7 gute Gründe für Bio

Vor ein paar Jahren stand ich bei einem guten Freund in der Küche. Wir bereiteten gerade das Abendessen vor. Wo ich hinschaute, in seinem Kühlschrank und Regal befanden sich nur Bioprodukte. Bio-Müesli, Bio-Gurken, Bio-Äpfel.

„Warum kauft ihr denn nur Bio? Reicht es nicht, wenn das alles regional ist?“ fragte ich.

Er erklärte es mir: Heute bin auch ich überzeugte Bio-Einkäuferin (wenn ich denn mal was einkaufen gehe 😉 ).

7 echt gute Gründe, dich das nächste Mal für Bio zu entscheiden, verrate ich dir in diesem Artikel.

  1. Bioprodukte sind gesünder
  2. Du musst Bioobst und -gemüse nicht schälen
  3. Bio schmeckt nach mehr
  4. Bio ist auf lange Sicht wirtschaftlicher
  5. Bio schont die Umwelt
  6. Biolebensmittel sind gentechnikfrei
  7. Ganzheitliches Bio ist auch unverpackt, Zero Waste, …

Dieser Artikel arbeitet mit ziemlich vielen Beispielen aus dem Lebensmittelbereich. Denke daran, dass diese und weitere Argumente auch für Kosmetik, Möbel, Kleidung… gelten.

Ich kaufe nicht nur Bio, weil ein Siegel darauf klebt. Mir sind ganzheitlich biologische Produkte wichtig. Was das für mich bedeutet, habe ich in einem meiner älteren Artikel dargelegt. Lies ihn unbedingt, gerade wenn du Bio noch kritisch gegenüberstehst.

1.Bioprodukte sind gesünder

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Korb mit frischem Obst und Gemüse

Dieser Punkt trifft hauptsächlich dann zu, wenn du viele unverarbeitete Bioprodukte wie frisches Obst und Gemüse kaufst.

Fertigbioprodukte enthalten natürlich ebenfalls Salz, Zucker und Fette. Jedoch ist auch hier die Liste an erlaubten Lebensmittelzusatzstoffen im Vergleich zu konventionell angebauten Lebensmitteln geringer. Konventionelle Produkte dürfen in der EU 314 verschiedene Zusatzstoffe[1] enthalten. In den US sind es 3000 Zusatzstoffe, die sich in der Datenbank der FDA befinden – wobei dort auch harmlose Zusatzstoffe wie Gewürze aufgeführt sind[2]. Biolebensmittel, die mit dem EU-Biosiegel gekennzeichnet sind, dürfen nur 50 dieser Zusatzstoffe erhalten[3]. Die Anbauverbände Demeter, Naturland und Bioland erlauben nur 20[4].

Ein großer Pluspunkt bei Bio ist, dass gerade unverarbeitetes Obst und Gemüse mehr Vitamine enthält als konventionelles Obst und Gemüse. Das ist unter anderem auf den geringeren Wassergehalt zurückzuführen, welcher auch bei manchen Obst- und Gemüsesorten für den besseren Geschmack mitverantwortlich ist (Punkt 3).

Da auch chemisch-synthetische Pestizide im Bioanbau verboten sind, setzen wir uns mit Bioobst und Gemüse einem geringeren Gesundheitsrisiko aus als mit konventionell angebautem Gemüse. Man weiß eben, was drin ist bzw. eher, was nicht drin ist. Nicht jedes Biogemüse ist pestizidfrei, da durch Nachbarfelder, Transport und Betrug natürlich Pestizide darauf gelangen können. Doch Pestizidrückstände treten bei Bioprodukten in geringeren Konzentrationen auf[5].

In Baden-Württemberg (Deutschland) wurden Obstproben von biologisch angebautem und konventionellem Obst genommen. Bei den Bioprodukten waren 7% der Proben mit Pestizidrückständen belastet, bei den konventionellen hingegen waren es 95%[6]!

Zudem wird eine geringere Anzahl verschiedener Pestizidsorten auf biologisch angebautem Obst und Gemüse vorgefunden. Da gerade Kombinationen von Pestiziden noch ungeklärte Folgen für den menschlichen und tierischen Organismus haben, ist dies ein wichtiger Punkt, der für biologisch angebaute Produkte spricht.

Bei ganzheitlich gelebtem Bio kommen auch alte Sorten wieder zum Einsatz. Diese weisen eine andere Zusammensetzung aus als modernes Hybridobst und Gemüse. Bei Äpfeln wurde beispielsweise nachgewiesen, dass traditionelle Apfelsorten wie „Geheimrat Oldenburg“ deutlich mehr Polyphenole enthalten als „moderne“ Apfelsorten[7].

Das zeigt: Nicht allein aus Nachhaltigkeitsmotiven entscheiden sich Menschen für Bio. Im Gegenteil, die eigene Gesundheit ist ein wichtiges Motiv für Menschen, biologisch angebaute Produkte zu kaufen.

