Reis Teil III – Social Sustainability und Food Waste

Rice, Baby, Rice!

Vielen Dank für das Beitragsbild an moritz 320!

Soziale Nachhaltigkeit, die Ökobilanz und Food Waste bei Reis: Das sind die Themen von Teil III meiner Reisserie. Und das trifft sich gut, denn mittlerweile wohne ich für mein Praktikum in Singapur und Reis ist wieder eines meiner Hauptnahrungsmittel geworden. Also ran ans Reisfeld bzw. im späteren Verlauf dieses Artikels an den Kochtopf!

Gliederung

  1. Soziale Nachhaltigkeit im Reisanbau

  2. Ökobilanz von Reis

  3. Food Waste bei Reis

1. Soziale Nachhaltigkeit im Reisanbau

In Österreich sind die Arbeitsbedingungen auch für Reisbauern gut. Freilich ist die Arbeit auf den Reisfeldern stets körperlich hart. Denn im Reisanbau wird vieles noch per Hand erledigt: Das Pflanzen der Setzlinge, die Ernte,… (siehe Teil 1).

Leider ist Kinderarbeit im Reisanbau in anderen Ländern immer noch weit verbreitet: Unter anderem arbeiten Kinder auf Reisfeldern in vielen asiatischen Ländern wie Indien, Pakistan, Thailand, Kambodscha und Laos, aber auch in Peru, Ghana, dem Iran und Senegal[1]. Oft beschränkt sich die Arbeit nicht auf die Mithilfe auf dem Feld und die Kinder müssen harte Arbeit leisten, da ihr Einkommen zur Ernährung der Familie beiträgt[2]. Diese Zeit fehlt für die Schule, fürs Spielen und fürs Kindsein.

Doch auch Erwachsene, die Reis anbauen, sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt: Zum einen tragen sie Pestizide häufig ohne die empfohlenen Schutzmaßnahmen aus, da sie sich die Schutzausrüstung nicht leisten können und mitunter gar nicht in der Lage sind, die Anweisungen auf den Packungen zu lesen und zu verstehen. Dadurch leidet die allgemeine Gesundheit. Viele der in Teil II erwähnten Pestizide können besonders in Kombination Spätfolgen haben, die noch gar nicht erforscht sind.

Auch können Reisbauern durch den Kauf von Hybridsaatgut, welches immer wieder nachgekauft werden muss, in Abhängigkeit von großen Saatgutkonzernen geraten. Pestizide und Dünger verstärken die Abhängigkeit. Ein besonders tragisches Beispiel für die Konsequenzen sind für mich die gehäuften Selbstmorde in Indien. „Jede Stunde nehmen sich zwei Bauern in Indien das Leben“, so Devinder Sharma, ehemaliger Journalist und Experte für die Landwirtschaft in Indien[3]. Die Bauern sind auch in vergleichsweise wohlhabenden Regionen von Indien teils hoch verschuldet – was natürlich nicht nur am Reisanbau liegt. Verantwortlich dafür sind neben zu niedrigen Preisen, die die Bauern für landwirtschaftliche Produkte erhalten, auch die nachlassende Fruchtbarkeit des Bodens: Durch die intensive Landwirtschaft laugt er immer mehr aus. Unregelmäßige Niederschläge und weitere Wetterextreme aufgrund des Klimawandels verschlechtern die Anbaubedingungen zusätzlich[4]. Zudem verschärft sich die Problematik in Indien dadurch, dass der Getreidepreis von einer staatlichen Kommission bestimmt wird und auf Kosten der Bauern niedrig ist[5].

Allgemein kann man in Industrienationen wie den USA und Japan Reis billiger und weniger arbeitsintensiv anbauen. Dies nutzt insbesondere die USA, Exportnation Nummer 1 aus. Durch den Export von billigem Reis in Entwicklungsländer drückt sie den Preis noch weiter, was den lokalen Bauern zu schaffen macht[6][7].

