7 überraschende Fakten zur Avocado und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung

Teil der neuen Serie: Avocado – alles, was du schon immer über die trendige Frucht wissen wolltest

Teil I

Grün, cremig und super gesund: Trotz der Schwierigkeit, die manche Menschen mit dem Schneiden haben, erfreut sich die Avocado weltweit großer Beliebtheit. Sauerteigbrot mit Avocado gehört nicht nur in meiner Heimat Österreich, sondern auch in den USA und Singapur zu den Standards auf der Speisekarte vieler trendiger Cafés und Restaurants.

Kein Wunder, denn die Avocado ist vielseitig verwendbar, enthält viele gesunde Inhaltsstoffe und schmeckt einfach lecker. Doch in letzter Zeit ist die grüne Frucht wegen ihrer Umweltauswirkungen immer mehr in Verruf geraten. Ein hoher Wasserverbrauch, weite Transportwege und Monokulturen zählen zu den Kritikpunkten, mit denen die birnenförmige Schönheit in den Medien assoziiert wird.

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Daher veröffentliche ich wieder eine Artikelserie zum Thema. Im ersten Teil gebe ich einen Überblick zur Pflanze, zu Anbauländern und Export, in Teil II werde ich über verschiedene Anbaugebiete sowie den Unterschied zwischen Bio und konventionell sprechen und Teil III dreht sich wie immer um Food Waste. Los geht’s!

Was dich in Teil I erwartet

  1. Die sieben überraschendsten Fakten in Kürze
  2. Avocado – was ist das und wie wächst es?
  3. Anbaumengen, Export und Import

1.Die sieben überraschendsten Fakten in Kürze

  1. Die Avocado ist eigentlich eine Beere.
  2. Es gibt über 400 Avocadosorten, doch in Mitteleuropa kennen wir lediglich Fuerte und Hass.
  3. Riesenavocados (Avozillas) können bis zu 1,8 kg schwer werden!
  4. Es gibt sogar kernlose Avocados!
  5. Von 2002 bis heute hat sich die weltweite Avocadoproduktion beinahe verdreifacht! Mehr als die Hälfte aller weltweit exportierten Avocados landet in den USA, mehr als ein Drittel in der EU.
  6. Mittlerweile beträgt der Avocadokonsum pro Kopf in westlichen Ländern 1 kg pro Jahr, doch bis 2028 könnte dieser laut Prognosen auf 2,4 kg ansteigen!
  7. Das und viel mehr erfährt ihr in den folgenden Teilen.

2. Die Avocado – was ist das und wie wächst es?

Im ersten Absatz ist es dir sicher schon aufgefallen: Ich bezeichne die Avocado als Frucht. Denn sie ist wirklich eine! Aus botanischer Sicht kann sie sogar als Beere bezeichnet werden und gehört zu den Lorbeergewächsen[1].

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Foto: Avocado „Hass“

In Mitteleuropa unterscheiden Konsumenten lediglich zwischen zwei Avocadosorten: Eine etwas dickere mit dunkler, ledriger Schale (Hass) sowie eine schlankere Frucht mit glatter, grüner Haut (Fuerte).  Doch insgesamt werden weltweit mehr als 400 Avocadosorten angebaut! Darunter sind Sorten wie Pinkerton, die den unwissenden Konsumenten stark an Fuerte erinnern. Doch auch Sorten mit stark runzliger Haut wie Clifton werden kultiviert[2]. Sie alle stammen von drei Urtypen ab, die nach ihrem ursprünglichen Wachstumsort benannt werden: Mexiko, Westindien und Guatemala[3].

Wenn man eine Avocado aufschneidet, sieht man zartgrünes Fruchtfleisch und einen einzigen großen Kern. Die Menge an Fruchtfleisch variiert je nach Sorte und Herkunft: Während die in Mitteleuropa erhältlichen Avocados meiner Erfahrung nach zwischen 150 und 200 g auf die Waage bringen, können de sogenannten „Avozillas“ sogar bis zu 1,8 Kilogramm auf die Waage bringen[4]! Sie sind eine recht neue Erscheinung und entstanden wie die anderen Sorten ebenfalls aus einer zufälligen Kreuzung.

