Zero Waste ohne Unverpacktladen? Unkonventionelle Alternativen zum klassischen Einkauf im Geschäft

“Kann man Zero Waste leben, ohne im Unverpacktladen einzukaufen?“

Diese Frage haben mir schon viele Menschen gestellt, die an Zero Waste interessiert sind. Sie leben auf dem Land, haben kein Auto bzw. keinen Unverpacktladen in der Nähe oder haben aus anderen Gründen keine Möglichkeit, regelmäßig im Unverpacktladen einzukaufen.

Geht es dir gleich? Dann stehst du anfänglich vor größeren Herausforderungen, wenn du mit Zero Waste beginnen möchtest.

Dennoch kann ich die erste Frage klar bejahen! Daher geht es in folgendem Artikel weniger darum ob, sondern wie man auch ohne Unverpackt-Laden Zero Waste leben kann und welche Möglichkeiten sich einem damit im Alltag bieten.

Mein Artikel besteht aus zwei Teilen: Du liest in diesem Teil, welche Alternativen es zum Einkauf im Supermarkt/Discounter und Geschäft allgemein gibt. Die Möglichkeiten sind überraschend vielfältig. Auch für Zero Waster mit Unverpacktladen in der Nähe lohnt es sich daher, diesen Artikel zu lesen! Und so löst sich das Fragezeichen auf dem Titelfoto in Wissen um viele neue Ideen auf 🙂

Verständlicherweise möchte sich aber nicht jeder die Zeit dafür nehmen bzw. ziehen viele das Einkaufen im Geschäft aus praktischen Gründen vor. Dafür folgt nächste Woche Artikel N°2, der sich mit alternativen Geschäften für den Zero Waste Einkauf befasst.

Abseits vom Geschäft: Wie du dir mit Zero Waste Essen, Körperpflege und Reinigungsmittel beschaffen kannst!

1.Bestelle Großmengen übers Internet!

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Im Internet gibt es alles jederzeit in jeder erdenklichen Qualität und Menge zu kaufen. Das bringt für Zero Waste Vorteile, da man durch das Bestellen von Großpackungen, wie z.B. einem 20 kg Sack Reis auch ohne Unverpacktladen Zero Waste leben kann! Denn für gewöhnlich kaufen Unverpacktläden ihre Ware auf die gleiche Weise und füllen die Produkte aus den großen Säcken dann in die Spender im Laden ein. So spart man sich viele kleine Verpackungen!

20 kg Reis sind natürlich viel, und oft gibt es sogar noch größere Packungen zu kaufen. Die meisten Haushalte sind nicht groß genug, um solche Vorräte in absehbarer Zeit zu verwenden. Doch du kannst deine Freunde, Nachbarn oder Verwandte motivieren, mitzumachen! So teilt ihr die große Menge passend unter euch auf. Beim Teilen und Bezahlen trifft man sich häufiger und kann Kontakte bei dieser Gelegenheit gut pflegen.

Zudem spart man durch die Bestellung von Großmengen und durch das Umgehen von Einzelhändlern auch Geld ein! Ich bestelle am liebsten auf den Internetseiten der Hersteller, z.B. bekommst du hier Getreide und Mehle in Demeter-Qualität.

Geeignet für:

  • trockene, lange haltbare Nahrungsmittel wie Reis, verschiedene Getreidearten und Mehle, Linsen, Kichererbsen, Zucker.
  • Zudem Basiszutaten für Reiniger: Natron, Zitronensäure.

2. Trete einer Foodcoop bei!

Eine Foodcoop ist ein große, organisierte Einkaufsgemeinschaft. Hier treffen sich die einzelnen Mitglieder in regelmäßigen Abständen. Man überlegt, was die Mitglieder einkaufen möchten und wo man es herbekommen könnte. Dann fragen Mitglieder bei Betrieben in der Umgebung an, ob sie eine Großmenge bestellen dürfen. Je größer die Foodcoop ist, desto mehr Verhandlungsspielraum hat sie hier und so erhält man mit der Foodcoop die Produkte auch billiger. Geliefert werden sie dann in der Regel in Großpackungen. Jedes Mitglied bestellt die Menge, die er/sie braucht und so kommen die Großpackungen zustande, die dann bei den Treffen auf die einzelnen Mitglieder aufgeteilt werden.