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Bild: Nicht immer ist der Reisanbau so idyllisch, wie er hier aussieht. Bewusster Konsum hilft, Arbeitsbedigungen für Reisbauern zu verbessern.

Was können wir als Konsumenten tun?

=> Um soziale Nachhaltigkeit zu sichern, kann ich empfehlen, entweder auf europäischen Reis oder auf Reis mit dem Fairtrade-Siegel zurückzugreifen. Fairtrade garantiert Mindestpreise, die die Existenz der Bauern sichern. Durch die Fairtrade-Prämie können weitere soziale und ökologische projekte in einer Reisanbau-Kooperative finanziert werden. So erhalten Menschen in Entwicklungsländern eine Perspektive[8]. Auch ist es positiv zu sehen, dass Fairtrade den Anbau spezieller, unbekannterer Sorten fördert. Denn europäische Konsumenten sind bereit, mehr dafür bezahlen. Zudem bezahlt Fair Trade eine Ökoprämie an Bauern, welche ökologisch zertifiziert sind[9].

=> Problematisch ist es m.E. lediglich, dass Fairtrade-gelabelter Reis kaum vor Ort verkauft wird, sondern zu bewussten Konsumenten nach Europa exportiert wird. Doch auch die zunehmend reicher werdenden Bevölkerung in den Städten Asiens sollte verstärkt dafür sensibilisiert werden, wie wichtig fairer Handel für den Fortbestand einer Reisproduktion ist, die nicht auf Kosten der Bauern geht.

=> Egal, woher dein Reis kommt: Biosiegel garantieren, dass der Reis auch ökologisch nachhaltig angebaut wurde. So kannst du mit deinem Kauf Reis unterstützen, der für Menschen und für unsere Umwelt gut ist. Ich kritisiere dabei allerdings, dass die Bauern für die Zertifizierungskosten selbst aufkommen müssen. Denn grundsätzlich sollte Bioanbau der Normalzustand sein und Zertifizierung für konventionelle Produkte verpflichtend werden! So müssten konventionelle Bauern ihre Produkte zertifizieren lassen, was mehr Bauern dazu bewegen kann, auf Bioanbau umzusteigen.

=> Wenn man wie ich aktuell in einem asiatischen Land wohnt, ist es im allgemeinen nicht immer so leicht, auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu achten: Denn Fairtrade-Produkte werden meist nach Europa transportiert – das Siegel ist in den Herkunftsländern so gut wie unbekannt. Ich habe für mich einen Weg gefunden, Reis so nachhaltig wie möglich zu konsumieren. Dazu mehr unter Abschitt 4. Food Waste.

2. Ökobilanz von Reis

Wie schneidet Reis in einer Umweltbilanz ab? Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten: In einer Übersicht der Schweizer Gesellschaft für Ernährung zeigt sich, dass eine Portion Reis (60g, Herkunft außerhalb Europa) insgesamt 323 Gesamtpunkte Umweltbelastung verursacht[10]. Was bedeutet das? Die Zahl setzt sich aus 298 Punkten für Emissionen, 4 Punkten für Energieverbrauch, 17 Punkten für den Verbrauch natürlicher Ressourcen und 4 Punkten für Abfall zusammen. Auch das ist noch sehr abstrakt. Damit rangiert Reis über Kartoffeln, aber schneidet besser ab als Weizenprodukte (im europäischen Kontext!).

Ich habe mir diese Bewertung als Beispiel genommen und berücksichtige sie in meiner Ökobilanz.

Methanemissionen

Reis ist besonders dafür bekannt, neben der Rinderhaltung Nr 1 Verursacher für Methanemissionen zu sein[11]. Keine andere Beilage verursacht so viel von dem klimaschädlichen Gas.