Mittlerweile gibt es sogar Avocados ohne Kern in der Mitte: Das macht das Schneiden einfacher. Etwa eine von 100 verkauften Avocados sind ganz zufällig kernlos[5]. Die gewollt kernlos gezüchtete Sorte kommt aus Spanien und ist hauptsächlich in England erhältlich. Diese Früchtchen sind allerdings wesentlich kleiner als die Avocados, die wir kennen und erinnern an junge Gurken. Ohne Kern sind die Avocados natürlich unfruchtbar[6]. Generell kann man Avocadokerne einpflanzen und erhält sogar einen Baum. Doch bis der Früchte trägt, dauert es normalerweise bis zu zehn Jahre.

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Der immergrüne Avocadobaum kann eine Höhe von bis zu 20 Metern erreichen. Er hat graue Rinde und große, ovale Blätter.  Die kleinen, kurzstieligen Blütenstände sind in unauffällig gelben bis grünen Tönen gefärbt. Der Großteil dieser Blüten ist steril, dennoch kann ein einziger Avocadobaum 200 bis 500 Früchte pro Ernte hervorbringen[7].

Der Avocadobaum verließ sich bei seiner Vermehrung ursprünglich auf große Säugetiere, die in seinem Ursprungsgebiet in Mittelamerika seine Samen fraßen, ausschieden und so in ausreichender Entfernung von der Mutterpflanze wieder aussäten. Heute übernimmt der Mensch diese Arbeit – und vermehrt den Avocadobaum durch Aussaat, Stecklinge oder Pfropfen. Letzteres ist eine Technik, bei der die Avocado auf eine schnellwüchsige Unterlagenpflanze gesetzt wird. Mit Stecklingen kann man einen genauen Klon der Pflanze produzieren, von der man den Steckling hat – somit kann man die gewünschten Eigenschaften wesentlich sicherer vermehren als durch die Aussaat eines Kerns.

3. Anbaumengen, Export und Import

Wie schon erwähnt, stammt die Avocado ursprünglich aus Mittelamerika. Durch den Menschen hat sie sich von dort aus in die ganze Welt verbreitet: Avocados werden heute weltweit in tropischen Regionen, aber auch in mediterranen Regionen, Südafrika, Israel und Australien kultiviert.

2002 teilte sich die weltweite Avocadoproduktion folgendermaßen auf:

2,6 Millionen Tonnen Avocados pro Jahr wurden auf einer Fläche von ca. 3487 km² angebaut[8].

[9]

Die Anbaumengen haben sich seit damals massiv erhöht: 2018 wurden weltweit bereits rund 6,3 Millionen Avocados geerntet[10]. Damit hat sich die Anbaumenge beinahe verdreifacht!

Das liegt daran, dass der Avocadomarkt stark von Exportmengen beeinflusst wird und die globale Nachfrage nach Avocados jährlich um unglaubliche 13 % pro Jahr stieg[11]. 2018 sehen die Anbaumengen folgendermaßen aus:

[12]

Zu den größten Avocadoexporteuren zählt Mexiko, welches mehr als die Hälfte seiner Ernte ins Ausland verkauft. Davon gehen 80 % in die USA, der Rest nach Japan, Kanada und Europa[13]. Peru exportiert 2/3 seiner Exportmenge in die Europäische Union, seit 2013 auch immer mehr nach Asien. Kolumbien konzentriert sich stärker auf den Export in die USA und wetteifert hier mit Mexiko um ein höheres Exportvolumen[14]. Da aufgrund des tropischen Klimas ganzjährige Ernten möglich sind und auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich als stabiler erweisen, sind diese Pläne nicht unrealistisch.

Global teilen sich die Exportmengen hauptsächlich auf die USA (50 %) und die Europäische Union (28 %) auf[15]. Doch auch Japan, Südkorea und China importieren immer größere Mengen an Avocados[16].

