Avocado & Food Waste

No food waste! Das ist mein Motto im Alltag, ob zu Hause oder unterwegs. Doch gerade bei Avocados musste auch ich öfter mal etwas wegwerfen (besonders wenn sie gedumpstert sind). Selten hat die Butterfrucht die richtige Konsistenz zum Verzehr, oft ist sie zu hart, zu weich oder wird  braun. Wie viel Food Waste entsteht durch Avocados wirklich? In diesem Artikel verfolge ich die Wertschöpfungskette der Avocado. Du erfährst hier auf einen Blick, wie und wo die Butterfrucht verschwendet wird und wie man das vermeiden könnte.

Zum Thema Food Waste bei Avocados gibt es, wie bei den meisten einzelnen Lebensmitteln, eine lückenhafte Dokumentation. In Kenia sind es 30000 bis 40000 Tonnen der Jahresproduktion von 81000 Tonnen[1], also fast 50%. In diese Zahl sind viele Ursachen auf der Produktionsseite mit eingerechnet, jedoch nicht die Lebensmittelverschwendung, die während und nach dem Export entsteht. Die Prozentangabe kann als repräsentativ für die meisten großen Avocadoexporteure angesehen werden.

Inhalt

  1. Food Waste entlang der Wertschöpfungskette
  2. Wie erkenne ich reife Avocados?
  3. Wie bewahrt man angeschnittene Avocados auf?
  4. Was mache ich mit Kern und Schale?
  1. Food Waste entlang der Wertschöpfungskette

Bei Anbau und Ernte gehen bereits viele Avocados zu Bruch. Die Ursachen dafür sind vielseitig: Falsche Erntepraktiken, schlechtes Erntemanagement sowie Schädlinge und Krankheiten spielen dabei eine Rolle[2]. Durch mehr Wissen sowie den Einsatz von Varianten, die sich für die jeweilige Region am besten eignen, kann dies verbessert werden.

Während des Transports werden Avocados nicht nur gekühlt, sondern auch in einer Spezialatmosphäre gelagert. Sie enthält mehr Kohlendioxid und weniger Sauerstoff, was den Reifungsprozess verlangsamt[3]. Doch wenn die Temperatur zu kalt ist, führt das zu unschönen Verfärbungen der Butterfrucht, die erst vom Konsumenten zu Hause bemerkt wird. Dieser Kälteschaden ist auch von Mangos bekannt.

Um sonstige Transportschäden zu erkennnen, gibt es bereits Technologie: Beispielsweise entwickelte das britische Unternehmen Martin Lishman eine elektrische Avocado, die in Form, Größe und Gewicht der originalen Avocado entspricht. Mit ihr lässt sich einfacher erkennen, durch welche Handlungen beim Transport Schäden entstehen. Agricola Ocoa, ein kolumbianischer Avocadofarmer, probiert die elektrische Avocado gerade mit seinem Erntegut aus. So kann das Unternehmen geeignete Maßnahmen entwickeln, um seine Avocados sicherer zu transportieren[4]. Das Unternehmen Apeel Sciences hat eine pflanzenbasierte Beschichtung entwickelt, die die durchlässige Schale weniger Feuchtigkeit und Sauerstoff verlieren lässt. In den US führte das zu einer 50%-igen Reduktion der Verschwendung von Avocados in US-amerikanischen Supermärkten, und auch in Deutschland sind diese Avocados bereits in Supermärkten erhältlich.

Doch auch durch kürzeren Transport können sehr viele Ernteschäden vermieden werden. Achte beim Avocadokauf darauf, Avocados aus der Region zu beziehen. So kannst du bereits transportbedingte Lebensmittelverschwendung geringer halten.

2. Wie erkenne ich reife Avocados?

Im Einzelhandel ist es sowohl für das Personal als auch für Konsumenten oft schwer zu sagen, wie reif die Avocado ist und wann sie über dem idealen Verzehrszeitpunkt liegt. Bei vielen anderen Obst- oder Gemüsesorten wie z.B. Beeren ist das dank der fehlenden Schale einfacher zu entscheiden.

Studierende aus Harvard haben daher einen Sensor entwickelt, der den Reifegrad einer Avocado messen kann und auch anzeigt, wie viele Tage sich die Avocado noch hält. Forscher der britischen Cranfield-Universität nutzen Laser und Vibrationen. Damit können auch Unwissende den Reifegrad von Avocados einfacher und akkurater einschätzen, ohne die Avocado dabei zu beschädigen.

Auch wenn dein Supermarkt oder Markthändler diese Methoden nicht einsetzt, kannst du selbst gezielt nach Avocados mit verschiedenen Reifegraden Ausschau halten – je nachdem, an welchem Tag du die Butterfrucht essen möchtest. Wenn die Avocadoschale bei Druck leicht nachgibt, ist sie bereit zum Verzehr. Harte Avocados hingegen müssen bei Zimmertemperatur nachreifen. Ein weiterer Trick ist es, den Stiel herauszuziehen. Wenn er sich leicht lösen lässt und das Fruchtfleisch darunter grün ist, ist die Avocado bereit zum Verzehr. Dies wird jedoch im Markt bzw. Supermarkt nicht gerne gesehen, da es ja die Avocado beschädigt und sie schneller verderben lässt.