Methan wirkt wie CO2, aber 21x so stark[12]. Es wird beim Nassreisanbau in großen Mengen durch Fäulnisprozesse freigesetzt, die in der anaeroben Schlammschicht des Reisfelds in Gang gesetzt werden. Über die Reispflanzen selbst gelangt 90% des Gases in die Atmosphäre. Forscher gehen davon aus, dass Nassreisanbau für etwa 50% der weltweiten Methanemissionen verantwortlich ist[13].

Das Problem ist nicht ganz einfach zu lösen. Durch weniger Bewässerung können die Methanemissionen immerhin verringert werden. Auch, wenn Reisstroh kontrolliert verbrannt wird, um Energie zu gewinnen, können die Methanemissionen im Vergleich zur unkontrollierten Verbrennung auf den Feldern gesenkt werden. Jedoch sind nicht alle Bauern bereit, ihre traditionellen Anbaumethoden umzustellen[14]. Wenn Felder nur periodisch bewässert werden, kann das wiederum die Lachgasemissionen verstärken. Die Reisanbaufläche zu verkleinern, wie es von Seiten der Wissenschaft auch vorgeschlagen wird, ist auch aufgrund der Bedeutung von Reis als Grundnahrungsmittel für asiatische Länder kaum eine machbare Option[15].

Laut einer neuen Studie aus den Niederlanden führen höhere CO2 Konzentrationen in der Atmosphäre zu noch mehr Methanemissionen. Denn durch mehr CO2 wächst Reisschneller. Das gleiche gilt für die Mikroorganismen in Reisfeldern, die dann auch mehr Methan produzieren[16]. Dies zeigt, dass wir längst nicht nur bei Reis Maßnahmen für ein CO2-ärmeres Leben setzen müssen!

Meines Erachtens ist es daher am wichtigsten, dem Druck nach ständig höherer Produktion zu begegnen: Wie bei allen natürlichen Ressourcen wird auch bei Reis der Druck nach mehr Produktion durch das immer noch exponentielle Bevölkerungswachstum nur noch schlimmer. Damit sind wir allerdings wieder bei einem Problem angelangt, das seinen eigenen Artikel braucht.

Was können wir tun?

=> Europäischen Konsumenten kann ich im Hinblick auf Methanemissionen empfehlen, auf heimischen Reis aus Trockenanbau zurückzugreifen. Dieser weist geringere Methanemissionen auf als Reis aus Nassreisanbau. Trockenreisanbau ist aufgrund der anderen Klimabedingungen leider nicht überall eine geeignete Anbaumethode und kann daher etwa in heißen Klimazonen nicht immer praktiziert werden.

CO2

Während der Nassreisanbau für insgesamt 65% der Emissionen verantwortlich ist, entfallen auf den Transport lediglich 8% Emissionen, hauptsächlich CO2[17]. Mit 0,3 kg CO2 Emissionen für 100g Reis liegt selbiger verglichen mit 100g Vollkornnudeln (0,04kg), Kartoffeln (0,04kg) und Brötchen (0,06kg) allerdings weit über den Emissionen anderer Grundnahrungsmittel.

=> Diese Emissionen kannst du immerhin leicht verringern, indem du möglichst regional angebauten Reis kaufst.

Wasser

Für 1kg Reis werden 3000 – 5000 Liter Wasser verbraucht[18] – und das ist nicht alles Schweiß!

Zum Vergleich: Pro kg Nudeln (trocken) werden ca. 1849l, pro kg Mais 1222 l und pro kg Kartoffeln lediglich 287l Wasser verbraucht. Somit liegt reis auch hier eindeutig über dem Durchschnitt.

Allerdings beruht insbesondere der traditionelle Nassreisanbau in Asien lediglich auf dem Monsun, der den Regen bringt. Der Reis wird also nicht zusätzlich künstlich bewässert. Anders sieht es beim Reisanbau in Ländern wie Marokko aus, wo die Wasserknappheit durch künstliche Bewässerung der Reisfelder deutlich verschärft wird[19]. Obwohl der Wasserverbrauch in Marokko geringer ist, ist der negative Einfluss auf die Wasserversorgung höher als etwa in Thailand, wo der Monsun ohnehin Regen auf das Reisfeld bringt. Unregelmäßigere Niederschläge, die durch den Klimawandel verursacht werden, gefährden den natürlichen Nassreisanbau immer mehr.

