Zero Waste auf Reisen – Malaysia

Malaysia ist unglaublich vielseitig – was einer der Gründe für mich war, auch während meines Praktikums in Singapur für Reisen hierher zurückzukehren. Diesen Artikel habe ich jedoch bereits im Juni verfasst, als ich für fünf Monate auf meiner Route von Bangkok nach Singapur in Malaysia und Thailand unterwegs war. Malaysia hat nicht nur in punkto Reisen, sondern auch was Zero Waste angeht, überraschend viel zu bieten.

Wie du in Malaysia nachhaltig reisen & Zero Waste leben kannst, erfährst du in den folgenden Absätzen. Zudem erkläre ich ein paar Eigenheiten von Malaysia und streiche auch Unterschiede zu Thailand heraus.
Dieser Artikel bezieht sich auf jenen Teil von Malaysia, der auf dem Festland liegt – eventuell gibt es im Osten Malaysias auf der Insel Borneo noch einige weitere Besonderheiten.

Zero Waste in Malaysia

Essen & Trinken

Sich in Malaysia Zero Waste zu verpflegen, ist nicht kompliziert. Es gibt viele Restaurants, wo du dich in aller Ruhe hinsetzen und essen kannst. Wie in Thailand wird das Essen auch hier öfters auf Kunststofftellern serviert, die allerdings wiederverwendbar sind.

Mir hat es allerdings aufgrund der größeren Auswahl und des Flairs oft noch mehr Spaß gemacht, auf Märkten zu essen. Da ich in der Zeit des Fastenmonats Ramadan in Malaysia war, besuchte ich oft die Ramadan Märkte, welche am frühen Abend vor dem Fastenbrechen aufgebaut werden und in jeder Stadt andere Spezialitäten bereithalten. In Kuala Terengganu beispielsweise gab es Jackfruit Curry und ein richtig leckeres Roti, im Ofen gebacken. Auch außerhalb des Fastenmonats wirst du in vielen Städten verschiedenste Nachtmärkte und Streetfoodstände mit allerlei Leckereien finden.

Wie in Thailand, so wird auch hier sogar heißes Essen einfach in Plastiktüten abgefüllt, was aus meiner Sicht auch gesundheitlich bedenklich ist. Besonders schockiert hat mich jedoch, dass manche Stände normale Teller in Plastiktüten verpacken und das Essen da drauf geben. Vermutlich, um Abwasch zu sparen. An so einem Stand verlange ich einen normalen Teller, bringe meinen eigenen oder gehe gleich zu einem anderen Stand oder Restaurant. Ohne Abfall sieht auch alles viel schöner aus und man trägt dazu bei, Situationen wie diese hier unten zu vermeiden.

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Wenn du auch auf einen Essensmarkt gehst, denk immer an die 6 Zero Waste Utensilien fürs Essen & Trinken unterwegs. Eine Jausenbox, Gabel/Messer/Löffel oder Essstäbchen, Stoffserviette sowie ein wiederverwendbarer To-Go-Becher nehmen nicht viel Platz weg und ersparen sehr viel Abfall. Es ist nirgendwo ein Problem, Essen & Trinken ohne Abfall zu kaufen. Oft finden die Menschen es sehr interessant oder amüsant. Dann kannst du erklären, dass du für die Umwelt (malay: alam sekitar) auf Wegwerfartikel verzichtest. Da viele Leute auch sehr gut Englisch sprechen, konnte ich ihnen noch genauer von Zero Waste erzählen. Viele reagierten mit Verständnis und Offenheit. So können wir einfach mehr Bewusstsein für die Problematik schaffen, was in Südostasien sehr wichtig ist! Denn Zero Waste ist hier noch weniger in der breiten Bevölkerung angekommen als in Europa.

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Das sind meine Utensilien für Zero Waste Essen & Trinken unterwegs: Eine Lunchbox, Essstäbchen oder anderes Besteck und eine Stoffserviette

Apropos Bewusstsein: Viele Städte in Malaysia lancieren bereits „Go-Green“ Initiativen und versuchen auch, Mülltrennung zu fördern. In Kuala Terengganu beispielsweise gab es im Park eine Abfallstation für getrennte Entsorgung. Allerdings leider auch viele Stationen, wo der Müll überhaupt nicht getrennt wird. Aus diesem Grund ist Zero Waste umso sinnvoller.