Sei beim Öffnen der Avocado nicht zu ungeduldig: Denn einmal aufgeschnitten reift die Avocado im ganzen Zustand nicht weiter. Um den Reifungsprozess zu beschleunigen, soll es auch helfen, die Avocado zwischen reife Bananen zu legen[5]. Wenn du fälschlicherweise doch einmal eine unreife Avocado geöffnet hast, kannst du sie durch Einlegen in Essig, Salz und Zucker weiterreifen lassen. Eine genaue Anleitung findest du in der Fußnote[6].

3.Wie bewahrt man angeschnittene Avocados auf?

Am besten gar nicht, sie oxidieren schnell und werden braun. Anstatt sie in Frischhaltefolie einzuwickeln, lege ich Avocadohälften oft mit der Schnittfläche nach unten in eine kleine Schale und decke diese luftdicht ab. Davor kannst du sie noch mit etwas Zitronensaft einreiben. Alternativ hilft es auch, die Hälfte mit dem Kern aufzubewahren, da dieser die Braunfärbung ebenfalls verhindert. So hält die Avocado noch 1-2 Tage länger. Für Avocadoliebhaber gibt es auch niedliche Sets zu kaufen, die sowohl die Aufbewahrung als auch das Reifen vereinfachen. Sie sind nicht unbedingt notwendig, aber für einen großen Avocadofan eine ganz nette Geschenkidee[7].

Avocados, die bereits kleine braune Stellen haben, kannst du noch gefahrlos essen. Schneide sie einfach weg. Schimmlige Avocados sollten nicht mehr verzehrt werden (gilt allgemein für Obst und Gemüse).

4. Was mache ich mit Kern und Schale?

Den Avocadokern kannst du einpflanzen und daraus ein kleines Bäumchen ziehen. Im mitteleuropäsichen Klima wächst dieses auch heran, trägt aber in den seltensten Fällen genießbare Früchte.

Zum Genuss des Kerns kannst du die Haut entfernen und ihn fein reiben, sodass der zu Pulver wird. Das kannst du z.B. Smoothiebowls oder Müslis beigeben. Und im Gegensatz zur Avocado selbst ist es auch noch haltbar. Wichtig ist es, das Pulver vor der Lagerung gut zu trocknen, damit es nicht verdirbt. Zum Verzehr des Pulvers gibt es jedoch gemischte Meinungen – Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass es auch den Bitterstoff Persin enthält, der für Menschen in geringen Mengen als nicht gefährlich gilt[8]. Doch insgesamt ist der Verzehr des Avocadokerns noch nicht ausreichend untersucht, sodass sich dazu keine abschließende Aussage treffen lässt. Wenn dir der Geschmack des Avocadokerns zusagt, nutze ihn in Maßen und nicht in Massen.

Ein US-amerikanisches Unternehmen, Reveal, verarbeitet Avocadoabfälle zu einem Wellness-Drink. Dazu werden die Antioxidantien extrahiert und mit einigen anderen Zutaten verwertet. Bis dato ist das Getränk nur in den USA erhältlich[9]. Mir scheint es jedoch eine spannende und sichere Möglichkeit, die wertvollen Antioxidantien aus der Avocado zu genießen.

Ansonsten kannst du auch ausprobieren, inwiefern sich Avocadokerne für dich als Haarkur eignen: Es gibt dazu ein Rezept in der Fußnote, ich nehme hier allerdings je nach Zustand der Haare weniger bis gar kein Öl[10]. Ich verwende den Kern sonst auch als Spielzeug für Yuna, meinen Kater.

Dieser Artikel zeigt, dass es sehr viele gute Methoden gibt, um Lebensmittelverschwendung entlang der Wertschöpfungskette sowohl als Produzent als auch als Konsument zu verhindern. Du kannst den Reifegrad von Avocados selbst bestimmen und so mit weniger Geld mehr Avocados von höherer Qualität genießen.

Doch passen Avocados grundsätzlich zu einem nachhaltigen Konsumstil? Die Avocado hat ja verglichen mit anderen Obst- und Gemüsesorten eine vergleichsweise schlechte Umweltbilanz. Sollten wie sie also lieber komplett weglassen? Mehr von „verbotenen Lebensmitteln“ und wie du wirklich nachhaltig Avocaodos konsumieren kannst, erfährst du im nächsten Artikel.


[1] https://www.researchgate.net/profile/Lusike-Wasilwa/publication/267683079_STATUS_OF_AVOCADO_PRODUCTION_IN_KENYA/links/58f5ae67a6fdcc11e56a0129/STATUS-OF-AVOCADO-PRODUCTION-IN-KENYA.pdf?origin=publication_detail

[2] https://www.researchgate.net/profile/Lusike-Wasilwa/publication/267683079_STATUS_OF_AVOCADO_PRODUCTION_IN_KENYA/links/58f5ae67a6fdcc11e56a0129/STATUS-OF-AVOCADO-PRODUCTION-IN-KENYA.pdf?origin=publication_detail

[3] https://www.hapag-lloyd.com/de/company/about-us/newsletter/2015/06/a-cool-journey-for-fresh-avocados_41181.html

[4] https://www.fruitnet.com/eurofruit/electronic-avocado-helps-cut-food-waste/185554.article

[5] https://www.rohkost24.net/avocado-lagern

[6] https://www.springlane.de/magazin/avocado-reifen-lassen/

[7] https://mr-green.ch/products/set-zero-avocado-waste

[8] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/avocadokerne-lieber-nicht-13836

[9] https://www.drinkreveal.com/

[10] https://www.smarticular.net/erstaunliche-anwendungen-fuer-avocadokerne-nie-wieder-wegwerfen/

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