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Foto: Als problematisch ist es auch zu sehen, wenn Wasser durch konventionellen Anbau, Pestizide und Düngemittel verschmutzt und dadurch unbrauchbar wird.

=> Durch Trockenanbau lässt sich der Wasserverbrauch deutlich verringern – dieser ist aber, wie schon erwähnt, klimatisch nicht überall möglich! Bioanbau ermöglicht, dass das Wasser sauber und frei von Kunstdünger sowie Pestiziden bleibt.

Landverbrauch

Auch der Flächenverbrauch ist ein Faktor, den es in einer Umweltbilanz zu berücksichtigen gilt. Für den Anbau von einem Kilogramm Reis braucht man etwa 5,8 m². Bei Getreide wie Weizen sind es 7,9 m² und bei Kartoffeln lediglich 1,4 m². So liegt Reis im Vergleich mit anderen Grundnahrungsmitteln noch im Mittelfeld.

Weltweit hat sich die Erntemenge an Reis bis zu den letzten Jahren kontinuierlich erhöht. 2016 wurden weltweit 500,9 Mio. Tonnen geschliffener Reis geerntet[20]. 2019/2020 werden 497,9 Mio. Tonnen essbarer Reis auf einer Anbaufläche von 167 Mio. Hektar prognostiziert[21].

=> Es ist schwer, den Landverbrauch von Reis durch bewussten Einkauf zu beeinflussen. Denn Landverbrauch ist kein alleingültiges Kriterium: Oft wird kritisiert, dass Bioprodukte mehr Land verbrauchen. Jedoch wird durch Bioproduktion der Boden nicht durch Kunstdünger oder Pestizide verseucht!

Abfall

Zur Abfallproduktion von Reis gibt es keine speziellen Informationen: Üblicherweise wird der Reis nach der Ernte in große Säcke gepackt, die ich bereits manchmal auf dem Markt gesehen habe. Diese bestehen leider aus Plastik. Oft werden sie auch verwendet, um Überschwemmungen entgegenzuwirken – wie bei uns Sandsäcke. Sie platzen oft auf und zersetzen sich in einzelne Fasern. Es ist daher m.E. nicht die beste Möglichkeit, Wege zu befestigen oder Häuser vor Wasser zu schützen. Reissäcke landen auch oft genug in der Umwelt und wurden bereits in Mägen von Walen gefunden.

=> Das ist leider ein Problem, welches wir auch als bewusste Konsumenten nicht immer vermeiden können. Was wir der Umwelt jedoch ersparen können, sind die kleinen Plastik- und Papierverpackungen, in denen Reis im Supermarkt abgepackt wird. Wenn du deinen Reis im Unverpacktladen kaufst, kannst du diesen Abfall vermeiden. Für Großverbraucher oder Menschen, die gerne mit der Familie oder Freunden teilen, kann ich empfehlen, gleich eine Großpakung Reis zu kaufen. Bei dieser Möglichkeit ist die Auswahl an Reissorten leider begrenzt.

=> Insgesamt hat Reis stärkere Auswirkungen auf die Umwelt, als man zunächst vermuten würde! Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Reissorten oder zwischen Vollkorn- und weißem Reis sind dabei nicht so groß. Die Anbaumethode kann die verschiedenen Werte jedoch entscheidend beeinflussen. Für nachhaltigen Reiskauf kann ich aus europäischer Sicht heimischen, im Trockenreisanbau gepflanzten Bioreis besonders empfehlen und diesen im Unverpacktladen zu kaufen. Zudem ist es sinnvoll, die Ernährung aus vielen verschiedenen Grundnahrungsmitteln zusammenzustellen und auch auf andere, weniger bekannte regionale Lebensmittel (z.B. Linsen, Amaranth, Bohnen,…) auszuweichen. Diese weisen insgesamt eine sehr gute Ökobilanz auf, jedoch sind verlässliche Zahlen etwa zum Wasserfußabdruck dieser Lebensmittel nicht immer verfügbar!