2. Du musst Bioobst und -gemüse nicht schälen

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Einen Bioapfel kannst du nach dem Waschen bedenkenlos samt Schale verzehren. Das ist gesund, denn in bzw. direkt unter der Schale von Apfel, Birne und Co finden wir besonders viele Vitamine und wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Oft ist die Schale besonders geschmackvoll: Ich finde, besonders bei Äpfeln, Feigen und Pfirsichen lohnt es sich, die Schale dranzulassen.

Wenn du die Schale mitverwenden kannst, gibt dir das zudem mehr Möglichkeiten, mit deinem Obst und Gemüse kreativ zu werden. Du kannst so beispielsweise auch die Schalen von Orange, Zitrone und Co zum Aromatisieren von Süßspeisen nutzen.

Nicht zuletzt spart es Arbeit und Abfall, wenn man die Schale einfach dranlassen kann!

Aber auch bei Obst- und Gemüsesorten, bei denen man die Schale nicht mitessen kann, lohnt es sich, biologisch angebaute Produkte zu kaufen. Denn beim Schälen von Ananas und Co können Pestizide von der Schale ins Innere gelangen, die das essbare Fruchtfleisch mit mehr Pestiziden von der Oberfläche verunreinigen. Geh lieber auf Nummer Sicher und entscheiden dich für Bio!

3. Bio schmeckt nach mehr

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Da scheiden sich die Geister. Als ich noch gerne konventionelle Fertigprodukte gegessen habe, mochte ich einige Biolebensmittel nicht. Sie waren mir einfach nicht süß oder salzig genug, und die Geschmacksverstärker fehlten. Beispielsweise schmeckte mir das verpackte Brioche vom Supermarkt besser als ein Striezel vom Biobäcker. So geht es vielen Kindern und auch Erwachsenen, die nicht oft Bio essen. Das liegt jedoch nicht an guten Zutaten im Billigbrot, sondern an den Zusatzstoffen wie Feuchthaltemittel, Farbstoffe, viel billiges Fett, Zucker und Geschmacksverstärker, die konventionelle Produkte oft leckerer schmecken lassen, als sie eigentlich sind.

Klar, mittlerweile gibt es auch viele ungesunde, übersüßte Bioprodukte, die ganz ähnlich schmecken wie ihre konventionellen Pendants. Doch grundsätzlich kann ich es nur empfehlen, wenn du deinen Geschmackssinn wieder an natürliche, unverarbeitete Nahrungsmittel gewöhnst.

Mit der Zeit empfand ich künstliche Erdbeer- und Vanillearomen als unangenehm. Konventionelle Produkte schmeckten plötzlich versalzen, fade oder übersüßt. Diese Schärfung des Geschmackssinns hat nicht nur mit der Umstellung auf Bioprodukte, sondern ganz allgemein mit dem Verzicht auf künstliche Fertigprodukte zu tun. Ein verschärfter Geschmackssinn hat viele Vorteile: Er macht es dir einfacher, wirklich hochwertige Lebensmittel zu erkennen und hilft dir somit auch beim Kochen.

Schmeckt Bio wirklich besser? Bei Fertigprodukten ist der veränderte Geschmack klar auf die Zusatzstoffe zurückzuführen. Bei frischem Obst und Gemüse finde ich es persönlich nicht immer ganz einfach zu sagen. Meiner Ansicht nach schmecken etwa Bio-Tomaten stets besser als die konventionell angebauten. Bei Pfirsichen oder Bananen hingegen konnte ich keinen merklichen Unterschied feststellen. Meines Erachtens hängt der Geschmack nicht vom Biosiegel allein ab. Auch die Lagerdauer, Transportdauer, Anbaubedingungen und der ganze Kontext sind dafür verantwortlich. Mehr dazu unter Punkt 6.

4. Bio ist auf lange Sicht wirtschaftlicher

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Bio ist teurer, auf den ersten Blick jedenfalls. Das ist der Hauptgrund, warum viele Menschen kein Bio kaufen. Doch warum kosten biologisch angebaute Produkte überhaupt mehr? Das liegt zum einen an der Zertifizierung und an den Kontrollen, die von den Biobauern bezahlt werden müssen, damit sie ihre Produkte überhaupt als biologisch angebaut verkaufen dürfen. Zudem sind die Anbaumethoden und Methoden zur Schädlingsbekämpfung in der Biologischen Landwirtschaft mitunter arbeitsintensiver.

Daher kosten biologisch angebaute Lebensmittel und biologisch erzeugte Produkte im Allgemeinen mehr als ihre konventionellen Pendants. Doch was wir im billigen, konventionellen Preis nicht mitbezahlen, sind die Umweltschäden, die durch Pestizideinsätze, sterbende Insekten, schwindende Artenvielfalt und verschmutztes Wasser entstehen. Dafür bezahlen andere – zukünftige Generationen, Tiere, und die Umwelt. Auch für die gesundheitlichen Schäden, die durch Chemikalien und ungesunde Ernährung entstehen, bezahlst du nicht sofort, sondern erst später.

