Zero Waste Pflanzenmilch vs. Kuhmilch

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Viele denken bei Pflanzenmilch so wie ich früher an die Tetrapacks im Supermarkt, die Haferdrink, Reis/Kokosdrink oder ähnliches enthalten. Meist sind die Produkte gesüßt und mit Zusatzstoffen versetzt, obendrein noch ziemlich teuer. Das ist doch nichts für einen Zero Waster, oder? So dachte ich anfangs auch.

Dann begann ich nachzudenken, zu experimentieren und fand heraus, dass Pflanzenmilch ganz ausgezeichnet zu einem bewussten Zero Waste Lebensstil passt. Ganz ohne Zusatzstoffe und aus hochwertigen Biozutaten selbst gemacht, ist „Mylk“ eine gesunde und leckere Alternative zu Kuhmilch.

Mit einem leistungsstarken Mixer oder Pürierstab kannst du in weniger als drei Minuten Pflanzenmilch herstellen. Ich greife für abwechslungsreiche Milchvarianten gerne auf Mandeln, Haferflocken, verschiedene Nusssorten oder Soja zurück.

Die Gegenstimmen sind zwar zahlreich…

„Aber Soja zerstört doch den Regenwald!“

„Und der Anbau von Mandeln verbraucht viel zu viel Wasser!“

„Warum kaufst du keine Kuhmilch, die ist doch regional!“

Warum Pflanzenmilch trotzdem auch aus Zero-Waste Sicht besser ist als tierische Milch, ob Biomilch wirklich besser ist und worauf du beim nachhaltigen Einkauf von Nüssen und Co achten solltest, erkläre ich in diesem Artikel.

  1. Milch ist nicht gleich Milch: Vom Gras/Soja zur Kuh

  2. Wie viel Biomilch gibt es wirklich?

  3. Meine Meinung zu tierischer Milch vs. Pflanzenmilch

  4. Nachhaltig Nüsse, Mandeln und Getreide kaufen

  1. Milch ist nicht gleich Milch: Vom Gras/Soja zur Kuh

Egal, ob du auf Mandeln, Nüsse, Soja oder Getreidesorten zurückgreifst, die Wertschöpfungskette ist dieselbe: Die Nüsse bzw. Getreidesorten werden ausgesät und wachsen auf dem Feld. Schließlich kann man sie ernten, sie werden ggf. noch geschält oder vermahlen, (leider oft) in kleinen Konfektionen verpackt und ins Geschäft transportiert.

Bei tierischer Milch kommt es sehr stark auf die Haltungsform an: Diese sieht bei sehr hochwertigen Biolabels (und in der Werbung) noch am artgerechtesten aus: Kühe mit Hörnern stehen auf der Weide und fressen dort den lieben langen Tag Gras. Am Abend werden sie dann vom Bauer gemolken. Diese Milch kann man dann direkt mit der Milchkanne holen (wie es meine Oma noch gemacht hat), sie wird in Glasflaschen abgefüllt und ins Geschäft gebracht oder gleich zu Joghurt, Käse etc. verarbeitet.

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Foto: Auf der Wiese grasende Kühe –  das ist heutein der Realität sehr selten. Daher wählte ich dieses Cartoon-Bild.

Wer gerne Kuhmilch trinkt, sollte auf diese Haltungsbedingungen achten – dabei aber bitte nicht auf die Werbung verlassen. Denn die entspricht oft nicht der Wahrheit, wie ich erst langsam realisiert habe. Meiner Erfahrung nach ist Demeter das verlässlichste Biolabel für artgerechte Haltung von Milchkühen. Wohlgemerkt – ein staatliches Biosiegel allein reicht nicht, um solche Bedingungen zu garantieren.

Das EU-Biosiegel garantiert zumindest Pestizidfreiheit. Sprich, das Futter muss aus kontrolliert ökologischem Anbau kommen. Zudem muss min. 60% des Futters selbst bzw. in regionaler Kooperation erzeugt worden sein[1]. Das sagt allerdings nichts über die Art des Futters aus. Somit dürfen auch bio-Kühe mit Getreide und Soja gefuttert werden, solange dieses eben bio ist. Die präventive Antibiotikagabe ist verboten, ebenso wie die Antibiotikagabe, wenn es auch noch andere Alternativen gibt[2]. Das ist wichtig, denn so können wir verhindern, dass Resistenzen entstehen und lebenswichtige Antibiotika schlussendlich bei Menschen nicht mehr wirken! Auch Weidegang oder Auslauf ist vorgeschrieben. Das bedeutet aber lediglich, dass die Kuh auch mal an die frische Luft darf: Das kann auch ein betonierter, nicht überdachter Platz sein! „Normale“ Biokühe dürfen im Gegensatz zu Demeter auch enthornt sowie künstlich geschwängert werden.