3. Food Waste

Wie viel Reis wird verschwendet? Und wo in der Wertschöpfungskette geht er verloren? Diesen Fragen möchte ich hier auf den Grund gehen. Denn immer, wenn ich in Thailand in der Kantine meiner Uni war oder allgemein in Asien im Food Court essen gehe, sah ich immer Teller mit nur halb aufgegessenen Reismengen zurückgehen.

Die FAO errechnete in ihrem Food Wastage Footprint[22] die Verschwendung von Getreide. Dazu werden neben Reis u.a. Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Mais und Sorghum gezählt. Schon in der ersten Analyse zeigt sich: Indien und Umgebung sowie Süd- und Südostasien tragen allein mit ihrem Getreidekonsum zu 13.7 bzw. 10.6% der totalen CO2 und Methanemissionen bei, die durch Food Waste verursacht werden! Bei beiden Regionen macht die Verschwendung etwa 7.6% der weltweiten Food Waste Mengen aus. Diese Zahlen zeigen, wie stark die Verschwendung bei Grundnahrungsmitteln ist und wie wichtig es ist, sie zu reduzieren!

In Indien und Umgebung hat Reis einen Anteil von 53% und in Südostasien einen Anteil von 71% am verschwendeten Getreide. Europa befindet sich bei der Verschwendung von Reis in dieser Statistik nicht sehr weit oben. Dies liegt einerseits daran, dass viel weniger Reis konsumiert wird – in Deuschland sind es nur rund 5,4kg (2017/2018) pro Kopf und Jahr[23]. Währenddessen sind es in China immerhin 91 kg pro Kopf und Jahr[24]. Andererseits liegt es aber auch an der geringeren Bevölkerung in Europa insgesamt. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht auch in der Verantwortung stehen, Food Waste zu reduzieren! Denn auch wenn wir Reis aus anderen Ländern kaufen, beginnt die Wertschöpfungskette dort.

Die Wertschöpfungskette

Laut UN belaufen sich die Reisverluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf insgesamt 149.7 Millionen Tonnen, was 610.5 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr verursacht[25]. Eine gigantische Summe: Doch wo geht der Reis verloren? Generell passiert dies in Entwicklungsländern eher im vorderen Teil der Wertschöpfungskette aufgrund von Verlusten bei Verarbeitung, Transport oder Lagerung[26].

Doch gerade in industrialisierten Ländern von Asien und in reicheren Haushalten geht sehr viel Reis auf der Konsumentenseite verloren: In Singapur zählen Reis und Nudeln (bestehen oft ebenfalls aus Reismehl) zu jenen Nahrungsmitteln, die am häufigsten verschwendet werden[27]. Wenn man bedenkt, dass allein in dem kleinen Stadtstaat jährlich 636900 Tonnen Food Waste produziert werden, kommt da eine erkleckliche Summe zusammen. Andere Staaten in Südostasien verschwenden pro Kopf weniger, aber insgesamt mehr. Und auch hier ist Reis unter den Spitzenreitern: Denn gerade in Schwellenländern steigt der Fleischkonsum an – Menschen essen dann zuerst Fleisch oder Fisch und lassen lieber den Reis auf dem Teller liegen. Auch kulturelle Gegebenheiten, wie etwa, das das Aufessen des Tellers in China als unhöflich angesehen wird, tragen zur Lebensmittelverschwendung bei.