Wichtig ist es, eine Foodcoop zu finden, die erstens in der Nähe ist und zweitens zu den eigenen Prinzipien passt: Nicht alle Foodcoops arbeiten Bio und Zero Waste! Hier findest du verschiedene FoodCoops in Österreich.

Das Praktische an FoodCoops ist, dass du selber aktiv die Initiative ergreifen kannst: Wenn dir noch Produkte fehlen, darfst du dich selber auf die Suche machen und einen Hersteller kontaktieren, der sie anbietet. Vielleicht kannst du ja die Schokoladenfabrik anschreiben und fragen, ob du hier 50kg lose Schokolade bekommst? Oder du organisierst kaltgepresstes Sonnenblumenöl bei der Ölmühle.

Somit ist die Foodcoop eine ausgezeichnete Möglichkeit, alle möglichen Produkte zu bestellen, die man sonst schwer erhalten würde. Anders als beim Internet ist ein noch regionalerer Bezug der Produkte erwünscht und du hast nicht so viel Bestellaufwand, da jedes Mitglied seine/ihre Bestellaufgaben übernimmt. Es gibt mitunter auch die Möglichkeit, Mitgliedsbeitrag zu zahlen und so muss man nur seine bestellten Lebensmittel bezahlen und abholen, aber keine Einkäufe organisieren!

Geeignet für:

  • Trockene, haltbare Waren wie Getreide, Linsen, Kichererbsen, Müsli, Mehl,…
  • Öle
  • Obst & Gemüse
  • Süßwaren: Schokolade, Gummibärchen,…
  • vieles mehr, je nach Art und Organisation der Foodcoop!

3.Bau dein eigenes Obst und Gemüse an!

Jeder, der einen Garten, oder auch nur einen Balkon bzw. Blumenkästen hat, kann auf kleinstem Raum großen Geschmack ernten. Ein Kräutertopf auf dem Balkon verbreitet guten Duft und versorgt dich im Sommer mit würziger Petersilie, Schnittlauch oder mit duftiger Minze.

Und vielleicht reicht der Platz auf dem Balkon sogar für ein paar große Töpfe mit Tomaten oder Stangenbohnen!

Im Garten lassen sich je nach Lage und Boden verschiedensten Obst- und Gemüsesorten anbauen. Indem du statt Hecken aus Ziersträuchern (Buchsbaum, Thujen,..) Hecken aus Beerensträuchern oder Haselnuss setzt, kannst du auf kluge, platzsparende Weise noch mehr Nahrungsmittel im eigenen Garten anbauen.

Bei mir auf dem Land bemerke ich auch einen immer stärker werdenden Trend zur Nutztierhaltung im eigenen Garten. Gerade in ländlichen Gebieten mit viel Platz halten viele ihre eigenen Hühner, Wachteln oder Honigbienen im Garten.

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Kartoffeln aus dem eigenen Garten: besonders leicht anzubauen und vielseitig zu genießen

Ich selbst baue Kartoffeln (siehe oben), Stangenbohnen, Tomaten und verschiedene Kräuter wie Minze, Melisse, Salbei & Wilden Majoran,… an. Diese Gemüsesorten sind nicht sehr arbeitsintensiv und eignen sich gut für meine Bodenverhältnisse!

Damit die Lebensmittel aus Eigenbau auch qualitativ besser sind als die vom Discounter, sehe ich den Verzicht auf synthetische Düngemittel aus dem Baumarkt, Pestizide und andere Giftstoffe als sehr wichtig an. Nur so kann man einen Garten im Sinne von Zero Waste vernünftig bewirtschaften! Zum Beispiel sammle ich Nacktschnecken bei Regenwetter täglich ab, anstatt giftiges Schneckenkorn auf die Erde zu streuen. Das schont den Boden, Nützlinge im Garten, meine Geldtasche und verschafft Bewegung.

Ich behalte zudem stets Samen vom alten Jahr zurück, damit ich sie im nächsten Jahr wieder in die Erde stecken kann. So muss ich kein neues Saatgut kaufen und erhalte traditionelle Sorten statt hochgezüchtete Hybriden. Achtung: Das funktioniert nur mit samenfesten Sorten (erhältlich z.B. bei Arche Noah)!