Zero Waste Stores habe ich während meiner Reise im Mai nicht gesehen – erst diesen Januar war ich in einem Zero Waste Store in Kuala Lumpur (siehe unten). Wenn du selbst einkaufst, kannst du dich mit Obst, Gemüse, Fisch, fleisch und frischer Kokosmilch ebenso wie in Thailand auf dem Markt eindecken. Ein heißer Tipp für alle trockenen Waren und Gewürze sind indische Läden. Hier gibt es große Auswahl an Reis, Linsen, Nüssen und Currypulver sowie viele weitere exotische Gewürze zu Billigstpreisen. Du kannst dir alles in deinen eigenen Behälter abfüllen lassen. Eigentlich schade, dass 99% der Leute ihre Einkäufe auch dort immer noch in Plastiktüten packen.

Diese sind wie auch in Thailand leider sehr populär und so musst du beim Einkaufen jeglicher Sachen schnell die Plastiktüte ablehnen, was glücklicherweise auch auf Englisch jeder versteht.

Vor wenigen Tagen habe ich in Malaysia „The Hive“, einen Zero Waste Store in Kuala Lumpur besucht. Die Auswahl ist groß und gut: Ich kaufte dort Zahnseide, Cashewkerne, Kokosmehl, Kichererbsen, Essig und Conditioner. Es gibt zudem verschiedenste Öle und Essigsorten, weitere Meele, Saaten, Linsen, Reis und auch verschiedene Körperpflegeprodukte sowie Reiniger zu kaufen. Das Preisniveau hier ist verglichen mit indischen Läden durchaus gehoben – dafür gibt es immerhin einige Bio-Produkte zu kaufen. Jedoch kommen die Sachen leider oft von weit her  – wie etwa das Reismehl aus den USA, welches ich aus diesem Grund im Regal stehen ließ.

Wasser trinken

Wie auch in Thailand, so hatte ich auch vor meiner Malaysiareise große Bedenken bzgl. des Trinkwassers. Diese stellten sich als unbegründet heraus. Denn mindestens die Hälfte der Guesthouses und Hotels, in denen ich wohnte, verfügen über Trinkwasserspender. Ansonsten findest du auch Trinkwasserautomaten draußen. Auch Moscheen verfügen oft über Trinkwasserspender, wo ich meine Flasche beim Besuch kostenlos auffüllen durfte.

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Foto: Die Automaten sehen hier unterschiedlich aus, aber wie in Thailand erhältst du hier für kleines Geld sauberes Wasser, welches du bedenkenlos trinken kannst. „Coways“ werden auch häufig in privaten Haushalten zur Wasseraufbereitung genutzt.

Palmöl

Malaysia ist einer der größten Palmölproduzenten weltweit. Das habe ich gesehen, als ich mit dem Bus durchs Land gefahren bin. Oft sah ich Ölpalmenhügel, soweit das Auge reicht. Für diese Plantagen wurde Regenwald abgeholzt, zudem sind sie ökologisch komplett wertlos. Aufgrunddessen war Palmöl bereits einige Zeit in Europa ein medial stark bearbeitetes und emotional aufgeladenes Thema. Meines Erachtens sollten auf jeden Fall keine neuen Plantagen mehr angelegt werden, um die Zerstörung des Regenwalds zu stoppen! Dies ist nicht nur wichtig, um Tierarten wie Tiger und Orang-Utans zu erhalten, sondern auch, um Klimawandel entgegenzuwirken.

Die Verwendung von Palmöl ist nicht nur in der Küche von Malaysia weit verbreitet. Das Fett wird auch in Waschmitteln, Körperpflegeprodukten, als Beimischung zu Benzin und als Tierfutter weltweit verwendet. Um meine Palmölnnutzung zu minimieren, bringe ich wie oben erwähnt meine eigenen Körperpflegeprodukte mit und lasse etwaige Probeprodukte in Hotels unangetastet. Zudem verzichte ich auf frittiertes Essen und bitte bei frischer Zubereitung den Koch, kein bzw. nur sehr wenig Öl zu verwenden. Vermeide Fertigprodukte, insbesondere Gebäck und Süßigkeiten.