Konventioneller Anbau laugt den Boden aus, sodass nach anfänglich guten Erträgen die Ernte allmählich nur mit mehr und mehr Düngemitteln und Pestiziden aufrechterhalten werden kann. Ganzheitlicher Bioanbau hingegen geht schonend mit dem Boden um, sodass auf chemisch-synthetische Düngemittel verzichtet und Geld gespart werden kann. Um diese Vorteile auszuschöpfen, müssen Biobauern allerdings mehr Wissen, Zeit und Arbeit investieren.

Auf lange Sicht ist ganzheitlich biologischer Anbau also kostengünstiger als konventioneller Anbau, wenn man alle Kosten miteinberechnet!

Auch innerhalb von Bio gibt es Abstufungen: Produkte, die mit strengeren Biosiegeln zertifiziert sind, kosten noch einmal etwas mehr. Doch aufgrund der strikteren Richtlinien lohnt es sich auf jeden Fall, mehr zu bezahlen! Ich persönlich bin ganz besonders überzeugt von Demeter. Gerade bei tierischen Produkten sollte dieses Siegel stets die erste Wahl sein! Beispielsweise verpflichtet Demeter seine Landwirte, den Kühen ihre Hörner zu lassen und fördert die natürliche Befruchtung – Richtlinien, die beim „normalen“ Biosiegel nicht gegeben sind.

5. Bio schont die Umwelt

Das scheint ziemlich offensichtlich. Durch das Verbot chemisch-synthetischer Pestizide schont Biologischer Anbau die natürlichen Lebensgrundlagen wie Wasser, Boden und Luft. Biologischer Anbau fördert außerdem die Biodiversität. Korn- und Mohnblumen im Getreidefeld dürfen wachsen und bieten Lebensraum für Nützlinge und Insekten wie verschiedene Käfer, Heuschrecken und Bienen.

Das FiBL hat errechnet, dass auf biologisch bewirtschafteten Flächen durchschnittlich 30% mehr Arten vorkommen als auf konventionellen[8]! Das zeigt, dass biologisch bewirtschaftete Flächen lebensfreundlicher sind als konventionelle und so zum Erhalt unserer natürlichen Artenvielfalt beitragen. Konventionell bewirtschaftete Flächen hingegen können im Extremfall Agrarwüsten sein, auf denen nur die angebaute Pflanze wächst.

Biologischer Anbau schont auch das Wasser, da Pestizide, Düngemittel etc. ja nicht einfach auf dem Acker bleiben, sondern in den Wasserkreislauf gelangen und so unvorhersehbare Auswirkungen auf das aquatische Ökosystem hervorrufen können. So werden Pestizide und ihre Rückstände weiterverbreitet und können letztlich auch wieder zum Menschen gelangen.

6.Bio-Lebensmittel sind gentechnikfrei

Auch wenn die einzelnen Bio-Labels leichte Unterschiede in diesem Punkt aufweisen – Bio-Produkte müssen frei von der sogenannten „Grünen Gentechnik“ sein. Das bedeutet im Fall des EU-Biosiegels, dass Produkte maximal Rückstände von 0,9% gentechnisch veränderten Anteilen enthalten dürfen[9]. Angesichts der ungeklärten Auswirkungen von grüner Gentechnik auf unsere Umwelt ist eine gentechnikfreie Wirtschaftsweise wichtig. So können wir unsere natürliche Artenvielfalt und Biodiversität erhalten.

6.Ganzheitliches Bio ist auch unverpackt, Zero Waste, …

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Bio trägt für mich dazu bei, unsere Welt nachhaltiger zu gestalten und unseren Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu überdenken.

Bio ist für mich mehr als ein Siegel und Pestizidfreiheit. Was ganzheitliches Bio für mich bedeutet, kannst du hier nachlesen.

Biologischer Anbau soll in erster Linie ein Arbeiten mit der Natur und ihren Kreisläufen sein, nicht dagegen. Denn selbst wenn wir versuchen, gegen die Natur zu kämpfen – irgendwann gewinnt sie. Mit der natürlichen Umwelt zu leben, sie zu verstehen und im Einklang mit ihr zu arbeiten, ist viel innovativer, generiert Wissen und macht viel mehr Spaß.

  • Das sind meine sieben guten Grüne, nur noch biologisch angebaute Produkte zu kaufen. Hast du noch weitere Gründe? Schreib mir einen Kommentar!

Quellen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensmittelzusatzstoff

[2] https://www.fda.gov/food/food-additives-petitions/food-additive-status-list

[3] https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/was-heisst-bio/zusatzstoffe-in-bio/

[4] https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/was-heisst-bio/zusatzstoffe-in-bio/

[5] http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/pestizidrueckstaende.html

[6] https://www.br.de/nachrichten/wissen/faktenfuchs-ist-bio-auch-gesuender,RbxDsR3

[7] https://www.derstandard.at/story/2000077244747/alte-apfelsorten-sind-gesuender-als-moderne

[8] https://www.biohof.at/blog/Natuerliche-Vielfalt-grosz-geschrieben-1180

[9] https://www.bio-austria.at/nein-zur-gentechnik/

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