=> Alles in allem ist Biohaltung immerhin besser für das Tierwohl. Dennoch müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass es auch hier sehr auf jeden Bauern ankommt und sich die Tiere nicht immer gleich wohl fühlen! Demeter ist ein besonders hochwertiges Biolabel mit zusätzlichen Kriterien, das ich für Milchprodukte wärmstens empfehlen kann. Doch viele Tiere werden überhaupt bio gehalten?

  1. Wie viel Biomilch gibt es wirklich?

2019 wurden in Deutschland, dem Land mit der höchsten Milchproduktionsmenge der EU, geschätzt 33 Millionen Tonnen Kuhmilch erzeugt[3]. Rund 1 Million Tonnen davon sind Bio-Milch[4]. Sage und schreibe 3%. Davon ist dann noch ein bisschen was Demeter – genaue Zahlen dazu gibt es leider nicht.

Weltweit sieht es folgendermaßen aus: 859 Millionen Tonnen Kuhmilch wurden 2019 erzeugt, Tendenz steigend[5]. Zur weltweiten Biomilcherzeugung gibt es keine genaueren Daten. Doch gehen wir davon aus, dass die relative Biomilchmenge sich wie in Deutschland verhalt (was vermutlich zu optimistisch ist, denn der weltweite Bioanteil ist nicht so hoch wie der deutsche) so hatten wir 25 Mio. Tonnen Biomilch weltweit. Dies zeigt, dass der Großteil der weltweiten Produktion konventionell ist. Das heißt: Haltung zusammengepfercht in Stallen, kein Auslauf, morgens und abends melken und vor allem viel, viel Futter. Es ist zumeist Kraftfutter, basierend auf Soja, Weizen und verschiedenen anderen Getreidesorten. Nahrungsmittel, die eigentlich für die menschliche Ernährung dienen. Doch sie werden aus der Wertschöpfungskette genommen, zu Pellets verarbeitet und an Tiere verfüttert. Daraus könnte man doch gleich Milch machen!

Dies beweist auch die Feed Efficiency Rate (Output: Input), die zwischen 1.3 und 1.7 liegt. Das heißt, wenn ich 1kg Getreide in eine Kuh hineinstecke, bekomme ich 1.3 bis 1.7 l Milch. Klingt gar nicht so schlecht – jedoch muss man dabei bedenken, dass man ein Kilogramm Getreide immerhin 3530 Kalorien hat, ein Liter vollfette Milch nur 650[6]. Mit Getreide können also wesentlich mehr Menschen satt werden.

Auch die Ökobilanz spricht eindeutig für pflanzliche Alternativen: Hafermilch etwa verbraucht 80% weniger Land und erzeugt 70% weniger CO2 als Kuhmilch[7]. Für andere Milchsorten sieht es ähnlich aus – jedoch kommt es auch auf die Art der Landwirtschaft und die Transportwege an. Mandelmilch steht etwa aufgrund der intensiven Anbauweise in Kalifornien, die nur mit hohem Wasserverbauch und Bienenverschließ funktioniert, so sehr unter Druck. Doch das ist ein Thema für einen eigenen Artikel. Insgesamt hat Pflanzenmilch das Potential, viele Transportwege, Emissionen, Ackerflachen und Wasserverschmutzung durch Gülle zu sparen. Ganz zu schweigen vom Tierleid, welches durch konventionelle Produktion, aber auch durch nicht artgerechte Biohaltung entsteht.

  1. Meine Meinung zu tierischer Milch vs. Pflanzenmilch

Kuhmilch war eines der ersten Produkte, bei denen ich Tetrapacks gegen Glasflaschen getauscht habe. Dies bedeutete automatisch den Kauf von Demeter-Produkten, da dies in meiner Region die einzige Milch ist, die überhaupt in der Glasflasche angeboten wird. Ich fand, dass diese pasteurisierte, nicht homogenisierte Milch um Welten besser schmeckte als die verarbeitete Milch aus dem Tetrapack! Ganz zu schweigen von konventioneller H-Milch oder „Kaffeemilch“. (Statt der kannst du auch gleich Wasser mit etwas weißer Lebensmittelfarbe und geschmackslosem Öl trinken, finde ich).

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Joghurt aus Kuhmilch – bis 2018 war dies noch mein tägliches Frühstück. Ich lernte im Ausland vielseitige Alternativen kennen!

Als ich im Januar 2019 für mein Auslandssemester nach Thailand gegangen bin, dachte ich: Na ja, es wird sicher ziemlich schwer, ohne Milchprodukte auszukommen. Denn Demeter Milch oder Joghurt in Glasflaschen gibt es dort nicht. Zu dieser zeit war ich ein richtiger Joghurtfan. Zu Hause in Österreich musste in der Regel schon ein 500g-Glas pro Woche dran glauben. In Thailand habe ich dann auf dem Markt eingekauft, auf der Straße gegessen und festgestellt, dass die regionale Küche ohne Milchprodukte unglaublich vielseitig ist!

