„Wir fahren mal wieder herunter“ – Warum ein anderer Umgang mit dem Coronavirus hilfreich wäre

German only – dieser Artikel erscheint nur auf Deutsch

Die Regierung hat es gestern verkündet, Lockdown 2.0 in Österreich. Alle „nicht-essenziellen“ Geschäfte werden zur Schließung gezwungen und Kinder müssen wieder zu Hause lernen. Das ist ja nichts neues – hatten wir im Frühling auch schon einmal.

Seit Mitte August, als die Maskenpflicht in Geschäften wieder eingeführt wurde, wurden die Maßnahmen sukzessive verstärkt. Das hat der steigenden Anzahl positiv getesteter (ist nicht gleich Erkrankter) keinen Abbruch getan. Doch nun sind die Spitäler mal wieder an der Kapazitätsgrenze.

In diesem hoffentlich letzten Artikel zur aktuellen Situation möchte ich sachlich aufzeigen, warum ein anderer Umgang mit dem Virus dennoch hilfreich wäre und wie er gelingen kann.

Spitäler an der Kapazitätsgrenze – wir haben ja keine Wahl?!

Dasselbe Argument wie im Frühling wird auch jetzt wieder von der Regierung auf den Tisch gebracht. Horrorszenarien von Menschen, die mangels Behandlung zu Hause ersticken, flimmern über den heimischen Fernsehbildschirm. Die Bürger müssen ihren Teil beitragen „we are all in this together“ und weitere höchst emotionale Slogans werden da vorgetragen.

Was die Regierung vergisst zu erwähnen, ist ihr eigenes Versagen: Seit März sind nun genau neun Monate vergangen. Wenn das Virus gefährlich für eine Anzahl von Personen ist, die mit den momentanen Kapazitäten der Spitäler keine ausreichende medizinische Versorgung erhalten können, dann wäre reichlich Zeit gewesen, sowohl Personal als auch Kapazitäten aufzustocken. In dieser Richtung sind keine ausreichenden Massnahmen gesetztund kommuniziert worden.

Daher müssten die Verantwortlichen wenigstens klar und deutlich zugeben, dass sie in diesem Punkt versagt haben. Doch dieses Versagen nun auf das ganze Volk auszuweiten und es mit komplett sinnlosen Ausgangssperren (mit glücklicherweise maschendrahtzaungroßen Schlupflöchern) zu belegen, ist einfach falsch und hilft uns in der Situation nicht weiter. Natürlich können wir das noch ein paar Mal wiederholen, doch Unternehmen und BürgerInnen werden finanziell, existenziell und psychisch großen Schaden nehmen.

Mangelnde Wirksamkeit getroffener Maßnahmen

Hier sehen wir die Anzahl positiv getesteter (nochmal: ist nicht gleich Erkrankter) Menschen in Österreich. Unten haben ich die ab Juli getroffenen Maßnahmen aufgelistet:

  • 24. Juli 2020: Wiedereinführung der Maskenpflicht in Supermärkten, Bank- und Postfilialen; im Lebensmitteleinzelhandel, Krankenhäusern, Pflege- und Kurhäusern
  • 4. September 2020: Einführung der Corona-Ampel
  • 14. September 2020: Wiedereinführung von Maskenpflicht in der Gastronomie ungeachtet der „Ampel“
  • 25. Oktober 2020: Zusammenkünfte werden auf 6 Personen im Innen bzw. 10 Personen im Außenbereich beschränkt (bzw. wird dies für den privaten Bereich „empfohlen“)
  • Wiedereinführung des Mindestabstands von einem Meter
  • Verbot der Konsumation alkoholischer Getränke nach der Sperrstunde in 50 m um Gaststätten
  • 7. November 2020: der Mund-Nasen-„Schutz“ muss eng anliegen, Gesichtsvisiere werden verboten
  • 3. November 2020: “Lockdown light“
    • Gastronomie und Hotellerie wird zum Schließen gezwungen
    • Ausgangsbeschränkung: Menschen sollen zwischen 20 und 6 Uhr ihr Haus nicht verlassen (Ausnahmen siehe [1]).
    • Kultur- und Freizeiteinrichtungen (Theater, Fitnessstudio,…) werden zum Schließen gezwungen
    • Oberstufen und Universitäten werden zum Schließen gezwungen
  • 17. November 2020: “Harter Lockdown“
    • zu den bisherigen Maßnahmen müssen nun auch alle anderen Dienstleister (Frisöre,…) schließen
    • Ausgangsbeschränkungen gelten rund um die Uhr. Aber glücklicherweise haben wir ja auch hier diverse Ausnahmen (bitte hier nachlesen[1]).

