Containering

Beiträge: siehe Was ist heute im Container?

Mit bloßen Händen in einer Mülltonne zu wühlen und das Gefundene nachher zu essen…

Es klingt nicht lecker, davon zu lesen. Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich, es suchen sich nur ganz besonders verrückte oder geizige Menschen ihr Essen aus dem Müll. Umso mehr erstaunt es mich heute, dass ich seit einem halben Jahr selbst containere.

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Was wird heute wohl drin sein?

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Viel!

Wie kam ich dazu?

19:47, namhafte Supermarktkette in Österreich

Auf dem Weg nach Hause fahre ich, wie jeden Abend, am Supermarkt vorbei. Der Parkplatz ist schon menschenleer. Nur die Mülltonnen stehen dort. Da fällt mir ein Interview ein, das ich kürzlich gelesen habe: Es ging um einen Mann, der „containert“. Er erzählt, wie er in Wien sein Essen aus dem Müll der Supermärkte sammelt. Doch tut er das nicht aus Geldgründen, sondern aus Idealismus. Er warf eine für mich andere Perspektive auf Containern.

Aus Neugier fahre ich auf den Parkplatz, vorbei an den heruntergelassenen Schranken. Das Licht geht an, als ich die Tonnen erreiche. Beim Öffnen bin ich erstaunt, dass es gar nicht so stinkt, wie ich dachte. Im „Biomüll“ werde ich sofort fündig. Ich fische 3 Bund Lauchzwiebeln, eine Menge grünen Spargel und Granatäpfel aus dem Eimer. Auch eine super reife Banane ist dabei.

Der Granatapfel kommt am nächsten Morgen in mein Joghurt und die Spargelstangen werden in einer Olivenöl-Balsamico-Vinaigrette zu einer edlen Vorspeise. Aus der (sofort tiefgekühlten) Banane wird ein kühler Smoothie und die Lauchzwiebeln verfeinern eine Gemüsepfanne.

Das war mein erster Kontakt mit Containern vor etwa einem halben Jahr. Mich macht es vor allem nachdenklich. Abends hatte ich anfangs Schwierigkeiten, nach dem Containern zur Ruhe zu kommen. Es war so viel, was mit durch den Kopf ging. Ein weiterer Grund, es hier mit dir zu teilen.

Die Welt produziert schon lange genug Nahrungsmittel, um alle Menschen dieser Welt zu ernähren. Und doch werfen die Discounter und Supermärkte unserer „zivilisierten“ westlichen Welt Nahrung weg, während Menschen in der Sahelzone an Hunger und Wassermangel sterben, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch wenn wir diesen hungernden Menschen die Nahrungsmittel natürlich nicht direkt zukommen lassen können, empfinde ich es als illegitim, genießbare Lebensmittel wegzuwerfen. Das ist auch ein Teil meiner Motivation zu Containern.

Solange ich allerdings selber containere und niemandem davon erzähle, habe nur ich selber einen Vorteil davon. Containern war für mich daher ein wichtiger Treiber zur Errichtung dieses Blogs.

Ich möchte dazu beitragen, dass sich das Bewusstsein für Lebensmittel bei uns ändert. Sie sind erst seit 50 Jahren ein billiges, selbstverständliches und allzeit verfügbares Wegwerfgut und das noch längst nicht überall auf der Welt. Ich würde mich freuen, wenn mehr Menschen wertschätzender mit Lebensmitteln umgehen.

Ich empfehle dir, wenn du die Möglichkeit hast: Probiere Containern selber mal aus! Informationen zum Gesetz kannst du in meinem Artikel unten finden (Inhalte folgen), zusammen mit vielen anderen Links.