Durch mehr vegetarisches und veganes Essen kannst du nicht nur auf Reisen, sondern auch in Europa einen wirksamen Beitrag zur Verringerung der Palmölnachfrage leisten. Auch insgesamt ist es für den ökologischen Fußabdruck durchaus wertvoll, den eigenen Konsum von tierischen Produkten zu reduzieren. Achte auch bei Körperpflegeprodukten darauf, dass sie palmölfrei sind! Das ist nicht immer so leicht, denn Palmöl verbirgt sich unter vielen verschiedenen Namen in diesen Produkten. Schau genau und recherchiere im Zweifelsfall im Internet, ob Inhaltsstoffe des Produkts aus Palmöl hergestellt sind.

Verkehr

Als ich spät am Nachmittag die Grenze überquerte und den Zug nach Butterworth nahm, fuhr dieser nicht nur pünktlich ab und kam pünktlich an. Er war auch so sauber und modern wie ein normaler Zug in der Schweiz! Diesen Zug gibt es allerdings nur an der Westküste, von Kota Bharu bis Singapur bewegte ich mich hauptsächlich mit Reisebussen fort. Diese waren auch durchwegs sicher und modern ausgestattet, manchmal lediglich zu stark heruntergekühlt. Überraschend war für mich dabei noch, dass auch Städte über ein weitgehend gut funktionierendes und auch für Ausländer verständliches Bussystem verfügen. Somit ist der öffentliche Verkehr besser ausgebaut als in Thailand.

Allerdings hat auch hier nahezu jede Stadt einen Flughafen und nicht nur Touristen nutzen Inlandflüge oft, um eine Stunde schneller von A nach B zu kommen. Bevorzuge Bus & Zug, das ist einer der einfachsten und effektivsten Wege, nachhaltiger zu reisen!

Kontrolliert biologisch angebaut

Das Bewusstsein für die Wichtigkeit von ökologischem Landbau ist hier eher niedrig: Während meiner Reisen fand ich nur wenig Geschäfte, welche Produkte mit Biosiegel verkaufen. Ich sah immer mal wieder ein paar „Green/Eco Stores“ an der Straße, welche jedoch aufgrund meiner Reisezeit im Fastenmonat meist geschlossen waren. Auch auf dem Markt gibt es keine Siegel, welche über den Anbau informieren. Dennoch hoffe ich, dass früher oder später auch in Malaysia mehr ökologische Produkte im Regal landen werden. Bis dahin kannst du als Tourist leider nicht mehr tun, als nachzufragen und beim Kauf regionale Produkte kleinerer Produzenten zu bevorzugen.

Vegetarisch & vegan

Es ist in Malaysia nicht schwer, vegetarisch zu essen. Mit „Saya tidak makan daging/Saya tidak makan ikan” kannst du erklären, dass du nur vegetarisch isst. Daging steht dabei für Fleisch und ikan für Fisch. Idealerweise sagst du beide Sätze oder erklärst auf Englisch, dass du gerne vegetarisch bzw. vegan essen möchtest.

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Essen vom Buffet eines 24-h Restaurants – hier findest du immer etwas vegetarisches oder veganes zu essen!

So findest du auf Märkten oder in Restaurants eigentlich immer etwas zu essen. Es kommt allerdings darauf an, wie streng du es nimmst. Ich selbst machte die Erfahrung, dass in manchen Gerichten durchaus Spuren von Fischsauce bzw. kleine gesalzene Fische drin waren. Durch genaues Nachfragen, am besten auf Englisch, kann man dies minimieren, aber nicht ganz ausschließen. Aufgepasst auch bei Tofu, der oft auf Spießen angeboten wird. Die runden Bällchen oder Stangen sind in der Regel mit Fisch versetzt. Hier solltest du auf jeden Fall nachfragen.