Was haben all diese Maßnahmen, die seit Mitte Sommer stetig verstärkt wurden, letztendlich gebracht? Offensichtlich nichts. Die Zahlen sind weiter angestiegen, obwohl immer mehr Beschränkungen eingeführt wurden. Das deutet darauf hin, dass die getroffenen Maßnahmen schlicht und einfach nicht geeignet zur Eindämmung dieses Erregers sind! Es macht wenig Sinn, hilflos immer weitere Maßnahmen einzuführen, nur um zu zeigen, dass man irgendetwas tut.

Auch hier wäre es wünschenswert, wenn die Verantwortlichen ganz offen und ehrlich sagen, dass sie aktuell keine wirksame Lösung gegen den Anstieg von Fallzahlen bzw. Hospitalisierungen haben. Einem ehrlichen Statement und einem Appell an die Eigenverantwortung können freie, selbstständige Bürger normalerweise wesentlich mehr abgewinnen als Beschränkungen, die das Problem offensichtlich nicht zufriedenstellend lösen.

Wir können nicht alles kontrollieren

Doch das größte Problem und der Kern dieses Artikels ist das Mindset. In der Rhetorik diverser Politiker und Virologen ist stets vom „Kampf gegen Corona“ die Rede. Einen Kampf zu kämpfen, den wir überhaupt nicht gewinnen können, bringt uns nicht weiter.

Es gab immer schon Viren und Bakterien. Oft waren sie wirklich für einen breiten Teil der Bevölkerung gefährlich, wie etwa die schwarze Pest im Mittelalter. Doch der Mensch war gegen diese Krankheit weitgehend machtlos. Heute haben wir zwar ein weiter entwickeltes Gesundheitssystem und eine breitere Palette an Medikamenten zur Verfügung. Aber das scheint nicht auszureichen, um alle Menschen vor einer Infektion mit diesem Erreger zu bewahren. Vielleicht steht das ganz einfach außerhalb unserer Macht.

Wir verlieren täglich Menschenleben: Im Straßenverkehr, durch den Klimawandel, durch Naturkatastrophen, oder ganz einfach aus Altersschwäche. Jedes verlorene Leben ist ein Grund zur Trauer. Und wir sollten uns durch geeignetes Handeln für den Schutz von Leben einsetzen. Doch für Corona gibt es keine solchen Maßnahmen, die sicher funktionieren und gleichzeitig das Leben des Menschen als Menschen weiter ermöglichen.

Ohne Maßnahmen werden Menschen sterben. Mit Maßnahmen auch, wie wir sehen. Das Leben ist mit und ohne Corona lebensgefährlich, auch wenn die Verantwortlichen das nicht aussprechen bzw. wahrhaben wollen.

Möchten wir uns jahrelang in unseren Zimmern einsperren, unsere Freunde nicht mehr sehen und nur noch über Videokonferenztools reisen sowie arbeiten? Täglich angsterfüllt die Zahlen positiv getesteter Menschen in der Zeitung lesen, anstatt journalistisch Artikel über Kultur, Kunst und Reisen?

Oder möchten wir ein freies, eigenverantwortliches Leben führen, die Situation akzeptieren und alles daran setzen, dass wir durch das rasche (!) Aufbauen von Kapazitäten und durch das Entwickeln von schulmedizinischer Medikamenten und alternativer Gesundheitskonzepte (statt ad-hoc Impfungen) ein sicheres Gesundheitssystem auch für zukünftige Herausforderungen entwickeln können?

Wir haben die Wahl.

Es gibt viel zu tun, in politischer, ökonomischer, gesundheitlicher, psychischer und nachhaltiger Hinsicht[2]. Wir müssen die Demokratie schützen, Unternehmen retten, unser Gesundheitssystem reformieren, Menschen vor psychischen Folgeschäden schützen und Investitionen in nachhaltige Strukturen statt veraltete Sackgassen stecken.

Packen wir es an.


Quellen:

Titelbild von Public Co. und Gerd Altmann

[1] https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Coronavirus—Aktuelle-Ma%C3%9Fnahmen.html

[2] Wir sind zwar ein bisschen spät dran, aber wir haben ja auch neun Monate recht ineffizient verstreichen lassen.

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