Für Halter von Hühnern & Co. ist m.E. die Verwendung von alten Hühnerrrassen statt Hybridzuchten und kontrolliert biologisch angebautem Futter wichtig.

Es verlangt also einiges an Know-How, einen Garten im Einklang mit der Natur und mit Zero Waste zu führen. Alles aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Daher nur noch ein abschließender Tipp aus meiner eigenen Erfahrung: Wer noch nie Gemüse angebaut hat, sollte am besten langsam anfangen und nicht zu viel Ertrag erwarten. In jedem Fall ist es wichtig, nicht einfach das anzubauen, was man am liebsten isst (dann wäre mein Garten voll mit Heidelbeersträuchern, Süßkartoffeln und Kirschtomaten 😉 ) sondern Sorten auszuwählen, die sich für die eigenen Bodenverhältnisse eignen. Mit der Zeit gewinnst du so an Erfahrung und die Ernte wird reicher – versprochen!

=> Der eigene Garten kann nur in den seltensten Fällen den kompletten Bedarf an Obst und Gemüse abdecken. Trotzdem ist er eine wertvolle Ergänzung für alle Zero Waster, die gerne geschmackvolle Nahrungsmittel essen und bereit sind, sich Zeit für den Anbau zu nehmen!

Geeignet für:

  • Obst, Gemüse, Kräuter, Nüsse, Pilze
  • + Honigbienen, Eier von Enten, Wachteln, Hühnern

4. Bestell eine Gemüsekiste!

Die Gemüsekiste kommt bequem zu dir nach Hause und liefert dir in passender Menge saisonales Obst und Gemüse. Taste dich langsam heran und wähle lieber zunächst eine kleinere Kiste, um festzustellen, welche Menge an Obst & Gemüse sich für deinen Haushalt eignet und vollständig aufgebraucht werden kann. Wie immer rate ich auch hier dazu, die Gemüsekiste nur von Bio-Anbietern zu beziehen.

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Bild: Frisches, saisonales Bio-Gemüse direkt zu dir nach Hause geliefert – eine großartige Möglichkeit für Zero Waster und solche, die es werden wollen!

Wie ich in einer Zero-Waste-Gruppe mitbekommen habe, ist es auch sehr wichtig, vor der ersten Bestellung zu fragen, wie die Gemüsekiste geliefert wird. Ist die Kiste wiederverwendbar, wird immer wieder vom Lieferant abgeholt und neu befüllt? Verzichtet der Lieferant auf Plastiksackerl und Papierverpackungen für die einzelnen Gemüsesorten? Nur, wenn beides zutrifft, eignet sich die Kiste für Zero Waster wirklich.

Hat man einmal einen geeigneten Lieferanten gefunden, ist die Gemüsekiste eine ausgezeichnete Ergänzung der eigenen Ernährung und perfekt für Leute, die keinen Garten haben und kein Gemüse anbauen können oder wollen. Die Bio-Gemüsekiste ist ein prima Ausweg aus dem Dilemma, dem man sich im Supermarkt gegenübersieht: Bio-Gemüse in Plastik und Pappschalen oder „konventionelles“ Gemüse unverpackt?

Zudem lernst du durch eine abwechslungsreiche Gemüsekiste oftmals neue Gemüsesorten kennen, was Abwechslung auf deinen Teller bringt.

Geeignet für: Gemüse, Kräuter ggf. auch Obst

5. Mach es selber!

Viele Produkte gibt es nur verpackt zu kaufen. Das bekannteste Beispiel, das mir einfällt, sind Reinigungsmittel. Im Supermarkt gibt es verschiedenste quietschbunte Plastikverpackungen, deren Inhalt sehr chemie- und abfallintensiv ist. Dabei kann man den eigenen Reiniger mit nur zwei Zutaten selbermachen! Ich verwende Zitronen- und Orangenschalen, die ich für zwei Wochen in Essig einlege[1]. Das ergibt duftenden Reiniger, der Geldtasche und Umwelt schont.

