Möglichkeit hatten, weniger zu kaufen!

=> Die Einsicht, dass Verpackungen gerade bei Gemüse und Obst zu mehr Lebensmittelverschwendung führen, motiviert mich noch stärker, Zero Waste umzusetzen und verpackungsfrei einzukaufen!

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  1. Achtung vor der Geschichte meiner Lebensmittel

Welchen Weg hat eine Kartoffel zurückgelegt, bis sie vom Feld im Supermarkt und schließlich in der Mülltonne landete? Es ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen, aber selbst wenn es eine „regionale“ Kartoffel „aus Österreich“ war, ging sie durch viele Hände, die viel Aufwand dafür betrieben, dass die Kartoffel nun in der Abfalltonne enden durfte!

Noch frappanter wird es, wenn man sich die Wertschöpfungskette einer Banane, eines belegten Brötchens oder eines „Caramel-Cheesecake“-Brownies ansieht.

Die FAO stellte 2013 fest, dass über die gesamte Wertschöpfungskette im Durchschnitt 1/3 aller Lebensmittel verlorengehen[1]: Jeder ernstzunehmende Ökonom müsste bei diesen Zahlen schreibend davonlaufen! Denn eine so unglaublich grenzenlose Verschwendung ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Eine unvorstellbare Menge an Geld, Arbeitskraft, Wasser, Elektrizität und Nährstoffen geht dabei verloren.

=> Daher werfe ich keine genießbaren Nahrungsmittel mehr weg und brauche auch alles auf, was ich beim Container finde. Denn egal ob geschenkt oder gekauft, ich habe die Verantwortung für meine Lebensmittel übernommen. Sie sind es wert, dass ich sie in vollen Zügen geniesse!

 

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Einer meiner Funde Anfang April: Rings um die anderen Gemüsesorten siehst du einen Kreis aus Bärlauch: Containern ist jeden Tag anders!

  1. Überraschung! Hallo Vielseitigkeit 🙂

Bevor ich den Container öffne, bin ich jedes Mal aufs neue gespannt: Ich weiss nie, was mich erwartet. Werde ich heute wieder Bananen finden? Oder Auberginen? Und wann gibt es endlich wieder Süßkartoffeln?

So habe ich auch keinen fixen Speiseplan, sondern baue in meine Gerichte ein, was ich am Vortag gefunden habe. Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich gewisse Gemüsesorten am besten zubereite. Dann hilft eine kurze Internetrecherche oder das Durchblättern von Kochzeitschriften oder Omas Kochbüchern. Schon habe ich wieder ein neues, leckeres Wastecooking Rezept gefunden. Die besten davon teile ich jeden Monat hier mit dir!

=> Mein Speiseplan ist durchs Containern abwechslungsreicher geworden. Denn ich finde nicht unbedingt das, was ich einkaufen würde. Mir gefällt gerade diese Vielseitigkeit und Spontanität, die das Containern mit sich bringt. So freue ich mich jedes Mal aufs Neue wieder auf meine kleine Überraschung am Abend!

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  1. Geld sparen

Das ist einer der schönen Nebeneffekte des Containerns: Ich kaufe weniger Obst und fast gar kein Gemüse mehr. Lediglich Salat und Pilze hole ich frisch vom Markt. Das lohnt sich: Eine durchschnittliche Containerausbeute ist ca. 30€ wert! Ich habe nur dieses eine Berechnungsbeispiel gemacht und kann folglich nicht exakt sagen, wie viel Geld ich über das Jahr durch das Containern eingespart habe.

Nach einem österreichischen Statistikdokument[2] gibt jeder österreichische Haushalt 2016 monatlich rund 15,6 € für Frischgemüse und 15,0 € für Obst aus. Das erscheint mir sehr wenig und trifft sicher nicht auf Haushalte wie meinen zu, die sehr auf gemüsebetonte Ernährung setzen. Früher habe ich so etwas an einem Tag am Markt ausgegeben. Dennoch kann der „durchschnittliche Konsument“ nach dieser Studie immerhin ca. 156€ jährlich für Gemüse (habe 31,2€ für Salat und Pilze abgezogen) sparen!

Dieses Geld kann ich in andere Sachen stecken. Supermärkte sehen von mir keinen Euro mehr. Somit wähle ich ökonomisch!

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  1. Im Müll tauchen? Es geht auch leichter 😊

Wer den Begriff „Dumpster diving“ oder „Mülltauchen“ hört, denkt an obiges Bild. Wahrscheinlich stellst du dir so einen Container ganz schön ekelhaft vor. Ist es nicht. Ich war noch nie tiefer als mit meinem Arm im Container. So tief, dass man im Müll tauchen könnte, ist es normal gar nicht. Denn die frischen Sachen liegen oben.

Es sieht dort auch nicht aus wie auf deinem Kompost oder in deinem Restmüll. Denn die meisten Sachen sind gerade erst vor einigen Stunden hineingekommen und vollkommen intakt. Wenn du regelmässig zu „deinem Laden“ Containern gehst, wirst du somit kaum auf vergammelte Lebensmittel stossen.

=> Der Begriff „Dumpster Diving“ ist irreführend. Denn keiner, der Containern geht, muss wirklich im Abfall tauchen. Containern ist also eine viel sauberere Angelegenheit, als die meisten Menschen denken. Überzeuge dich selbst 😊

Mein Fazit

Containern hat mein Leben unglaublich bereichert und ich könnte es mir gar nicht mehr ohne meine abendlichen Ausflüge vorstellen. Es war für mich der letzte Grund, endlich mit dem Bloggen zu beginnen und hat meine Ernährung vielabwechslungs- und gemüsereicher (nicht zu vergessen bananenreicher!) gemacht.

Probier es auch mal aus, du wirst begeistert sein!

Wenn du schon mal Containern warst: Was hast du gefunden und was hast du neben Obst&Gemüse noch aus dieser Erfahrung mitgenommen? Ich freue mich auf Kommentare!

Quellen:

[1] FAO (2013). Toolkit Reducing the Food Wastage Footprint. S.13 http://www.fao.org/docrep/018/i3342e/i3342e.pdf

[2] https://www.bmnt.gv.at/at.lfrz.duz/pdf.do?fromList=true&id=2428802&lang=de

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