Leider ist die Forschungslage bei Reis nicht dieselbe wie bei Bananen und so konnte ich keine detaillierteren Statistiken ausfindig machen, die Food Waste bei Reis an jeder Stelle der Wertschöpfungskette berechnet haben. Doch vielleicht ist das auch gar nicht notwendig: Wir wissen, dass insgesamt sehr viel Reis verschwendet wird. Jetzt liegt es an allen Beteiligten der Wertschöpfungskette, an einer Verringerung desselben zu arbeiten. Im Folgenden erkläre ich, was wir als Konsumenten tun können.

Wie vermeidest du Food Waste bei Reis im eigenen Haushalt?

Reis ist zum Glück ziemlich einfach zu lagern. Die getrockneten Körner halten sich, in luftdichten Behältern verpackt, jahrelang. Auf ein Mindesthaltbarkeitsdatum braucht man daher überhaupt nicht zu achten. In meiner Vor-Zero Waste Zeit habe ich einmal einige Packungen einer teuren Spezialreissorte aus dem Piemont gekauft, die um 50% verbilligt war. Grund: Das MHD war bald überschritten. In Wahrheit hielt sich der Reis noch über ein Jahr im Vorratsschrank.

Wer gerne immer dieselbe Reissorte ist, kann also eine sehr große Menge kaufen und sie lagern. Ich schätze die Abwechslung und kaufe daher lieber kleine Mengen Reis aus dem Unverpacktladen – mal brauen, mal schwarzen, mal Jasminreis stets aus biologischem Anbau und fairem Handel (bei Herkunft aus Entwicklungsländern).

Food Waste bei Reis entsteht eher, wenn er bereits gekocht ist. Wiege die benötigten Mengen daher stets ab! Pro Person brauchst du 60 g rohen weißen Reis, wenn dieser als Beilage dient und 100 g rohen Reis als Hauptgericht[28]. Bei Vollreissorten oder schwarzem Reis kannst du auch etwas weniger nehmen, da dieser schneller satt macht. Nach dem Kochen (mit Deckel) lässt sich überschüssiges Wasser zum Gießen für deine Pflanzen oder sogar als Haarconditioner verwenden! Diesen Tipp habe ich aus Asien mitgenommen. Reiswasser kann auch als Grundlage für die Reinigung der Gesichtshaut und andere Beautybehandlungen dienen (siehe [29]).

Wenn trotz Abwiegen immer noch Reis übrigbleibt: Gib ihn in eine Schale in deinem Kühlschrank und decke sie mit einem Deckel oder einem Teller gut ab. So hält sich Reis etwa 3 Tage. Wenn du ihn schonend dämpfst, schmeckt er nach dem Aufwärmen wieder wie frisch gekocht!

Mit bereits gekochtem Reis lässt sich ein einfaches Gericht sehr gut und vielseitig zubereiten.

Gebratener Reis: Der Reis darf ruhig bereits eine Nacht im Kühlschrank verbracht haben. Denn dann wird dieses Gericht besonders lecker. In etwas Öl schonend angebraten und mit gedämpftem oder gebratenem Gemüse, entsteht so aus einem Reisrest eine vollwertige Mahlzeit! In südostasiatischen Ländern wird gebratener Reis sehr gerne als Hauptmahlzeit gegessen: Ob Khao phat, Nasi Lemak oder einfach Fried Rice – dieses Gericht ist dort sehr beliebt. Auch als Beilage zu anderen Gerichten eignet es sich.

Daher gibt es dafür kein fixes Rezept. Halte dich einfach an folgende Vorlage:

Reis

+ Gemüse z.B. Paprika, Karotten, Zucchini, Erbsen, Zuckerschoten, Knoblauch, Lauchzwiebeln,…

+ Proteinquelle z.B. Linsen (in Indien sehr beliebt), Tofu, Seitan; Ei, Fleisch oder Fisch

+ Gewürz z.B. Curry, Chilipulver, Sojasauce, Limettensaft

+ Toppings z.B. Nüsse, frische Kräuter, Kokosraspeln, Rosinen

Brate einfach das Gemüse und die Proteinquellen in etwas Öl an oder koche sie vor. Danach brätst du sie mit dem Reis zusammen schonend weiter und gibst je nach Geschmack Gewürze hinzu. Zum Schluss noch mit den entsprechenden Toppings dekorieren.