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Selbstgemachte Bärlauchpaste: Bärlauch und hochwertiges Oliven- oder Sonnenblumenöl im Verhältnis 2:1 im Hochleistungsmixer mixen oder pürieren, fertig! Paste mit hochwertigem Öl bedecken, dann hält es sich einige Wochen im Kühlschrank. Oder Tiefkühlen

Nicht alle Rezepte sind so einfach und schnell: Brot backen ist beispielsweise zeitintensiver. Dennoch mache ich es gerne, da mir das Selbermachen im Bereich Kochen & Backen viel Freude bereitet. Doch ich habe kein großes Talent fürs Nähen und könnte mir nicht einmal vorstellen, so etwas Simples wie eine Schlafbrille selber zu nähen. Daher habe ich vor einigen Tagen eine online bestellt[2].

Selbermachen ist normalerweise günstiger, kostet aber Zeit. Ich finde es daher wichtig, dass man zum einen nur die Sachen selbst macht, die einem Freude bereiten.

Zudem ist es wichtig, auf die Herkunft der Rohstoffe zu achten: Wenn ich selber Brot backe, muss ich immer noch die einzelnen Bestandteile Zero Waste und idealerweise aus kontrolliert biologischem Anbau einkaufen.

Selbermachen kann Zero Waste daher sowohl vereinfachen als auch erschweren. Und die Möglichkeiten sind schier endlos (siehe unten)! Wenn es um sehr schnelle und einfach zu fertigende Produkte wie Bärlauchpaste (siehe oben oder Reiniger, rate ich sofort zum Selbermachen. Auch deshalb, weil es meist keine fertige Zero Waste Alternative dazu gibt. Auswändigere Produkte (Haarseife, Brötchen) darf man gerne unverpackt im Geschäft erstehen und sich so Zeit sparen.

=> Es vereinfacht den Alltag mit Zero Waste, wenn du nicht alles selber machst, aber dich mit anderen Zero Wastern zusammenschließt und austauscht. Jeder kann dann das selber machen, was er gerne macht und alle haben etwas davon!

Geeignet für:

  • Milchprodukte wie Quark bzw. Topfen, Sauerrahm, Frischkäse, Mascarpone
  • Fermentiertes Gemüse
  • Getreidemilch, Nussmilch und Mandelmilch: Mein Tipp Hafermilch (lecker, einfach und gesund)
  • Selbstgemachte Tiefkühlgemüsemischungen: ich friere meine in alten Joghurteimern, manchmal auch in Edelstahlbehältern ein
  • Kräutersalz, Chilisalz und eigene Gewürzmischungen
  • Kräutertee
  • Gemüse-Würzpaste (statt Gemüsebrühe), Pesto
  • Brot und Brötchen, Pizza, Kuchen, Torten und Kekse, Müsliriegel
  • Backpulver = Natron
  • Nudeln
  • Knabbergebäck: Chips, Popcorn, Cracker
  • Trockenfrüchte
  • Marmelade & Fruchtmus (letzteres friere ich ein)
  • Nussnougatcreme
  • Eingekochtes Obst und Gemüse
  • Sirup
  • Eis & Parfait
  • Reinigungsmittel: Allzweckreiniger, Entkalker=Essig, Waschmittel für Kleidung, Geschirrspülmittel für Hand- und Maschinenwäsche, Klarspüler = Essig,
  • Körperpflege: Zahnpasta, Haarspülung, Lippenbalsam, Peeling, Seife (etwas zeitaufwändiger)
  • Kosmetika: Gesichtsmaske, Haarmaske, Deo, Haarspray

Rezepte: Gib den Suchbegriff einfach ins Internet ein oder schau in meiner Rezeptesammlung nach (noch im Aufbau)!

6. Kauf direkt beim Bauern

Ein gewichtiges Argument für den Einkauf direkt beim Bauern ist die Frische der angebotenen, unverarbeiteten Lebensmittel. Zudem baut man ein Vertrauensverhältnis zu seinem Bauern auf, man kann die Tiere bzw. Pflanzen, die man später essen wird, sehen und entwickelt einen Bezug zu diesen. Ein weiterer Pluspunkt ist der günstigere Preis.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es ist wichtig für dich & die Natur, dass der Bauer kontrolliert biologisch wirtschaftet: Ich habe früher auch meine Milch beim Bauern geholt. Doch wenn die Kühe dabei im Stall stehen und Kraftfutter erhalten, ist das eben doch nur regionale Massentierhaltung, die ich mit meinem Geld nicht unterstützen möchte.