Verglichen mit anderen tropischen Früchten wie Ananas, Banane, Mango und Papaya sind die konsumierten Mengen am stärksten gestiegen. In industrialisierten Ländern fällt dabei der Anstieg erwartungsgemäß besonders kräftig aus: rund 9 % pro Jahr zwischen 2009 und 2018. Mittlerweile liegt der jährliche Konsum durchschnittlich bei rund einem Kilogramm pro Jahr. Regional gibt es allerdings große Unterschiede: So waren es in Mittelamerika 2019 4,4 kg pro Personen und in industrialisierten Ländern rund 1 kg. Ein Anstieg auf 2,4 kg wird erwartet[17]. Die Zeiten für Avocadobauern sehen zumindest rein von der nachfrage her betrachtet gut aus. Doch wie wirken sich die durstigen Avocadobäume auf die Umwelt aus? Das erfährst du im nächsten Artikel.

Zusammenfassung

Wie schon bei meinem Artikel zu Bananen habe ich durch die Recherche zu diesem Artikel die unglaubliche Sortenvielfalt bei Avocados kennengelernt. Ich freue mich darauf, nun bewusster verschiedene Sorten zu identifizieren und Geschmacksunterschiede zu schmecken.

Die Recherchen zeigen, dass der Run auf die Avocado gerade in Industrieländern ungebrochen ist. Da der Avocadotrend schon mehr als ein Jahrzehnt anhält und die dahinterstehenden Megatrends (gesunde Ernährung, pflanzenbasierte Ernährung, functional food, Fitness) ebenfalls nicht schwächer werden, gehe ich davon aus, dass der Avocadokonsum in industrialisierten Ländern durchaus noch weiter steigen kann. Doch wie lange kann das so weitergehen? Der Avocadoanbau verursacht gerade in mediterranen Gebieten, die immer stärker von Trockenheit betroffen ist, große Probleme (mehr dazu in Teil II). Zudem werden ja stetig neue Superfoods entdeckt. Es bleibt spannend.

Was war in diesem Artikel neu für dich? Und welche Frage möchtest du in Teil II (Anbau und soziale Aspekte) beantworten? Ich freue mich über deinen Kommentar.

Links zu weiteren Teilen: II (Anbau und soziale Aspekte), III (Wie gesund ist die Avocado wirklich?) und IV (Bewusst umgehen mit Avocados – Die zehn besten Tipps zur Food Waste Vermeidung).


Quellen:

Beitragsbild: REPIC_STUDIO (Pixabay)

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Avocado

[2] The Hofshi Foundation. (n.d.). Avocadosource.com. http://www.avocadosource.com/

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Avocado

[4] Santos, C. (2019). These giant avocados weigh over a kilogram. Broadsheet. https://www.broadsheet.com.au/national/food-and-drink/article/avozilla-giant-avocados

[5] Krstic, Z. (2017). Here’s the deal with pitless avocados. CookingLight. https://www.cookinglight.com/healthy-living/health/no-pit-pitless-avocado-safe-to-eat

[6] Van Hare, H. (2017). Seedless avocados are here and we’re obsessed. Los Angeles Times. https://www.latimes.com/food/sns-dailymeal-1860469-healthy-eating-seedless-avocados-120817-20171208-story.html

[7] Reddy, J. (2019). Avocado Fruit Farming information Guide. Agri Farming.  https://www.agrifarming.in/avocado-fruit-farming

[8] Dorantes, L., Parada, L. & Ortiz, A. (2004). Avocado – Post-harvest operations. Food and Agricultural Organisation of the United Nations. http://www.fao.org/fileadmin/user_upload/inpho/docs/Post_Harvest_Compendium_-_Avocado.pdf

[9] Dorantes, Parada & Ortiz, 2004

[10] Altendorf. (2019). Major tropical fruits market review 2018. Food and Agricultural Organisation. (http://www.fao.org/3/ca5692en/ca5692en.pdf)

[11] Altendorf, 2019

[12] Altendorf, 2019

Info: In dieser Grafik sind manche Länder von 2002 aufgrund fehlender Daten zu den Erntemengen nicht mehr vertreten.

[13] New Zealand Avocado. (n.d.). World Avocado Market. https://industry.nzavocado.co.nz/world-avocado-market/

[14] New Zealand Avocado, n.d.

[15] Altendorf, 2019

[16] Yoon, J. (2020). Global Avocado Market Update. Tridge. https://www.tridge.com/stories/global-avocado-market-update

[17] Altendorf, 2019

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