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Mit diesem Rezept hast du stets eine vollständige und leckere Mahlzeit auf dem Tisch. Ganz nebenbei lassen sich so auch andere Reste verwenden, die du noch im Kühlschrank hast.

Und wem das noch nicht genug Inspiration ist: Diverse Rezeptportale wie dieses hier spucken über 530 Rezepte zur Resteverwertung von gekochtem Reis aus. Auch wenn du jeden Tag Reis isst, wird dir so nicht langweilig!

Was, wenn du den Reis nicht in den nächsten drei Tagen essen möchtest?

Friere ihn ein! Gib deinen Reis portionsweise in gut verschließbare Boxen. Im Tiefkühler hält sich Reis laut Web rund zwei bis drei Monate[30]. Das reicht auf jeden Fall bis zum nächsten Reisgericht!

Es empfiehlt sich, den Reis langsam auftauen zu lassen. Das spart Energie und der aufgetaute Reis wird schneller wieder warm. Wenn es schnell gehen muss, zerkleinere ich den tiefgekühlten Block, so gut es geht, mit einem Messer. Dann dämpfe ihn mit wenig Wasser in einem Topf. Bei der Zugabe von etwas mehr Wasser erhält der Reis eine eher cremige, risottoähnliche Konsistenz – auch wenn es gar kein Risottoreis war. Ich finde das sogar lecker – man kann den Reis dann würzen und alleine oder auch zusammen mit Gemüse, Fleisch oder gebratenem Tofu essen. Als Dessert kannst du den Reis auch mit etwas Milch dämpfen und Rosinen, Zimt und Honig dazugeben. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – probier einfach aus, was dir am besten schmeckt.

Im Restaurant

In europäischen Restaurants kommt Reis nicht sehr oft auf den Tisch und dient lediglich als Beilage. Die Portionen sind dann meist klein genug, dass du sie leicht aufessen kannst. In Asien hingegen meinen es auch Street-Food Stände meiner Erfahrung nach oft sehr gut und geben stets eine große Portion Reis zu jedem Gericht dazu. Bitte in diesem Fall einfach um eine kleine Portion oder packe die Reste ein, wenn du nicht so viel Reis essen möchtest.

Beim All-you-can-Eat Restaurant oder bei einem anderen Buffetrestaurant kannst du dir einfach nachschöpfen. Nimm lieber zunächst kleinere Portionen, damit du nichts wegwerfen musst. Oder gib zu große Portionen an einen gefräßigeren Sitznachbarn ab (wenn du mit mir ins Restaurant gehst, hast du in dieser Hinsicht schon gewonnen).

Wenn du ein Event organisierst und dafür eine Cateringfirma beauftragst, empfiehlt es sich, lieber weniger Reis und Beilagen zu bestellen. Denn das sind die Gerichte, die am häufigsten übrigbleiben.

Fazit

Konsumiere Reis bewusst, egal wo du gerade bist! Ich kaufe in Europa nur Bioreis aus fairem Anbau im Unverpacktladen. Wenn ich in Europa bin, achte ich darauf, nach Möglichkeit europäischen Reis zu kaufen. Information über die Anbaumethoden ist leider nicht immer gegeben.

In Singapur habe ich noch gar keinen Reis gekauft – ich rette ihn von Restaurants, die Food Waste am Abend an eine Foodsaver-Gruppe abgeben. Mehr Infos dazu hier.

In jedem Fall können wir durch bewussten Reisanbau, Verarbeitung und Konsum entlang der gesamten Wertschöpfungskette sehr viel gegen Food Waste unternehmen. Mit Reis haben wir ein Grundnahrungsmittel, welches zudem einen überraschend starken Einfluss auf die Umwelt hat. Und die Reduktion von Food Waste im eigenen Haushalt ist auch noch überraschend einfach und lecker. In diesem Sinne beschließe ich die Reisserie mit einem kleinen Neujahrsvorsatz: Machen wir 2020 zum Reis-Waste-freien Jahr!