Gerade für Menschen, die sich normalerweise nicht mit derartigen Themen befassen, ist nachhaltige und kontrolliert biologische Tierhaltung oft schwer zu erkennen. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist auf jeden Fall das Biozertifikat am Hof. Das EU-Biosiegel ist gut, m.E. noch ausbaufähig. Betreffend tierische Produkte ziehe ich daher DEMETER-Lebensmittel immer vor.

Wo finde ich einen Bauern, der etwas anbietet? Für jedes österreichische Bundesland hat die Bio-Austria einen Bio-Einkaufsführer herausgegeben. So erhältst du einen guten Überblick über Möglichkeiten, Ab-Hof Einzukaufen. Hier ist der Link für Vorarlberg  und auch ein Portal für die Suche nach deutschen Ab-Hof Verkäufen (filtere nach Bio) habe ich gefunden.

Gerade im Frühling sind auch Erdbeerfelder, Kirschbäume etc. zum Selberpflücken beliebt! Du bezahlst etwas weniger, darfst dafür aber selber auf die Felder gehen und ernten. Allerdings konnt ich nicht in Erfahrung bringen, wo es Bio-Felder zum Selberpflücken gibt.

Für Zero Waster ist der Kauf direkt beim Bauern geeignet, da die Lebensmittel unverarbeitet und zumeist unverpackt sind. Gerade bei Fleisch- und Wurstwaren ist jedoch Vorsicht geboten! Oft werden diese in Plastikbeuteln verschweißt, wenn man das nicht explizit ablehnt, vorab telefoniert und die Ware zu einem gegebenen Zeitpunkt abholt.

Geeignet für:

  • Gemüse & Obst, Kräuter
  • Honig
  • Milch
  • Eier
  • Ggf. Fleisch und Wurstwaren

7. Geh hinaus in die Natur und sammle!

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Beim Brombeersammeln…macht Spaß und Vorfreude auf die Früchte, die ich anschließend vernasche!

Als Kind war unser liebster Aufenthaltsort der Wald, wo wir von morgens bis abends spielten, Hütten bauten und auf Bäume kletterten. Ich erinnere mich immer noch an unser Waldpicknick, wofür wir alles Essbare sammelten, was wir kannten, auf einem Baumstumpf arrangierten und miteinander teilten.

Heute weiß ich, dass es noch viel mehr im Wald gibt, was man sammeln und essen oder zu Reiniger verarbeiten kann. Hast du zum Beispiel gewusst, dass sich aus Efeu Waschmittel herstellen lässt?

In der Natur gibt es zu jeder Jahreszeit etwas anders zu sammeln. Wichtig ist für dich, genau informiert zu sein darüber, welche Pflanzen du sammeln möchtest, wie sie aussehen und ob Verwechslungsgefahr mit verwandten, giftigen Arten besteht.

Ich sammle in der Natur vor allem Bärlauch, Brombeeren, gelegentlich Brennesseln und Holunderblüten. Somit kann ich mich nicht als Experten bezeichnen, was das Sammeln angeht. Für Tipps zum Thema möchte ich daher auf das Internet, auf Bestimmungsbücher für Wildpilze und Kräuter sowie auf die Wildkräuterwerkstatt verweisen, der auch sehr spannende Ansätze für den Umgang mit Neophyten (eingewanderten Pflanzen) bietet.

Geeignet für:

  • Kräuter, Blüten, „Superfoods“ (Brennessel!)
  • Beeren, Pilze, Nüsse
  • Reinigungsmittel (Efeu, Kastanien)

8. Mach mit bei SOLAWI!

Solawi bedeutet „Solidarische Landwirtschaft“ und stellt eine neue Form der Beziehung zwischen Bauer und Konsument dar. Hier arbeiten Konsument und Bauer zusammen: Die Konsumenten verpflichten sich, dem Bauer die angebauten Lebensmittel und etwaige daraus erzeugte Produkte gegen einen bestimmten Geldbetrag abzunehmen. Das gibt dem Bauer mehr Sicherheit und du erhältst frische Lebensmittel ähnlich wie bei Punkt 6 „Kauf direkt beim Bauern“.