Lass dir aber davon nicht die Freunde am Essen in Malaysia verderben! Wenn du dein Bestes tust, nachfragst und das große Angebot nutzt, kannst du ganz problemlos zu 95% vegetarisch/vegan essen. Glücklicherweise werden in Malaysia außer für Süßigkeiten kaum Milchprodukte verwendet. Eier kannst du glücklicherweise gut umgehen oder abbestellen, wenn sie etwa in frisch gebratenen Nudelgerichten vorkommen.

Es gibt auch in den meisten Städten chinesische Buffetrestaurants, die rein vegetarisches oder veganes Essen servieren. Du nimmst dir selber am Buffet und bezahlst dann. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass die Preise oft etwas willkürlich sind und da nichts angeschrieben ist, sollte man besser bei jedem Gericht vorher nachfragen, wie viel es kostet. Zudem sind die vielen Mock-Meat Gerichte, die mit Tofu und oft zu viel Fett und Maggi zubereitet werden, nicht jedermanns Sache. Dennoch habe ich in diesen Restaurants schon einige leckere Gerichte kennengelernt. Bei chinesischen Restaurants kannst du anders als bei den malaiischen 24-Stunden Restaurants auch sichersein, dass sie komplett pflanzlich arbeiten. Dennoch ging ich auch gern zu den „Mamas“ – wie diese Restaurants auch genannt werden.

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Foto: Ein vegetarisches Thali – immer lecker!

Indisch-vegetarische Restaurants kann ich fast uneingeschränkt empfehlen! Das Essen ist wirklich lecker, es gibt meist auch vegane Optionen und du bist hinterher auch satt. Für den europäischen Gaumen fällt das Essen manchmal lediglich sehr würzig aus.

Einkaufen

Auf dem Pasar malam (Nachtmarkt) bekommst du alles: Shirts von Gucci, Louis V und Lacoste hängen dort in Reih und Glied nebst kleinen Fläschchen verschiedener Nobelparfums. Auch viele Fake-Taschen gibt’s. Mein Tipp hier: Überlege vor dem Kauf, ob du dieses Produkt wirklich brauchst und ob du es auch kaufen würdest, wenn es teurer wäre. Oft lässt man sich sonst durch die billigen Preise einfach zu schnell zum Kauf eines Kleidungsstücks oder eines Billiigparfüms hinreißen, dass dann zu Hause einfach in der Ecke landet.

Körperpflegeprodukte, Kosmetik & Sonnencreme

Es gibt in Malaysia gerade auf Inseln an der Ostküste viele traumhaft schöne Strände. Aus diesem Grund möchte ich hier noch von einer recht unbekannten Problematik erzählen: Sonnencreme. Sie wird im Meerwasser abgewaschen und schadet den Korallenriffen. Um dies zu vermeiden, greife ich soweit wie möglich auf textilen Sonnenschutz zurück e.g. T-Shirt oder Neoprenanzug zum schnorcheln und verwende Sonencreme nur in Gesicht und Nacken. Zudem greife ich auf Bio (leider nicht Zero Waste) Sonnencreme zurück. Diese solltest du ebenso wie Kosmetik & Körperpflegeprodukte einfach von zu Hause mitnehmen. Denn in biologischer bzw. Zero Waste Qualität gibt es Kosmetik in Malaysia (außer in KL) nicht zu kaufen.

Zusammenfassung

Ich habe Malaysia als unglaublich vielseitiges Land mit hilfsbereiten, offenen und herzlichen Menschen sehr positiv erlebt. Es ist hier nicht schwieriger als in Thailand, Zero Waste zu leben. Beide Länder stellen dich auch in punkto Nachhaltigkeit vor ähnliche Herausforderungen. Das Umweltbewusstsein ist hier freilich nicht so stark ausgeprägt wie in Europa. Ich denke jedoch, dass sich dies in den folgenden Jahren ausgehend von der Hauptstadt noch stärker entwickeln wird und dass beide Länder einen Pfad zu mehr Nachhaltigkeit und weniger Abfall einschlagen wollen/müssen, um die Attraktivität ihres Landes für zukünftige Generationen & den Tourismus zu bewahren.

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