Wie hat dir dieser Artikel gefallen? Wie fandest du die Ökobilanz?

Und welche Gerichte kochst du gerne aus übriggebliebenem Reis? Schreib mir einen Kommentar oder eine Nachricht!

Ein frohes neues Jahr 2020 wünscht dir Kristina 😊

Quellen:

[1] https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/landwirtschaft/reis/

[2] https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/landwirtschaft/reis/

[3] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/selbstmordewelle-in-indien-der-tag-an-dem-sujit-singh-maeusegift-trank-13677956.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

[4] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/selbstmordewelle-in-indien-der-tag-an-dem-sujit-singh-maeusegift-trank-13677956.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

[5] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/selbstmordewelle-in-indien-der-tag-an-dem-sujit-singh-maeusegift-trank-13677956.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

[6] https://www.fairtrade-deutschland.de/produkte-de/reis/hintergrund-fairtrade-reis.html

[7] https://www.konsument.at/cs/Satellite?c=MagazinArtikel&cid=318908246878&pagename=Konsument%2FMagazinArtikel%2FPrintMagazinArtikel

[8] https://www.fairtrade-deutschland.de/produkte-de/reis/hintergrund-fairtrade-reis.html

[9] https://www.naturland.de/images/Naturland/Publikationen/International/PDFs/PDF1_Studie2.pdf S.27

[10] http://www.sge-ssn.ch/media/kobilanz_von_lebensmitteln_light.pdf

[11] https://www.fr.de/wissen/reis-klima-belastet-11052729.html

[12] https://www.welt.de/wissenschaft/article1158493/Methan-aus-Reisanbau-ist-ein-Klimakiller.html

[13] https://www.ernaehrungsberatung.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/0/CC98078C04C40028C1257A4500458CB8?OpenDocument

[14] https://www.welt.de/wissenschaft/article1158493/Methan-aus-Reisanbau-ist-ein-Klimakiller.html

[15] https://www.welt.de/wissenschaft/article1158493/Methan-aus-Reisanbau-ist-ein-Klimakiller.html

[16] https://www.ucdavis.edu/news/rice-agriculture-accelerates-greenhouse-gas-emissions

[17] https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/17195-bstr-fuenf-ueberraschende-treibhausgas-schleudern/232010-img-reis

[18] https://www.sueddeutsche.de/wissen/wasser-der-versteckte-verbrauch-1.174346-7

[19] http://virtuelles-wasser.de/getreide.html

[20] http://www.fao.org/3/I9243EN/i9243en.pdf

[21] http://www.riso.ch/de/reis/reis-statistik/?oid=1877&lang=de

[22] http://www.fao.org/3/i3347e/i3347e.pdf

[23] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/175414/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-reis-in-deutschland-seit-1935/

[24] http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/essen-trinken/reis/markt-und-handel/markt-und-handel2

[25] https://qz.com/123456/wasted-rice-in-asia-emits-over-600-million-tonnes-of-greenhouse-gases-a-year/

[26] https://qz.com/123456/wasted-rice-in-asia-emits-over-600-million-tonnes-of-greenhouse-gases-a-year/

[27] https://www.businessinsider.sg/85-of-singapore-residents-eat-out-every-week-and-rice-and-noodles-are-the-most-commonly-wasted-food-items-while-doing-so-nea-says/

[28] https://www.reishunger.de/wissen/article/144/die-richtige-menge-reis-pro-person

[29] https://bessergesundleben.de/reiswasser-7-verwendungsmoeglichkeiten-fuer-gesundheit-und-schoenheit/

[30] https://web.de/magazine/ratgeber/essen-trinken/einfrieren-mythen-fleisch-fisch-auftauen-gefrierfach-17205822

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