Bei einer SOLAWI ist der Kontakt zum Bauern und zu anderen Menschen, die bei der SOLAWI mitmachen, noch intensiver. Man trifft sich, tauscht sich aus und arbeitet vielleicht sogar zusammen auf dem Feld.

SOLAWI gibt es noch nicht überall, am besten schaust du mal in dieser Liste.

SOLAWIS eignet sich gerade für Zero Waster, die gerne etwas Neues ausprobieren und bereit sind für ein unkonventionelles Modell, das Landwirtschaft neu denkt. Auch hier: Entscheidet euch für Bio!

Geeignet für:

  • Gemüse & Obst
  • Honig
  • Milch
  • Eier
  • Ggf. Fleisch

9. Geh zum Container

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Mein randvoller Fahrradkorb nach einem erfolgreichen Containerabend

Hinweis: Zur Gesetzeslage beachte bitte die Rechtssprechung für dein Land. In Österreich ist Containern meiner Erfahrung nach unproblematisch, solange du nirgendwo einbrichst. In Deutschland ist Containern leider „illegalisiert“

Ich tue es jede Woche mindestens zweimal: Eine Taschenlampe, ein paar Taschen und ggf. eine Keksdose kommen in meinen Radkorb und ich mache mich nach Geschäftsschluss auf den Weg in den Supermarkt. Dort rette ich die Lebensmittel, die diese Geschäfte illegitimerweise wegwerfen.

Der Container ist jedes Mal eine Wundertüte: Ich weiß nie, was ich finde. Aber es ist gratis, spannend und eine nachhaltige Art, exotische Produkte zu konsumieren. Seit ich containere, esse ich jede Woche min. fünf ausgezeichnet reife Bananen, aber bezahle keinen Cent dafür. Außerdem genieße ich Mangos, Kartoffeln, Johannisbeeren, Passionsfrüchte und vieles mehr je nach Jahreszeit.

Containern („Dumpster diving“) ist eine meiner liebsten Einkaufsarten! Mehr dazu findest du hier. Containern eignet sich für alle Zero Waster, die gerne etwas neues ausprobieren, spontan und kreativ kochen und auch einem kleinen Abenteuer am Abend nicht abgeneigt sind.

Beim Containern findest du je nach Geschäft andere Waren. Ich rette am häufigsten Obst & Gemüse, da ich das am liebsten esse. Aber auch Brot und Kuchen könnte ich jeden Tag mitnehmen bis zum Abwinken.

Geeignet für:

  • Obst, Gemüse, Kräuter
  • Brote und Brötchen, teils sogar fertig belegt
  • Kuchen und Torten
  • Je nach Geschäft auch alle anderen abgelaufenen Waren, die ein Supermarkt so anbietet

Das waren nun die Alternativen, die ich zum Einkauf in einem klassischen Supermarkt oder Geschäft kenne. Ich bin selbst überrascht, wie viele Möglichkeiten wir haben, auch als Zero Waster – und solche, die es noch werden wollen – Produkte abseits der bekannten Geschäfte zu kaufen. Da ist sicher auch für dich etwas dabei!

Welche Alternative zum Einkaufen im klassischen Geschäft hast du bereits ausprobiert? Welche Alternative möchtest du nächste Woche ausprobieren? Und fallen dir noch weitere Möglichkeiten ein? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Nächster Artikel: Im meinem nächsten Artikel stelle ich dir klassischere Geschäfte vor, in denen du Unverpackt einkaufen kannst. So behältst du dir das klassische Einkaufsfeeling und hast nicht viel mehr Aufwand wie mit dem bisherigen Einkauf.

Übrigens: Dieser Artikel ist Teil der Linkparty von einfach.nachhaltig.besser.leben. Schau mal vorbei, es gibt noch viele großartige Artikel zum Abfall reduzieren und Selbermachen!

Fußnoten:

[1] Einfach Schalen von unbehandelten Bio-Zitrusfrüchten in ein großes Weckglas geben und mit Essig auffüllen, sodass alles bedeckt ist. Nach zwei Wochen durch ein Tuch abseihen, fertig! Idee von smarticular.net

[2] Bei Grüne Erde

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