Im Sommer kehrte ich wieder zurück: Ich konnte mich kaum mehr an die europäische Küche gewöhnen. Alles war zu schwer, zu fett, überall war Sahne drin und Joghurt war mir sowieso zu sauer. Doch schon vor Thailand hatte ich verstärkt Pflanzenmilch hergestellt. Dies führte ich nun fort und ersetzte Kuhmilch fortan verstärkt durch Hafermilch, Sojamilch und Mandelmilch. Zwischenzeitlich verwendete ich dann und wann wieder ein bisschen gute Demeter-Milch, die mir noch schmeckte. Seit Dezember bin ich in Singapur und greife auch dort auf selbstgemachte Pflanzenmilch (z.B. Reis) zurück.

Wenn ich wieder nach Osterreich komme, werde ich nach dem 80/20 Prinzip verfahren: 80% frische, selbstgemachte Pflanzenmilchvarianten und 20% Zero Waste Demeter Produkte. Das ist Zero Waste, Bio, regional und es tut sowohl meiner Gesundheit als auch der Erde gut! Und das wichtigste – es schmeckt und bietet viel Abwechslung für mich.

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Mein Tipp lautet daher:

=> Probier auch du mal Pflanzenmilch! Sie schmeckt prima und passt ausgezeichnet zu einem ganzheitlich nachhaltigen Zero Waste Lifestyle.

Wer bislang nur konventionelle Milch gekauft hat, dem empfehle ich ganz klar einen kompletten Umstieg auf Pflanzenmilch und/oder Demeter-gelabelte Biomilch in Glaspfandflaschen, wenn man diese regional beziehen kann.

Konventionelle Milch eignet sich m.E. nicht für einen rundum nachhaltigen Zero Waste Lebensstil – auch wenn sie mit der Milchkanne geholt oder in Pfandflaschen gekauft wurde.

Natürlich gibt es auch aus gesundheitlicher und ethischer Sicht viele Grunde, die für Pflanzenmilch sprechen. Doch diese spare ich hier bewusst aus, denn dazu gibt es bereits genug Artikel.

  1. Wie kann ich nachhaltig Nüsse, Mandeln und Getreide für Pflanzenmilch kaufen?

Natürlich gibt es ein paar Sachen, die du beim Einkauf beachten solltest. Doch aufgrund der Emissionseinsparungen und der vereinfachten Wertschöpfungskette ist Pflanzenmilch per se in der Regel nachhaltiger als Milch aus tierischem Ursprung. Auch der nachhaltige Einkauf von Nüssen, Mandeln und Co ist unkompliziert.

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Hier sind meine wichtigsten Punkte:

  1. Kauf Bio: Greif auf zertifizierten Bioanbau zurück. Demeter ist strenger als ein staatliches Biosiegel. Doch bei pflanzlichen Produkten bin ich auch mit dem EU-Biosiegel zufrieden.
  2. Kauf Zero Waste: Durch den verpackungsfreien Einkauf kannst du genau die Menge kaufen, die du brauchst und sparst dabei diverse Verpackungen ein. Im Unverpacktladen sind die Waren in der Regel sowieso bio und aus fairem Handel.
  3. Kauf Regional: Wenn du in Österreich lebst, haben Hafer, österreichischer Amaranth, Dinkel oder Sojabohnen besonders kurze Transportwege. Ich empfehle zudem, auf italienische/spanische statt kalifornische Mandeln zurückzugreifen.
  4. Kauf Fairtrade: Bei exotischen Rohstoffen wie z.B. Kokos garantiert das Fairtrade-Label soziale Nachhaltigkeit und gerechte Bezahlung der Bauern.

Ich kaufe solche Nüsse und Saaten ausschließlich im Unverpacktladen oder in der nahe gelegenen Ölmühle, da sie so automatisch Zero Waste, Bio und Fairtrade sind. Nach der Herkunft frage ich einfach im Geschäft.

Im nächsten Artikel stelle ich dir meine Top 10 Pflanzenmilchrezepte sowie meine Tipps und Tricks vor!

Dieser Post ist Teil der Linkparty von einfach.nachhaltig.besser.leben!

Quellen:

Coverfoto: Vielen Dank an Myriam Zilles!

[1] https://utopia.de/ratgeber/bio-siegel-haben-die-tiere-davon/

[2] https://utopia.de/ratgeber/bio-siegel-haben-die-tiere-davon/

[3] https://milchindustrie.de/marktdaten/erzeugung/

[4] https://www.waz.de/wirtschaft/bio-milch-legt-in-deutschland-weiter-zu-id225882069.html

[5] https://www.agrarheute.com/markt/analysen/globale-milchproduktion-steigend-554104

[6] https://www.kalorientabelle.net/kalorien/getreideprodukte

[7] https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/oekobilanz-pflanzenmilch

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